Kli­ma­freund­lich fliegen – geht das über­haupt?

Foto: Adrian Pingstone/Wikimedia
Foto: Adrian Pingstone/Wikimedia

Wer eine Fern­reise antritt, stellt sich eine Menge Fragen. Ist mein Impf­pass auf dem aktu­ells­ten Stand? Wann läuft mein Pass eigent­lich ab? Wie kann ich meinen ESTA Status über­prü­fen, wenn mein Rei­se­ziel oder mein Umstei­ge­flug­ha­fen in den USA oder Kanada liegt? Kleiner Tipp: Das lässt sich ganz einfach online abrufen. Eine Frage, die sich hin­ge­gen bisher noch wenige Rei­sende stellen, ist: Wie kli­ma­freund­lich ist meine Reise eigent­lich? Gut möglich, dass sie sich vor der Antwort scheuen. Denn sobald ein Lang­stre­cken­flug mit ins Spiel kommt, lautet diese in der Regel: wenig bis gar nicht. Flüge sind immer noch einer der stärks­ten Fak­to­ren, die unsere Kli­ma­bi­lanz in erschre­ckende Höhen treiben. Doch das könnte sich bald ändern. Es gibt tat­säch­lich Pro­jekte, die Flug­rei­sen nach­hal­ti­ger machen sollen – schließ­lich kann nicht davon aus­ge­gan­gen werden, dass die Mensch­heit bald auf ihren Südsee‐Urlaub ver­zich­tet. Dieser Artikel stellt die grüns­ten Alter­na­ti­ven vor.

Fliegen per Bat­te­rie

Bei Autos funk­tio­niert es schon: Bestimmte Modelle müssen nur an eine Steck­dose ange­schlos­sen werden, damit der in ihnen ver­baute Akku sich auflädt – und voilà, lassen sich Stre­cken von meh­re­ren hundert Kilo­me­tern zurück­le­gen, ohne schäd­li­che Aus­puff­wol­ken in die Umwelt zu blasen. Eine Traum­lö­sung, die so für Flug­zeuge zwar noch nicht umge­setzt wird; Inge­nieure arbei­ten aller­dings daran. Der Haken ist nur, dass diese Antriebs­me­thode in den nächs­ten zwanzig Jahren wohl noch keinen Durch­bruch erleben wird. Bat­te­rie­be­trie­bene Flug­zeuge sind also ein lobens­wer­tes Projekt, führen aber erst auf lange Sicht wirk­li­che Ver­än­de­rung herbei.

Erneu­er­bare Ener­gien im Tank

Der Kli­ma­wan­del findet jedoch jetzt statt. Deshalb wird auch fleißig an Lösun­gen getüf­telt, die sofor­tige Abhilfe schaf­fen sollen. So wird bereits aus Hydro­gen und CO2 syn­the­ti­sches Kerosin her­ge­stellt, das die Kli­ma­bi­lanz von Flügen schrump­fen soll. Der große Vorteil daran: Es wird kein Land gebraucht, um Roh­stoffe anzu­bauen – das CO2 ent­stammt bei­spiels­weise einfach der Atmo­sphäre. Trotz­dem ist diese Art von Treib­stoff noch wesent­lich teurer als her­kömm­li­che Alter­na­ti­ven. Dies treibt selbst­ver­ständ­lich auch die Preise der Flug­li­nien in die Höhe, welche diese Stoffe ver­wen­den möchten – und das schreckt immer noch eine Menge Kunden ab. Noch dazu wird nahezu das Dop­pelte der kli­ma­schäd­li­chen Emis­sio­nen von Kon­dens­strei­fen pro­du­ziert; und die gibt es bei nach­hal­ti­gen Treib­stof­fen genauso.

Flug­li­nien mit Vor­rei­ter­funk­tion

Trotz­dem können Flug­gäste inner­halb der rie­si­gen Auswahl an Flug­li­nien schon jetzt bessere Ent­schei­dun­gen treffen. Die Non‐Profit‐Organisation Atmos­fair, die sich für Aus­gleichs­spen­den nach einer Kli­ma­be­las­tung durch Flüge ein­setzt, hat die Gesell­schaf­ten unter die Lupe genom­men und sie nach Nach­hal­tig­keit klas­si­fi­ziert. Spit­zen­rei­ter ist TUI Airways aus Groß­bri­tan­nien – unter anderem, weil ihre Flug­zeuge so viele Gäste wie möglich fassen. Auch eine moderne Flotte wird gut bewer­tet, da alte Flug­zeuge in der Regel mehr Kerosin ver­brau­chen. Den zweiten Platz belegt damit LATAM, eine Gesell­schaft in chilenisch‐brasilianischen Händen, deren Maschi­nen tech­nisch auf dem aktu­ells­ten Stand sind. Und auch die Chi­ne­sen können fast reinen Gewis­sens fliegen: China West Air ergat­tert mit rand­vol­len Flug­zeu­gen den dritten Platz.

Das Größte Poten­tial zur Ver­än­de­rung liegt aller­dings nicht in der Hand der Flug­li­nien: Der Staat muss dafür sorgen, dass kli­ma­neu­tra­les Fliegen tat­säch­lich zur attrak­tivs­ten Option wird. Das bedeu­tet, dass der kli­ma­ti­sche Schaden sich in den Preisen tra­di­tio­nel­ler Flüge nie­der­schla­gen muss. Bisher ist jedoch das Gegen­teil der Fall. Und so müssen Kunden vorerst umden­ken: Einmal New York hin und zurück für hundert Euro klingt viel­leicht ver­füh­re­risch – eine erhöhte Fre­quenz von Natur­ka­ta­stro­phen aller­dings nicht.

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