Abgas­skan­dal: Auto­in­dus­trie will an Diesel fest­hal­ten

Dieselfilter. Foto: Hatsukari715 / Wikimedia Filter Diesel, Benzin, Abgasskandal, CO2, NOx
Dieselfilter. Foto: Hatsukari715 / Wikimedia

Wenig über­ra­schen­des för­derte der Abgas-Untersuchungsausschuss des Bun­des­ta­ges zu Tage, der am Don­ners­tag mehrere Wis­sen­schaft­ler und Ver­tre­ter der Auto­mo­bil­in­dus­trie anhörte – und das 15 Stunden lang. Tenor: Die Die­sel­tech­no­lo­gie bleibe min­des­tens mit­tel­fris­tig unver­zicht­bar, um die Kli­ma­ziele zu errei­chen, so Auto-Cheflobbyist und VDA-Chef Mat­thias Wiss­mann.

Benzin ist nicht besser?

Alt­be­kann­tes Argu­ment für die steile These: Ben­zi­ner stößen im Ver­gleich zum Diesel um 10 bis 15 5 mehr CO2 aus. Geschenkt, dass es bei dem Abgas­skan­dal ja darum eher nicht ging, sondern um Stick­oxide. Aller­dings: Für kleine Fahr­zeuge, so Wiss­mann, sei es in den nächs­ten zehn Jahren immer schwe­rer, die „Die­sel­po­pu­la­tion“ für die Kunden bezahl­bar zu halten. Ansons­ten wusste auch er von nichts, ähnlich wie Ex-VW-Chef Martin Win­ter­korn, dessen Unwis­sen ja schon durch die Medien geis­terte.

Doch auch sonst kam wenig Neues, dafür viel Lar­mo­yanz von den 8 Zeugen. Daimler-Cheflobbyist Eckart von Klaeden beklagte immer kürzere Vor­lauf­zei­ten neuer Vor­ga­ben aus der EU. Es gebe eine Asyn­chro­ni­tät zwi­schen Ent­wick­lung und Pro­duk­tion einer­seits sowie immer kürzer wer­den­der euro­päi­scher Gesetz­ge­bung. Bei der RDE-Gesetzgebung hatte Daimler wie auch der VDA die Sorge, dass die Vor­stel­lun­gen der EU-Kommission nicht zu erfül­len seien. Deshalb hatte sich der Konzern mit einem Schrei­ben auch ans Kanz­ler­amt gewandt.

EU-Verordnung schwam­mig

Andreas Dindorf, Leiter für Fragen der Typ­ge­neh­mi­gung bei Opel, beklagte, dass die EU-Verordnung von 2007 sehr unprä­zise sei und recht­fer­tigte so eigenen Test­ab­wei­chun­gen. Demnach muss die Abgas­nach­be­hand­lung bei »nor­ma­len« Betriebs­zu­stän­den funk­tio­nie­ren, kann aber aus Gründen des Motor­schut­zes abge­schal­tet werden. Immer­hin – Opel hat sich, wie andere Her­stel­ler auch, zur Nach­rüs­tung bereit­erklärt.

Die Exis­tenz von ille­ga­len Abschalt­ein­rich­tun­gen wie im Fall VW war dem Exper­ten unbe­kannt. »Um Gottes Willen, was machen die da«, habe er gedacht. Unter­stüt­zung bekam er von Moto­ren­ex­per­ten Georg Wacht­meis­ter, der eben­falls fand, dass die EU-Vorschrift »schwam­mig« for­mu­liert sei. Er ver­tei­digte, dass das Ver­kehrs­mi­nis­te­rium und Kraftfahrt-Bundesamt abge­se­hen von VW, nicht zu Nach­rüs­tun­gen gezwun­gen habe, sondern auf Frei­wil­lig­keit setzte. Recht­lich hätte man wohl nicht gegen die Her­stel­ler gewon­nen, sie aber ein biss­chen bei der Ehre gepackt.


Bis zur Ablö­sung des Diesels durch E‑Mobilität ist es ein weiter Weg und wohl nicht der einzige. Energieblogger-Kollege Tobias Bucher beschreibt seinen Frust auf der Suche nach einer pas­sen­den Lade­säule hier auf seinem Blog der Ener­gie­spar­meis­ter.