Bio­kraft­stoffe in der EU-Klemme

Treibstoffgewinnung aus Pflanzenresten wäre bei der EU wohlgelitten. Foto: Karlsruhe Institut für Technologie Biokraftstoff, iLuc, EU, Bundestag
Treibstoffgewinnung aus Pflanzenresten wäre bei der EU wohlgelitten. Foto: Karlsruhe Institut für Technologie

Bio­kraft­stoffe haben es derzeit nicht leicht. Die Tank-Teller-Diskussion, so unsin­nig sie in euro­päi­schen Breiten auch sein mag, setzt ihr ebenso zu wie die Dis­kus­sion um die indi­rekte Land­nut­zung (iLuc).

Letz­tere hat die EU-Kommission sogar zur Ent­schei­dungs­grund­lage genom­men, um die Quote von Bio­kraft­stof­fen der 1. Genera­tion, also all jenen, die aus Nah­rungs­mit­teln wie Raps oder Getreide her­ge­stellt werden, von 7 %, die euro­pa­weit 2020 erwar­tet werden, auf 3,8 % im Jahr 2030 abzu­sen­ken. Auf dem gerade in Berlin tagen­den Kon­gress Kraft­stoffe der Zukunft machte Bernd Kuepker von der Gene­ral­di­rek­tion Energie der Kom­mis­sion, also quasi dem euro­päi­schen Ener­gie­mi­nis­te­rium, daran auch keine Abstri­che.

Wider­stand aus dem Bun­des­tag

Liegen beim Thema Biokraftstoffe meilenweit auseinander: Bernd Kuepker von der EU (links) und MdB Norbert Schindler. Foto: Urbansky Biokraftstoff, iLuc, EU, Bundestag
Liegen beim Thema Bio­kraft­stoffe mei­len­weit aus­ein­an­der: Bernd Kuepker von der EU (links) und MdB Norbert Schind­ler. Foto: Urban­sky

Seitens der deut­schen Ver­bände, aber auch aus der Politik und hier ins­be­son­dere von den Bun­des­tags­mit­glie­dern Artur Auern­ham­mer (CSU) und Norbert Schind­ler (CDU), beide übri­gens Land­wirte, wurde hef­tigs­ter Wider­stand gegen die Kom­mis­si­ons­pläne ange­kün­digt. Schind­ler gab der Kom­mis­sion sogar indi­rekt die Schuld an den Wahl­er­fol­gen von Rechts­po­pu­lis­ten, weil sie eine Politik fern der Rea­li­tä­ten in den EU-Mitgliedsländern ver­folge. Sein Trost: Die Pläne müssten noch vom EU-Rat abge­seg­net werden, und das sei kei­nes­falls sicher. Allr­dings: Auch die Bun­des­re­gie­rung führt ähn­li­ches im Schilde, nämlich die Ver­ban­nung der Bio­kraft­stoffe aus dem Stra­ßen­ver­kehr.

Dabei ist gerade die Nah­rungs­kon­kur­renz und die  iLuc selbst bei Orga­ni­sa­tio­nen umstrit­ten, wo man es gemein­hin nicht erwar­tet hätte. Oliver Dubois von der Welt­ernäh­rungs­or­ga­ni­sa­tion FAO sieht den Ein­fluss der Bio­kraft­stoffe auf Nah­rungs­mit­tel­preise und damit auf den Hunger der Welt nur gering und als einen von unter vielen Fak­to­ren für Preis­stei­ge­run­gen. An den 75 % Teue­rungs­ra­ten der Nah­rungs­mit­teln in den letzten Jahren hätten die Bio­kraft­stoffe gerade mal einen Anteil von 3 %. Gleich­zei­tig msüse man konkret sehen, wo Bio­kraft­stoffe ange­baut würden. Würde Land in den Ent­wick­lungs­län­dern für Mono­kul­tu­ren ver­schwen­det, um damit den euro­päi­schen Kraft­stoff­be­darf zu befrie­di­gen, sei das schlecht. Würde das in Europa gesche­hen, gäbe es keine Nah­rungs­mit­tel­kon­kur­renz.

iluc als Grund­lage frag­wür­dig

Das bestä­tigte auch Klaus-Dieter-Schumacher von AgriCon­sult, der auf der Ver­an­stal­tung die Agrar­märkte ana­ly­sierte. Zwar sei die Anbau­flä­che welt­weit leicht gestie­gen, aber die Ernten seien seit Jahren sehr gut und wüchsen stetig. Er bezeich­nete das Vor­ge­hen der EU, iLuc als Aus­gangs­punkt zu nehmen, als frag­wür­dig, zumal die zugrunde geleg­ten Studien längst ver­gan­gene Zeit­räume abbil­de­ten und nicht die aktu­el­len.

Die letzte Schlacht für die Bio­kraft­stoffe der 1. Genera­tion ist also noch nicht geschla­gen, noch ist sie schon ver­lo­ren. Und ihre Ver­tei­di­ger haben noch ein gewich­ti­ges Argu­ment auf ihrer Seite: Wer sollte denn die Bio­kraft­stoffe der 2. Genera­tion zur Markt­reife führen wenn nicht die Pro­du­zen­ten von Bio­die­sel und Bio­etha­nol? Drehe man denen jetzt mit frag­wür­di­gen poli­ti­schen  Ent­schei­dun­gen den Geld­hahn zu, werde es auch mit HVO, Bio­bu­ta­nol und anderen nichts.


Über die aktu­el­len Mög­lich­kei­ten von Power to Gas und damit über mög­li­che alter­na­tive Kraft­stoffe der 2. Genera­tion schrei­ben die Energieblogger-Kollegen Max Fuhr­mann und Chris­tian Sper­ling von next­kraft­werke hier.