Schwin­del beim Öko­strom – So können sich Ver­brau­cher schüt­zen

Grünes Feld mit Windturbinen und Solaranlagen unter bewölktem und blauem Himmel
Legten im 1. Quartal am stärksten zu: PV und Windkraft. Foto: Marcel Clemens – 107479847 / Shutterstock.com

Der Umwelt­ver­ein Grüner Strom Label (GSL) weist in einer aktu­el­len Pres­se­mit­tei­lung darauf hin, dass viele Strom­an­bie­ter zwar mit Öko­strom werben, der End­kunde aber oftmals gar keinen „grünen“ Strom erhält.

Statt­des­sen handelt es sich oftmals um CO2-Kompensationstarife, die ver­spre­chen, Emis­si­ons­ra­ten an anderer Stelle wieder aus­zu­glei­chen – mit frag­wür­di­gem Nutzen. Doch wie können sich Ver­brau­cher schüt­zen?

Wer kli­ma­be­wusst leben möchte, hat heut­zu­tage vie­ler­lei Optio­nen, seinen ganz per­sön­li­chen Beitrag zur Ener­gie­wende zu leisten. Nur schade, dass viele Unter­neh­men ihre Kunden bewusst hinter das Licht führen. Dies zumin­dest stellte der Umwelt­ver­ein Grüner Strom Label (GSL) in einer kürz­lich ver­öf­fent­lich­ten Pres­se­mit­tei­lung heraus.

Nur CO2-Kompensation

Der Meldung zufolge würden zwar viele Strom­an­bie­ter Kunden mit dem Ver­spre­chen locken, kli­ma­freund­li­chen Öko­strom bezie­hen zu können, tat­säch­lich stecken hinter den oftmals auch gar nicht kos­ten­güns­ti­gen Tarifen ledig­lich CO2-Kompensationsmodelle.

Soll heißen: Die Energie, die schluss­end­lich aus der Steck­dose kommt, ist alles andere als „grün“. Hinter den Tarifen ver­birgt sich nämlich ledig­lich das Ver­spre­chen, die als Folge der Strom­erzeu­gung pro­du­zierte CO2-Emission an anderer Stelle wieder aus­zu­glei­chen.

Beson­ders prekär dabei ist, dass es derzeit noch an gesetz­li­chen Stan­dards fehlt, die diesen Aus­gleich tat­säch­lich sicher­stel­len bzw. an Behör­den, die diesen Prozess über­wa­chen. Statt­des­sen sehen sich Kunden mehr und mehr der Gefahr des Green­wa­shing aus­ge­setzt.

Was ist Green­wa­shing?

Green­wa­shing meint die bewusste Täu­schung der Kunden von Ener­gie­un­ter­neh­men, denen unter dem Deck­man­tel einer ver­meint­li­chen Umwelt­freund­lich­keit Ener­gie­pro­dukte und –tarife ange­bo­ten werden, wobei die Unter­neh­men zuvör­derst ihren indi­vi­du­el­len Nutzen im Sinn haben, anstatt tat­säch­lich auf rege­ne­ra­tive Ener­gie­quel­len zu setzen. Der Betrug reicht derzeit vom Eti­ket­ten­schwin­del bis zum „Grün­rech­nen“ von Atom­strom.

Wer umwelt­freund­li­ches Biogas bezie­hen will, muss auf­pas­sen, keine Mogel­pa­ckung zu kaufen. Aus Umwelt­sicht sind die meisten Tarife nicht emp­feh­lens­wert, egal ob sie nun Kli­ma­gas, Ökogas oder Biogas heißen“, heißt es aus dem Vor­stand des GSL. Obgleich es durch­aus auch andere Mög­lich­kei­ten gibt, einen nach­hal­ti­gen Beitrag zur Ener­gie­wende zu leisten, werden die Machen­schaf­ten der Anbie­ter oben­drein durch das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) unter­stützt.

