Neubau des hessischen Finanzministeriums im Passivhausstandard. Foto: Urbansky

Finanz­mi­nis­terium Hessen: Der Staat kann auch passiv (bauen)

von | 10. Oktober 2016

Alle Beschäf­tigten unter einem Dach zu haben, das war eines der Ziele beim Neubau des hessi­schen Finanz­mi­nis­te­riums, das komplett im Passivhaus-​Standard errichtet wurde.

Vier Stock­werke, 80 Büroräume, fünf Bespre­chungs­zimmer, ein Veran­stal­tungssaal für bis zu 300 Personen, eine Bibliothek sowie eine Garage mit 74 Stell­plätzen – das sind die Kenn­zahlen des neuen Dienstgebäudes.

Das neue Dienst­ge­bäude verfügt über eine Nutz­fläche von rund 2.500 m². Die haus­halts­rechtlich aner­kannten Gesamt­bau­kosten belaufen sich auf gut 22 Millionen Euro. Der Auftrag wurde nicht öffentlich, sondern innerhalb der hessi­schen Staats­bau­ämter ausge­schrieben, die damit ihre Leis­tungs­fä­higkeit unter Beweis stellen wollten.

Keine Geothermie möglich

Die Kühlung erfolgt durch Beton­kern­ak­ti­vierung in den Decken. In der großen Empfangs­halle wurde eine Fußbo­den­heizung ange­bracht. Die Heizung erfolgt durch die Abwärme des dane­ben­lie­genden Altbaus. Sie ist also, abgesehen von der Instal­lation des Wärme­tau­schers, zum Null-​Tarif zu haben. Eine weitere Wärme­quelle sind die großen Fens­ter­fronten und die verglasten Decken in der Halle. Selbst im Winter lässt sich hier ein Wärme­ertrag von 1000 W je m² Fens­ter­fläche erzielen. Ursprünglich war Geothermie als Wärme­quelle gedacht. Doch die fiel nach Probe­boh­rungen aus, als direkt unter dem Grund­stück ein arte­si­scher Brunnen angezapft wurde – im wasser­reichen Wies­ba­dener Unter­grund nicht unbedingt eine Überraschung.

Dieser Neubau ist nach dem Behör­den­zentrum Heppenheim mit etwa 7000 m² und dem Poli­zei­prä­sidium Nord­hessen in Baunatal mit etwa 3800 m² bereits das dritte große Passivhaus-​Projekt des Landes Hessen.

Passiv ist günstiger

Die Wahl des hoch ener­gie­ef­fi­zi­enten Passivhaus-​Standards habe auch finan­zielle Gründe, erklärte Finanz­mi­nister Thomas Schäfer schon beim Richtfest 2014. Er betonte unter anderem die geringen Betriebs­kosten nach Fertigstellung.

Einge­bunden ist das Neubau­projekt zugleich in die CO2-​Minderungsstrategie der Hessi­schen Landes­ver­waltung, die bis 2030 CO2-​neutral arbeiten soll. Maßnahmen zur Stei­gerung der Ener­gie­ef­fi­zienz, also der Passivhaus-​Standard bei Neubauten oder etwa die Beschaffung von ener­gie­ef­fi­zi­enten Computern unter Berück­sich­tigung der Lebens­zy­klus­kosten, sind hier Schwerpunkte.


Fun­dierte Beiträge zum Thema Ener­gie­ef­fi­zienz, zu dem ja auch das Passivhaus zählt, bietet Energieblogger-​Kollege Andreas Kühl hier auf seinem Blog Energynet.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

1 Kommentar

  1. IndependentPowerProducer

    Oh wie häßlich.
    Zuerst habe ich an ein Vertei­di­gungs­mi­nis­terium gedacht. Wegen der Schieß­scharten. Als ich dann las, dass es sich um das Finanz­mi­nis­terium handelt, kam mir die Zermutung, dass es sich um die Schlitze eines Spar­schweins handelt 😉

    Mit sonnigen Grüßen

EnWiPo
EnWiPo
Holz­ver­gaser: Comeback einer totge­glaubten Technologie

Holz­ver­gaser: Comeback einer totge­glaubten Technologie

Holzvergaser gibt es schon seit gut 130 Jahren, als sie die industrielle Revolution in England befeuerten. In der Nachkriegszeit eine probate Lösung, um dem Treibstoffmangel im Verkehrssektor zu begegnen. Heutzutage dienen sie als Heizlösung insbesondere dort, wo viel...

Inves­ti­tionen und Betrieb andere machen lassen

Inves­ti­tionen und Betrieb andere machen lassen

Die Novellen der Heizkostenverordnung und der Wärmelieferverordnung lassen auf sich warten. Jedoch wurden zuletzt steuerliche Hemmnisse für Wohnungsunternehmen verringert, die ihnen den Energiehandel erschwerten. Für Contractoren ist dies kein bedrohliches Szenario....

West­afrika: Wasserstoff-​Powerhouse mit drei Haken

West­afrika: Wasserstoff-​Powerhouse mit drei Haken

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek will den Sonnenreichtum Westafrikas nutzen, um Wasserstoff für Deutschland zu produzieren. Das Projekt hat nur Chancen bei einer echten Partnerschaft. Ohne Wasserstoff wird die Energiewende nicht gelingen. "Der Strombedarf...

Strom aus Strömen

Strom aus Strömen

Wasserkraft ist neben Biomasse die einzige grundlastfähige erneuerbare Energieform. Doch die Ausbaupotenziale für große Pumpspeicher- oder reine Wasserkraftwerke sind begrenzt. Bürger begehren auf, Investoren ziehen sich zurück. Die kleine Variante, etwa...