Die Brennstoffzelle fürs Eigenheim - ein Förderobjekt des Regierungsprogrammes. Foto: Thermondo

Regierung: 10 Jahre für Brennstoffzellen-Programm

von | 20. Oktober 2016

Die Bundes­re­gierung will mit dem Regie­rungs­pro­gramm für Wasserstoff- und Brenn­stoff­zel­len­tech­no­logie die Markt­ein­führung von wett­be­werbs­fä­higen Produkten durch die Industrie bis zur Mitte des nächsten Jahr­zehnts (bis 2026) erreichen. 

Das Programm ist die Fort­führung und quasi zweite Phase des Natio­nalen Inno­va­ti­ons­pro­gramm Wasserstoff- und Brenn­stoff­zel­len­tech­no­logie (NIP).

Wasserstoff- und Brenn­stoff­zel­len­tech­no­logien sind Schlüs­sel­tech­no­logien für die Umge­staltung des Ener­gie­systems. … Die Inter­na­tionale Ener­gie­agentur kommt in ihrer aktuellen inter­na­tio­nalen Analyse der Wasserstoff-​Brennstoffzellen-​Technologie („IEA Hydrogen Roadmap“) zu dem Ergebnis, dass diese einen Beitrag zur Errei­chung des 2‑Grad-​Ziels der inter­na­tio­nalen Staa­ten­ge­mein­schaft leisten kann, so die Regierung.

Das Programm soll die Lücke zwischen Forschung und Entwicklung auf der einen Seite und dem Markt auf der anderen Seite geschlossen werden. Folgende Hand­lungs­felder sind für die nächsten 10 Jahre dem Kabinett nach zu beackern:

Infra­struktur und Antriebe für emis­si­ons­freien Verkehr

Hierzu zählt der Ausbau der Infra­struktur, insbe­sondere eines Tankstellen-​Netzwerkes für die Betankung von druck­för­migem Wasser­stoff mit einem Spei­cher­druck im Fahrzeug von bis zu 700 bar. Das bisherige NIP hat es auf 50 dieser Tank­stellen gebracht. Nun sollen es bis 2026 insgesamt 400 Tank­stellen werden. Hinzu kommt noch das Potenzial von Brennstoffzellen-​Bussen, das bis 2020 bei rund 100 Bussen bundesweit gesehen wird. Hinzu kommen noch umfang­reiche Pläne für die Logistik sowie den Schiffs- und Luft­verkehr (hier insbe­sondere die Bord­strom­ver­sorgung und Antriebe bei kleineren Flugzeugen).

CO2-​arme und klima­freund­liche Versorgung von Gebäuden

Hier soll der ab Ende dieses Jahres erwartete Mark­t­hochlauf von hoch­in­no­va­tiven statio­nären Brennstoffzellen-​Heizungen im kleinen Leis­tungs­be­reich, also für Einfa­mi­li­en­häuser, durch ein befris­tetes und degressiv ausge­legtes Inves­ti­ti­ons­zu­schuss­pro­gramm gefördert werden. Im gewerb­lichen und indus­tri­ellen Bereich soll die Kraft-​Wärme-​Kopplung via Brenn­stoff­zelle gefördert werden.

Weitere Hand­lungs­felder sind:

Indus­trie­pro­zesse, hier insbe­sondere die Absi­cherung kriti­scher Infra­struk­turen sowie die Kosten­re­duktion durch die Entwicklung der Zulie­fer­industrie und die Stärkung der Grundlagenforschung.

Zuständig für Reali­sierung und Finan­zierung im Rahmen der jewei­ligen Haushalte sind dafür jeweils die folgenden Ministerien:

  • Bundes­mi­nis­terium für Verkehr und digitale Infra­struktur (BMVI),
  • Bundes­mi­nis­terium für Wirt­schaft und Energie (BMWi),
  • Bundes­mi­nis­terium für Bildung und Forschung (BMBF),
  • Bundes­mi­nis­terium für Umwelt, Natur­schutz, Bau und Reak­tor­si­cherheit (BMUB).

Industrie und Unter­nehmen sollen in dem Planungs­zeitraum zudem mindestens 2 Milli­arden Euro investieren.


Der Frage, wer das Heizen mit Erneu­er­baren Energien, zu der poten­tiell auch die Brenn­stoff­zelle zählt, hemmt, geht Energieblogger-​Kollege Kilian Rüfer hier auf seinem Blog Sustainment nach.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

0 Kommentare

EnWiPo
EnWiPo
Effi­zi­enz­stan­dards: Frag­würdige Benchmark

Effi­zi­enz­stan­dards: Frag­würdige Benchmark

Energetische Sanierungen gelten als zentraler Hebel, um die Energieeffizienzklasse von Bestandsgebäuden zu verbessern. Maßnahmen wie Fassaden- und Dachdämmung, der Austausch alter Fenster oder die Erneuerung ineffizienter Heizsysteme können den Energieverbrauch...

Wärme­wende vor Ort: Planung läuft, Umsetzung stockt

Wärme­wende vor Ort: Planung läuft, Umsetzung stockt

Anfang 2026 zeigt die kommunale Wärmeplanung in Deutschland ein gemischtes Bild. Die Planungen kommen voran und wirken organisatorisch machbar. Doch die Umsetzung könnte zum milliardenschweren Engpass werden. Anfang 2026 zeigt die kommunale Wärmeplanung (KWP) in...

Luft-​Luft-​Wärmepumpen ersetzen Gas-Etagenheizungen

Luft-​Luft-​Wärmepumpen ersetzen Gas-Etagenheizungen

Die Wärmewende im Gebäudebestand bedeutet oft den Anschluss an zentrale Wärmenetze. Doch Millionen fossiler Gasetagenheizungen lassen sich schnell und ohne tiefgreifende nur mit Wärmepumpen ersetzen. Luft-Luft-Wärmepumpen (LLWP) arbeiten wie umkehrbare...

Mit Künst­licher Intel­ligenz Gebäude effizient steuern

Mit Künst­licher Intel­ligenz Gebäude effizient steuern

Die technische Basis ist in vielen Objekten bereits vorhanden. KI kann helfen Gebäudetechnik effizienter zu betreiben. Besonders deutlich – und wirtschaftlich gut messbar – zeigt sich dies bei der Energieversorgung. Angesichts steigender Kosten gewinnt dieses Thema...