Ver­brau­cher­zen­tra­len fordern Strom­kenn­zeich­nung

Doch nicht nur die kaum vor­han­de­nen gesetz­li­chen Vor­ga­ben für Strom­an­bie­ter tragen ihren Teil zum Ökostrom-Schwindel bei. Auch das EEG weist defi­zi­täre Rege­lun­gen auf, die drin­gend einer Reform bedür­fen. So wird der soge­nannte EEG-Ökostrom über die EEG-Umlage zwar von Kunden bezahlt und von den meisten Anbie­tern in den Tarifen auch dekla­riert, ein­ge­kauft wird er an der Börse aber nicht.

Die Strom­kenn­zeich­nung ist staat­lich ver­ord­ne­ter Eti­ket­ten­schwin­del. Sie muss drin­gend refor­miert werden. Auf Strom­pro­duk­ten darf nur drauf­ste­hen, was auch drin ist“, so Gero Lücking, Geschäfts­füh­rer Ener­gie­wirt­schaft bei Licht­blick, und weiter: „Selbst wenn ein Anbie­ter 100 Prozent Kohle- und Atom­ener­gie ein­kauft, muss oder besser darf er einen grünen EEG-Stromanteil von 46 Prozent aus­wei­sen. Die Kenn­zeich­nung ist absurd.“

Mit der Kenn­zeich­nung von EEG-Ökostrom ver­su­chen Unter­neh­men und auch Politik also ledig­lich, den End­ver­brau­cher an seinen finan­zi­el­len Beitrag zur Ener­gie­wende zu erin­nern. Mit der Strom­lie­fe­rung an sich hat diese Kenn­zeich­nung also rein gar nichts zu tun. Eine recht­li­che Grau­zone nennen es die einen, Betrug die anderen.

Auch die deut­schen Ver­brau­cher­zen­tra­len fordern eine umge­hende Reform der Rechts­lage in Deutsch­land. Glei­ches wird auch seitens der Euro­päi­schen Union ange­mahnt. Kon­krete Ände­rungs­vor­schläge bleiben derzeit zwar noch aus, eine Maß­nahme aber wäre bei­spiels­weise, den kon­kre­ten Strom-Mix für den Ver­brau­cher trans­pa­ren­ter zu gestal­ten.
Dies könnte zum Bei­spiel über ein Dia­gramm erfol­gen, aus dem der Kunde ent­neh­men kann, wie viel Öko­strom tat­säch­lich im ange­bo­te­nen Tarif ent­hal­ten ist. Solche Dia­gramme exis­tie­ren zwar bereits, sind von vielen Anbie­tern aber bewusst mehr als irre­füh­rend kon­zi­piert.

So können sich Kunden schüt­zen

Bis es aber soweit ist, dürften noch einige Tage ins Land ziehen. Auch des­we­gen ist es für umwelt­be­wusste End­ver­brau­cher wichtig zu wissen, wie sie sich konkret vor Ökostrom-Schwindel schüt­zen können. Da viele Unter­neh­men dies­be­züg­lich sehr intrans­pa­rent agieren, stehen Kunden häufig vor der Frage, ob im dekla­rier­ten Öko­strom auch tat­säch­lich Öko­strom ent­hal­ten ist.

Die der­zei­ti­gen Schwie­rig­kei­ten

Es ist schwer, einen Strom­an­bie­ter zu finden, der nicht mit der Atom- und Koh­le­lobby zusam­men­ar­bei­tet und diese unter­stützt.

Die Unab­hän­gig­keit eines Unter­neh­mens kann oftmals nur schwer nach­ge­wie­sen werden, weil viele Ener­gie­kon­zerne Toch­ter­un­ter­neh­men grö­ße­rer Ener­gie­netz­werke sind.

Der Begriff „Öko­strom“ unter­liegt keinem gesetz­li­chen Schutz und kann des­we­gen für viele ver­schie­dene Pro­dukte ver­wen­det werden, ohne dass diese tat­säch­lich aus öko­lo­gisch nach­hal­ti­gen Quellen gewon­nen wurden.

Manche Unter­neh­men bezie­hen ihren Öko­strom aus dem Ausland. So wird zwar „sau­be­rer“ Strom ange­bo­ten, aller­dings trägt dieser wenig bis gar nichts zur Ener­gie­wende in Deutsch­land bei.

