Biomethan als Ersatz für Erdgas wird in Deutschland nur marginal genutzt. Die Potenziale sind aber auch nicht sehr groß. Foto: Frank Urbansky

Biogas­pro­duktion aus Abfällen auch in Zukunft notwendig

von | 12. April 2017

Biogas hat ja gerade keinen einfachen Stand. Politisch umstritten, die Förderung mehr geduldet als gewollt, sehen sich viele Biogas­an­lagen in den nächsten Jahren vor einer wirt­schaft­lichen Neuori­en­tierung.

Dabei gibt es zu ihnen mitunter keine Alter­native – etwa, wenn sie an ein Kompos­tierwerk zur Biomüll­ver­ar­beitung ange­schlossen sind.

24.000 Tonnen Vergärungsdurchsatz

So in Weißenfels. Dort gehört das Kompostwerk Weißenfels zum Landkreis. Seit 1999 arbeitet es konti­nu­ierlich. Bis 2004 wurde es durch eine erste Vergä­rungs­stufe mit 12.000 Tonnen je Jahr ergänzt. 2007 kam eine zweite Vergä­rungs­stufe hinzu. Der Jahres­durchsatz liegt nun bei 24.000 Tonnen. Damit werden alle einge­sam­melten Bioabälle des Burgen­land­kreises kompos­tiert und – soweit technisch möglich – vergoren und in Biogas umgewandel.

Pro Jahr werden hier verar­beitet und produziert:

  • 25.000 Tonnen Bioabfall
  • 3 Mio. Kubik­meter Biogas
  • 6 Mio. Kilo­watt­stunden Elektroenergie
  • 8.000 Tonnen Komposterde
  • 11.000 Kubik­meter Gärprodukt flüssig

Fast 1 Mio. Erlöse aus EEG

Das Biogas wird rein biolo­gisch entschwefelt und in zwei Block­heiz­kaftwerken (jeweils Jenbacher mit 333 kW und 526 kW) verstromt. 2016 wurden so aus 3,9 Millionen Kubik­meter 5,9 Millionen kWh Strom produ­ziert und Fermenter, Wärme­tau­scher und Biogas­anlage sowie Sozi­al­trakt und Büros des Kompos­tier­werks mit Wärme versorgt. Die Netto­ver­gütung betrug 911.000 Euro.

Abfall muss entsorgt werden. Ein ölffentlicher Auftrag, der bei Biomüll mittels Biogasproduktion hervorragend erfüllt werden kann.

Abfall muss entsorgt werden. Ein ölffent­licher Auftrag, der bei Biomüll mittels Biogas­pro­duktion hervor­ragend erfüllt werden kann.

Die könnte, so die Bedenken von Holger Kahnt vom Kompos­tier­werk­be­treiber Bio Komp-​SAS, ab 2023 wegfallen, wenn die 20 Jahre für die EEG-​Erlöse ablaufen. Für die Vermarktung des Biogases danach gibt es noch keine Pläne. Anfallen wird es trotzdem, denn die Bioab­fälle müssen ja auch weiterhin entsorgt werden.

Es gibt nur zwei Alter­na­tiven: Entweder fallen die Stromerlöse innerhalb der Umsatz­struktur des Kompos­tier­werks ganz oder teilweise weg, denn eine Vermarktung zu Börsen­strom­preisen wäre unwirt­schaftlich. Oder die Förderung für Anlagen dieser Art, die ja einem öffent­lichen Auftrag nach­kommen, laufen in anderer Form weiter.


Mit den Zielen der Ener­gie­wende, zu der auch der Ausbau der Strom­netze gehört, beschäftigt sich Energieblogger-​Kollege Björn Katz hier auf seinem Blog Strom­aus­kunft.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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