Für den Ausbau und die Dekarbonisierung der Fernwärme sind milliardenschwere Investitionen, neue Wärmequellen, digitale Infrastrukturen und innovative Finanzierungsmodelle erforderlich. Gleichzeitig müssen Versorger steigende regulatorische Anforderungen, den Fachkräftemangel und Fragen der Wirtschaftlichkeit bewältigen. Im Interview sprechen Martin Schulz und Thomas Gläßer von Atreus über eine eigens erstellte Studie, die zeigt, welche Investitionen für Stadtwerke und kommunale Energieversorger jetzt Priorität haben und wie die Wärmewende sozialverträglich gelingen kann.
springerprofessional.de: Sie gehen von einer Förderquote von rund 40 Prozent aus, um Fernwärmeprojekte überhaupt wirtschaftlich darstellbar zu machen. Ist die Wärmewende ohne dauerhafte Subventionierung der Netze realistisch – oder entsteht hier strukturell ein dauerhaft defizitäres Geschäftsmodell für kommunale Versorger?
Martin Schulz: Ohne Förderung werden viele Fernwärmeprojekte in der Anlaufphase kaum wirtschaftlich darstellbar sein. Daraus folgt jedoch nicht, dass Fernwärme dauerhaft ein Zuschussgeschäft bleibt. Fördermittel und privates Kapital können den Einstieg ermöglichen, langfristig muss sich das Geschäftsmodell selbst tragen. Dafür braucht es allerdings eine ausreichend hohe Anschlussdichte, einen wettbewerbsfähigen Wärmeerzeugungsmix und vor allem regulatorische Planungssicherheit. Fernwärme ist daher nicht überall die richtige Lösung. Wo die Rahmenbedingungen stimmen, kann sie jedoch wirtschaftlich betrieben werden. …
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