Doch glück­li­cher­weise gibt es auch Ökostrom-Zertifikate, die von unab­hän­gi­gen Insti­tu­tio­nen aus­ge­ge­ben werden und Kunden einen Hinweis darauf geben, welche Strom­an­bie­ter tat­säch­lich ver­trau­ens­wür­dig sind, oder?

Auch hier gilt leider Vor­sicht. Denn auch viele Ökostrom-Zertifikate werden miss­braucht, da zer­ti­fi­zierte Anlagen ihre Zer­ti­fi­kate oftmals ohne den Öko­strom an Strom­an­bie­ter weiter ver­äu­ßern. Den einzig ver­läss­li­chen Nach­weis, dass im geor­der­ten Öko­strom auch tat­säch­lich Öko­strom ent­hal­ten ist, bieten derzeit Güte­sie­gel großer unab­hän­gi­ger Insti­tu­tio­nen an.

Die bekann­tes­ten Strom-Gütesiegel

  • ok-power-Label: Bei diesem Güte­sie­gel werden sehr genaue Kri­te­rien ange­legt. Deponie- und Gru­ben­gas bei­spiels­weise sind von einer Zer­ti­fi­zie­rung gänz­lich aus­ge­schlos­sen. Aller­dings gestat­tet die Insti­tu­tion einen fünf­zig­pro­zen­ti­gen Anteil an Strom, der aus mit Erdgas betrie­be­nen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen gewon­nen wurde.
  • TÜV Süd: Der TÜV Süd gibt ins­ge­samt zwei Zer­ti­fi­kate aus. Nach der Zer­ti­fi­zie­rungs­num­mer „EE02“ muss der bereit­ge­stellte Strom min­des­tens zu 30 Prozent aus neuen Anlagen gewon­nen werden. Zeit­gleich wird garan­tiert, dass alle 15 Minuten so viel Strom pro­du­ziert wird, wie der End­kunde im selben Zeit­raum ver­braucht.
  • Grüner Strom Label: Vom Erhalt dieses Güte­sie­gels sind Unter­neh­men aus­ge­schlos­sen, die Strom anbie­ten, der aus Atom­kraft­an­la­gen oder Koh­le­kraft­wer­ken gewon­nen wurde. Zeit­gleich muss das Unter­neh­men eine nach­hal­tige Unter­neh­mens­po­li­tik nach­wei­sen können.
  • TÜV Nord: Das Güte­sie­gel des TÜV Nord setzt als Kri­te­rien fest, dass zumin­dest 33 Prozent des ange­bo­te­nen Stroms aus neuen Anlagen gewon­nen wurde. Alter­na­tiv darf der Anbie­ter je Kilo­watt­stunde einen fest­ge­setz­ten Cent­be­trag in den Ausbau von rege­ne­ra­ti­ven Ener­gie­an­la­gen inves­tie­ren.

End­ver­brau­cher sollten bei der Wahl ihres Strom­an­bie­ters also stets etwas genauer hin­schauen, ob im gewünsch­ten Tarif auch tat­säch­lich das drin­steckt, was vom Unter­neh­men ver­spro­chen wird. Doch auch der Gesetz­ge­ber ist gefragt, zukünf­tig einen gesetz­li­chen Rahmen zu schaf­fen, der den Ökostrom-Schwindel unter­bin­det.

End­ver­brau­cher sollten bei der Wahl ihres Ener­gie­an­bie­ters also stets etwas genauer hin­schauen, ob im gewünsch­ten Tarif auch tat­säch­lich das drin­steckt, was vom Unter­neh­men ver­spro­chen wird. Ökogas von ENTEGA wurde bei­spiels­weise mehr­fach mit den offi­zi­el­len Güte­sie­geln aus­ge­zeich­net und hält tat­säch­lich, was der Tarif ver­spricht. Doch auch der Gesetz­ge­ber ist gefragt, zukünf­tig einen gesetz­li­chen Rahmen zu schaf­fen, der den Ökostrom-Schwindel unter­bin­det.