Foto: Westfalen AG

Autogas – die belieb­teste Alternative

von | 30. Januar 2014

Im Markt für alter­native Antriebe gibt es kaum Bewegung. Platz­hirsch Autogas (LPG) verteidigt locker seine Führungs­po­sition. Erdgas erwacht langsam und unter großer medialer Anteil­nahme.

Weit abge­schlagen – weil noch immer deutlich zu teuer und mit einge­schränkten Leis­tungs­ei­gen­schaften – rangiert Elektro-​Mobilität. Und die Brenn­stoff­zelle bleibt Zukunfts­musik. Doch wie entwi­ckelte sich der Markt für Deutsch­lands Alter­na­tiv­treib­stoff Nummer 1?

Obwohl in den Medien meist nur von neuen Elektro-​Autos zu lesen ist, wartete pünktlich zur IAA der asia­tische Auto­gigant KIA mit der Meldung auf, erstmals in der Firmen­ge­schichte ein Autogas-​Modell auf den Markt zu bringen. Der Picanto mit einem 1‑Liter-​Motor soll 6,2 Liter LPG auf 100 Kilometer brauchen. Damit tummeln sich bereits 15 Hersteller, die ihre 91 Fahr­zeug­typen ab Werk mit LPG ausrüsten, auf den deutschen Markt. Insgesamt rollen derzeit etwas mehr als 500.000 Autogas-​Fahrzeuge über die Straßen des Landes.

Die Koreaner satteln damit auf einen unge­bro­chenen Trend, der Deutschland und fast alle seine Nach­bar­länder schon seit Jahr­zehnten erfasst hat. Hier ist LPG vor allem in den Bene­lux­ländern, Polen und Italien über­pro­por­tional vertreten. In Frank­reich ist es zumindest ausrei­chend vorhanden (siehe Karte). Auch die auslän­di­schen Fahrer nutzen das gut ausge­baute deutsche LPG-​Netz mit rund 6.600 Tank­stellen auf Tran­sit­routen. Im Gegenzug kann sich der Deutsche Auto­gas­nutzer darauf verlassen, in Europa sicher versorgt ans Ziel zu gelangen.

Übersicht der LPG-Tankstellen in den einzelnen Bundesländern und bei Deutschlands Nachbarn. Quelle: EU European LPG Sector Overview 2012, DVFG

Übersicht der LPG-​Tankstellen in den einzelnen Bundes­ländern und bei Deutsch­lands Nachbarn. Quelle: EU European LPG Sector Overview 2012DVFG

Die Verfüg­barkeit von Autogas wurde nach einer ADAC-​Studie von den Auto­fahrern als sehr gut bezeichnet. Und die EU geht in ihrer im Januar 2013 vorge­stellten Strategie für umwelt­freund­liche Kraft­stoffe davon aus, dass die Autogas-​Infrastruktur bereits bedarfs­ge­recht ausgebaut ist.

Die Beliebtheit hat einen wesent­lichen Grund: Autogas, das zeigt schon ein Blick auf die Preis­tafeln der Tank­stellen, ist deutlich günstiger als Benzin oder Diesel. Selbst die zusätz­lichen Kosten für die Umrüstung auf Autogas rentieren sich durch diese nied­ri­geren Kraft­stoff­preise schnell. Derzeit kostet ein Liter Autogas etwa 75 Cent, Diesel und Benzin sind deutlich teurer. Der Preis­un­ter­schied entsteht vor allem durch die steu­er­liche Begüns­tigung. Für einen Liter Autogas werden nur rund 10 Cent an Ener­gie­steuer fällig, bei Otto-​Kraftstoffen sind es rund 65,5 Cent und beim Diesel rund 47 Cent pro Liter. Der Preis­vorteil macht auch den Mehr­ver­brauch von rund 15 bis 20 Prozent wett, der durch die geringere Ener­gie­dichte von Autogas entsteht.

Zudem emittiert LPG 16,6 Prozent weniger CO2 als ein Benziner. Für 2011 wurde allein durch die LPG-​Fahrzeuge eine Einsparung von 300.000 Tonnen des Klima­gases Kohlen­dioxid ermittelt. Für 2012 rechnet der Deutsche Verband Flüs­siggas (DVFG) mit 325.000 Tonnen. Aktuell hat der TÜV Bayern-​Sachsen alter­native Kraft­stoffe detail­liert geprüft und mitein­ander verglichen. Die Experten stellen Autogas eine hervor­ra­gende Umwelt­bilanz aus. Vergleichbare Resultate erreichen lediglich Wasser­stoff und Erdgas.

In Zeiten der Ener­gie­wende ist dies ein Faust­pfand. „Mit Autogas kann man quasi über Nacht Kosten und CO2 redu­zieren“, bringt es Autopapst Ferdinand Duden­höffer auf den Punkt. Die Autogas-​Steuererleichterung läuft denn auch noch bis 2018. Und die Pläne für danach sehen bisher allen­falls eine stufen­weise Anhebung vor (siehe dazu auch Brenn­stoff­spiegel 2/​2013, Seite 32).

Der Beliebtheit des alter­na­tiven Treib­stoffs – immerhin macht LPG 80 Prozent in diesem Bereich aus – hat das bisher kaum geschadet. Binnen von fünf Jahren hat sicher der Absatz quasi verfünf­facht (siehe Tabelle).

Ein weiterer Vorteil, der LPG im Markt halten dürfte, ist das einfache Handling. Verflüssigt wird es schon bei 8 bar und einer Umge­bungs­tem­pe­ratur von 15 Grad Celsius. Dafür reicht ein leichter Zusatztank mit in der Regel lediglich 5 Kilogramm Zusatz­ge­wicht. Bei Erdgas, das erst bei 200 bar ausrei­chend kompri­miert ist (CNG), benötigt man einen Spezi­altank, der gut 30mal so schwer ist, also gut 150 Kilogramm wiegt.

Deswegen findet Autogas nicht nur Freunde unter den Auto­fahrern, sondern auch in einer Branche, der es eigentlich egal sein könnte, was sie repa­rieren – dem Kfz-​Handwerk. Der Verband des Kraft­fahr­zeug­ge­werbes Baden-​Württemberg empfiehlt Viel­fahrern ganz offen, sich ein Autogas-​Fahrzeug zuzulegen.

Für die Tank­stel­len­branche ist Autogas seit vielen Jahren aus den gleichen Gründen ein inter­es­santes Geschäfts­modell. Nach Angaben des DVFG hat die vorwiegend mittel­stän­dische geprägte Flüs­sig­gas­wirt­schaft bisher 400 Millionen Euro in den Ausbau des Auto­gas­netzes investiert.

Fazit:

Der Auto­gas­markt ist stabil. Selbst nach einer even­tu­ellen Steu­er­erhöhung 2018 wird sich daran nicht viel ändern, da der Treib­stoff deutlich günstiger ist und das Handling, verglichen mit anderen alter­na­tiven Antrieben, erheblich einfacher.

Kleine Gas-​Begriffs-​Lehre

LPG als Abkürzung vom Autogas kommt aus dem Engli­schen und steht für Liquefied Petroleum Gas – nicht zu verwechseln mit LNG (Liquefied Natural Gas) für Flüs­sig­erdgas und CNG (Compressed Natural Gas) für verdich­tetes Erdgas.

Geschrieben für Brenn­stoff­spiegel und Mine­ral­öl­rund­schau. Der komplette Beitrag ist in der Ausgabe 9/​2013 oder hier zu lesen.

Titelbild: Westfalen AG

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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