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Wetter­ex­treme senken Wärme­bedarf – Kohle und Gas verlieren gegenüber Erneuerbaren

von | 2. Juni 2014

In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres lag der inlän­dische Ener­gie­ver­brauch fast 10 Prozent niedriger als im selben Zeitraum des Vorjahres. Zu diesem unge­wöhnlich starken Rückgang hat nicht nur die milde Witterung der ersten Monate beigetragen, vielmehr muss auch der statis­tische Effekt der außer­ge­wöhn­lichen Kälte­pe­riode des Vorjahres berück­sichtigt werden, erläu­terte die Arbeits­ge­mein­schaft Ener­gie­bi­lanzen anlässlich der Vorlage erster Kenn­zahlen für den Energieverbrauch.

Nach der von der AG Ener­gie­bi­lanzen durch­ge­führten rech­ne­ri­schen Berei­nigung des Tempe­ra­tur­ein­flusses und anderer Sonder­fak­toren ergibt sich für den Ener­gie­ver­brauch im ersten Quartal 2014 ein Rückgang von etwa 1 bis 1,5 Prozent.

Die Entwicklung des aktuellen Ener­gie­ver­brauchs steht im deut­lichen Kontrast zur Zunahme der wirt­schaft­lichen Leistung. Die Konjunktur zog im ersten Quartal um 2,5 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten des Vorjahres an. Zum einen wirkt sich auch hier die mildere Witterung positiv aus. Zum anderen gab es in einigen besonders strom­in­ten­siven Wirt­schafts­zweigen eine eher verhaltene Entwicklung. In der Gesamt­be­trachtung war der Einfluss der Witterung auf den Ener­gie­ver­brauch deutlich stärker als der der Konjunktur.

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Der Mine­ral­öl­ver­brauch blieb im ersten Quartal 2014 insgesamt nahezu stabil. Einem witte­rungs­be­dingt um mehr als 12 Prozent verrin­gerten Heiz­öl­absatz stand ein höherer Absatz an Kraft­stoffen gegenüber: Der Verbrauch an Otto­kraft­stoffen erhöhte sich um etwa 4 Prozent, beim Diesel gab es ein Plus von über 7 Prozent. Witterungs- und konjunk­tur­be­dingt haben sich sowohl die privaten wie die gewerb­lichen Fahr­leis­tungen erhöht.

Der Erdgas­ver­brauch sank im ersten Quartal um 24 Prozent und damit besonders kräftig. Haupt­ur­sache war der extreme Witte­rungs­verlauf, daneben trugen zu dieser Entwicklung der leichte Produk­ti­ons­rückgang in der chemi­schen Grund­stoff­in­dustrie sowie ein weiterer Rückgang des Einsatzes von Erdgas in den Kraft­werken bei.

Der Verbrauch von Stein­kohle nahm ebenfalls deutlich ab und lag um knapp 11 Prozent unter dem Vorjah­res­zeitraum. Während sich die Liefe­rungen an die Eisen- und Stahl­in­dustrie um nicht ganz 8 Prozent erhöhten, vermin­derte sich der Einsatz in Kraft­werken um mehr als 16 Prozent infolge der hohen Verfüg­barkeit erneu­er­barer Energien in der Strom­erzeugung im Zuge der außer­ge­wöhn­lichen Wetterbedingungen.

Der Verbrauch an Braun­kohle vermin­derte sich um 4 Prozent infolge gerin­gerer Liefe­rungen an die Kraft­werke. Die Kern­energie verzeichnete ebenfalls einen Rückgang um 4 Prozent. Die Nutzung erneu­er­barer Energien stieg in den ersten drei Monaten leicht an. Den gesun­kenen Beiträgen der Biomasse zur Wärme­be­reit­stellung und der Wasser­kraft (ohne Pump­speicher) standen höhere Beiträge der Wind­energie und der Photo­voltaik gegenüber.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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