Gasspeicher, Biogasanlage und Windkraftanlage im Hybridkraftwerk Prenzlau. Foto: Hannob / Wikimedia / Lizenz unter CC0

Wissen­schaftler: Power-​to-​Gas erst ab 2045 sinnvoll

von | 26. August 2015

Nachdem unser Beitrag „No Future für Power to Gas“ sowohl hier als auch in den sozialen Medien einiges an Echo erfuhr – hier noch eine Einschätzung der Regierung zur derzei­tigen, von Green­peace Energy befeu­erten Diskussion um diese umstrittene, weil äußerst inef­fi­ziente (max. 30 % Wirkungsgrad) und teure (6 x so hoher Preis je kWh gegenüber herkömm­lichen Erdgas) Technologie.

In ihrer Antwort auf eine Anfrage der Grünen, in der es allgemein um Strom­markt­design und Kapa­zi­täts­re­serven ging, sieht die Bundes­re­gierung den Einsatz von PtG erst dann sinnvoll, wenn 70 % des hier erzeugten Stromes aus erneu­er­baren Quellen stammt. Die Regierung, gestützt auf die Aussagen von Wissen­schaftlern, schreibt:

Lang­zeit­speicher können saisonale Schwan­kungen bei der Erneuerbaren-​Erzeugung oder längere Wind­flauten über­brücken. Unter neuartige Lang­zeit­speicher fällt insbe­sondere die Spei­cherung von Strom in Wasser­stoff und Methan, auch Power-​to-​Gas genannt. Die Spei­cherung erfolgt dann im Gasnetz oder in Kavernen. Diese Tech­no­logie ist derzeit noch vergleichs­weise teuer. Die Arbeits­gruppe (AG) 3 „Inter­aktion“ der Plattform Erneu­erbare Energien, in der auch verschiedene Wissen­schaftler vertreten waren, ist zum Ergebnis gekommen, dass zusätz­liche Lang­zeit­speicher erst ab einem Anteil von etwa 70 Prozent erneu­er­barer Energien am gesamten Strom­ver­brauch sinnvoll sind, da andere Flexi­bi­li­täts­op­tionen bis dahin kosten­güns­tiger sind.

Sprich: Nach den Ener­gie­wen­de­plänen wäre dies so ziemlich genau im Jahr 2045 der Fall, also in 30 Jahren. Bis dahin dreht sich nicht nur die Erde einige Male um sich selbst. Es ist auch zu vermuten, dass bis dahin deutlich andere und vor allem effi­zi­entere Spei­cher­mög­lich­keiten zur Verfügung stehen, auch wenn der Gedanke, den Strom­markt mit dem Gasnetz zu verbinden, natürlich einen gewissen Charme hat, wie das Fritz Vorholz in der Zeit konstatierte.

Ähnliche Unsi­cher­heiten bei der Beur­teilung dieses langen Zeit­raumes gesteht auch die Bundes­re­gierung ein:

Wann genau neuartige Spei­cher­tech­no­logien wirt­schaftlich werden, kann von der Bundes­re­gierung nicht prognos­ti­ziert werden. Dies hängt von der tech­no­lo­gi­schen Entwicklung dieser Tech­no­logien, der Entwicklung in anderen Sektoren und von der Entwicklung anderer Flexi­bi­li­täts­op­tionen ab, mit denen Speicher im Wett­bewerb stehen.

Welche Flexi­bi­li­täts­op­tionen, also andere Spei­cher­mög­lich­keiten nun könnten dies sein? Das Oeko-​Institut nennt in der erwähnten Studie folgende (ab Seite 36):

  • Biomas­se­kraft­werke und Biogas­an­lagen für Spitzenlastproduktion 
  • Einbindung euro­päi­scher Wasser­kraft­werke (Alpen und Skan­di­navien) Strom mit besseren Wirkungsgrad speichern 
  • Strom in Zeiten niedriger Preise zur Wärme­pro­duktion einsetzen (Power-​to-​Heat) – so einge­spartes Erdgas später zur Strom­pro­duktion oder für andere Anwen­dungen wie im Verkehr nutzen 
  • Wasser­stoff­einsatz in ener­gie­in­ten­siven Indus­trien (Raffi­nerien, Ammo­niak­her­stellung und andere Prozesse) komplett auf erneu­er­baren Wasser­stoff (aus Elek­trolyse) umstellen – dafür gebrauchter Strom in Abhän­gigkeit des EE-​Angebots flexibel beziehen 
  • Beimi­schung von Wasser­stoff ins Erdgasnetz weit­gehend ausschöpfen
  • EE-​Wasserstoff- statt EE-​Methanspeicherung inten­si­vieren, da Umwand­lungs­ver­luste geringer sind 

Was nun in 30 Jahren die Sicherheit des Strom­netzes garan­tieren wird, weiß derzeit niemand. Es werden viele Tech­no­logien sein. Einen Königsweg gibt es nicht. Und Power-​to-​Gas wird, wie an dieser Stelle geschrieben, entweder gar nicht dazu gehören oder nur marginal. Denn eine Umwandlung von Strom in Wasser­stoff zu Methan und dann wieder zu Strom wird auch in 30 Jahren nicht effizient sein. Und auch für Erneu­erbare Energien sollte der Effi­zi­enz­grundsatz gelten.

Vorschaubild: Gasspeicher, Biogas­anlage und Wind­kraft­anlage im Hybrid­kraftwerk Prenzlau. Foto: Hannob /​Wikimedia /​Lizenz unter CC0

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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