Foto: Adrian Pingstone/Wikimedia

Klima­freundlich fliegen – geht das überhaupt?

von | 6. Mai 2019

Wer eine Fernreise antritt, stellt sich eine Menge Fragen. Ist mein Impfpass auf dem aktu­ellsten Stand? Wann läuft mein Pass eigentlich ab? Wie kann ich meinen ESTA Status über­prüfen, wenn mein Reiseziel oder mein Umstei­ge­flug­hafen in den USA oder Kanada liegt? Kleiner Tipp: Das lässt sich ganz einfach online abrufen. Eine Frage, die sich hingegen bisher noch wenige Reisende stellen, ist: Wie klima­freundlich ist meine Reise eigentlich? Gut möglich, dass sie sich vor der Antwort scheuen. Denn sobald ein Lang­stre­ckenflug mit ins Spiel kommt, lautet diese in der Regel: wenig bis gar nicht. Flüge sind immer noch einer der stärksten Faktoren, die unsere Klima­bilanz in erschre­ckende Höhen treiben. Doch das könnte sich bald ändern. Es gibt tatsächlich Projekte, die Flug­reisen nach­hal­tiger machen sollen – schließlich kann nicht davon ausge­gangen werden, dass die Menschheit bald auf ihren Südsee-​Urlaub verzichtet. Dieser Artikel stellt die grünsten Alter­na­tiven vor.

Fliegen per Batterie

Bei Autos funk­tio­niert es schon: Bestimmte Modelle müssen nur an eine Steckdose ange­schlossen werden, damit der in ihnen verbaute Akku sich auflädt – und voilà, lassen sich Strecken von mehreren hundert Kilo­metern zurück­legen, ohne schäd­liche Auspuff­wolken in die Umwelt zu blasen. Eine Traum­lösung, die so für Flugzeuge zwar noch nicht umgesetzt wird; Inge­nieure arbeiten aller­dings daran. Der Haken ist nur, dass diese Antriebs­me­thode in den nächsten zwanzig Jahren wohl noch keinen Durch­bruch erleben wird. Batte­rie­be­triebene Flugzeuge sind also ein lobens­wertes Projekt, führen aber erst auf lange Sicht wirkliche Verän­derung herbei.

Erneu­erbare Energien im Tank

Der Klima­wandel findet jedoch jetzt statt. Deshalb wird auch fleißig an Lösungen getüftelt, die sofortige Abhilfe schaffen sollen. So wird bereits aus Hydrogen und CO2 synthe­ti­sches Kerosin herge­stellt, das die Klima­bilanz von Flügen schrumpfen soll. Der große Vorteil daran: Es wird kein Land gebraucht, um Rohstoffe anzubauen – das CO2 entstammt beispiels­weise einfach der Atmo­sphäre. Trotzdem ist diese Art von Treib­stoff noch wesentlich teurer als herkömm­liche Alter­na­tiven. Dies treibt selbst­ver­ständlich auch die Preise der Flug­linien in die Höhe, welche diese Stoffe verwenden möchten – und das schreckt immer noch eine Menge Kunden ab. Noch dazu wird nahezu das Doppelte der klima­schäd­lichen Emis­sionen von Kondens­streifen produ­ziert; und die gibt es bei nach­hal­tigen Treib­stoffen genauso.

Flug­linien mit Vorreiterfunktion

Trotzdem können Fluggäste innerhalb der riesigen Auswahl an Flug­linien schon jetzt bessere Entschei­dungen treffen. Die Non-​Profit-​Organisation Atmosfair, die sich für Ausgleichs­spenden nach einer Klima­be­lastung durch Flüge einsetzt, hat die Gesell­schaften unter die Lupe genommen und sie nach Nach­hal­tigkeit klas­si­fi­ziert. Spit­zen­reiter ist TUI Airways aus Groß­bri­tannien – unter anderem, weil ihre Flugzeuge so viele Gäste wie möglich fassen. Auch eine moderne Flotte wird gut bewertet, da alte Flugzeuge in der Regel mehr Kerosin verbrauchen. Den zweiten Platz belegt damit LATAM, eine Gesell­schaft in chilenisch-​brasilianischen Händen, deren Maschinen technisch auf dem aktu­ellsten Stand sind. Und auch die Chinesen können fast reinen Gewissens fliegen: China West Air ergattert mit rand­vollen Flug­zeugen den dritten Platz.

Das Größte Potential zur Verän­derung liegt aller­dings nicht in der Hand der Flug­linien: Der Staat muss dafür sorgen, dass klima­neu­trales Fliegen tatsächlich zur attrak­tivsten Option wird. Das bedeutet, dass der klima­tische Schaden sich in den Preisen tradi­tio­neller Flüge nieder­schlagen muss. Bisher ist jedoch das Gegenteil der Fall. Und so müssen Kunden vorerst umdenken: Einmal New York hin und zurück für hundert Euro klingt viel­leicht verfüh­re­risch – eine erhöhte Frequenz von Natur­ka­ta­strophen aller­dings nicht.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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