Wis­sen­schaft­ler: Power-to-Gas erst ab 2045 sinn­voll

Gasspeicher, Biogasanlage und Windkraftanlage im Hybridkraftwerk Prenzlau. Foto: Hannob / Wikimedia / Lizenz unter CC0
Gasspeicher, Biogasanlage und Windkraftanlage im Hybridkraftwerk Prenzlau. Foto: Hannob / Wikimedia / Lizenz unter CC0

Nachdem unser Beitrag „No Future für Power to Gas“ sowohl hier als auch in den sozia­len Medien einiges an Echo erfuhr – hier noch eine Ein­schät­zung der Regie­rung zur der­zei­ti­gen, von Green­peace Energy befeu­er­ten Dis­kus­sion um diese umstrit­tene, weil äußerst inef­fi­zi­ente (max. 30 % Wir­kungs­grad) und teure (6 x so hoher Preis je kWh gegen­über her­kömm­li­chen Erdgas) Tech­no­lo­gie.

In ihrer Antwort auf eine Anfrage der Grünen, in der es all­ge­mein um Strom­markt­de­sign und Kapa­zi­täts­re­ser­ven ging, sieht die Bun­des­re­gie­rung den Einsatz von PtG erst dann sinn­voll, wenn 70 % des hier erzeug­ten Stromes aus erneu­er­ba­ren Quellen stammt. Die Regie­rung, gestützt auf die Aus­sa­gen von Wis­sen­schaft­lern, schreibt:

Lang­zeit­spei­cher können sai­so­nale Schwan­kun­gen bei der Erneuerbaren-Erzeugung oder längere Wind­flau­ten über­brü­cken. Unter neu­ar­tige Lang­zeit­spei­cher fällt ins­be­son­dere die Spei­che­rung von Strom in Was­ser­stoff und Methan, auch Power-to-Gas genannt. Die Spei­che­rung erfolgt dann im Gasnetz oder in Kaver­nen. Diese Tech­no­lo­gie ist derzeit noch ver­gleichs­weise teuer. Die Arbeits­gruppe (AG) 3 „Inter­ak­tion“ der Platt­form Erneu­er­bare Ener­gien, in der auch ver­schie­dene Wis­sen­schaft­ler ver­tre­ten waren, ist zum Ergeb­nis gekom­men, dass zusätz­li­che Lang­zeit­spei­cher erst ab einem Anteil von etwa 70 Prozent erneu­er­ba­rer Ener­gien am gesam­ten Strom­ver­brauch sinn­voll sind, da andere Fle­xi­bi­li­täts­op­tio­nen bis dahin kos­ten­güns­ti­ger sind.

Sprich: Nach den Ener­gie­wen­de­plä­nen wäre dies so ziem­lich genau im Jahr 2045 der Fall, also in 30 Jahren. Bis dahin dreht sich nicht nur die Erde einige Male um sich selbst. Es ist auch zu ver­mu­ten, dass bis dahin deut­lich andere und vor allem effi­zi­en­tere Spei­cher­mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung stehen, auch wenn der Gedanke, den Strom­markt mit dem Gasnetz zu ver­bin­den, natür­lich einen gewis­sen Charme hat, wie das Fritz Vorholz in der Zeit kon­sta­tierte.

Ähn­li­che Unsi­cher­hei­ten bei der Beur­tei­lung dieses langen Zeit­rau­mes gesteht auch die Bun­des­re­gie­rung ein:

Wann genau neu­ar­tige Spei­cher­tech­no­lo­gien wirt­schaft­lich werden, kann von der Bun­des­re­gie­rung nicht pro­gnos­ti­ziert werden. Dies hängt von der tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lung dieser Tech­no­lo­gien, der Ent­wick­lung in anderen Sek­to­ren und von der Ent­wick­lung anderer Fle­xi­bi­li­täts­op­tio­nen ab, mit denen Spei­cher im Wett­be­werb stehen.

Welche Fle­xi­bi­li­täts­op­tio­nen, also andere Spei­cher­mög­lich­kei­ten nun könnten dies sein? Das Oeko-Institut nennt in der erwähn­ten Studie fol­gende (ab Seite 36):

  • Bio­mas­se­kraft­werke und Bio­gas­an­la­gen für Spit­zen­last­pro­duk­tion
  • Ein­bin­dung euro­päi­scher Was­ser­kraft­werke (Alpen und Skan­di­na­vien) Strom mit bes­se­ren Wir­kungs­grad spei­chern
  • Strom in Zeiten nied­ri­ger Preise zur Wär­me­pro­duk­tion ein­set­zen (Power-to-Heat) – so ein­ge­spar­tes Erdgas später zur Strom­pro­duk­tion oder für andere Anwen­dun­gen wie im Verkehr nutzen
  • Was­ser­stoff­ein­satz in ener­gie­in­ten­si­ven Indus­trien (Raf­fi­ne­rien, Ammo­niak­her­stel­lung und andere Pro­zesse) kom­plett auf erneu­er­ba­ren Was­ser­stoff (aus Elek­tro­lyse) umstel­len – dafür gebrauch­ter Strom in Abhän­gig­keit des EE-Angebots fle­xi­bel bezie­hen
  • Bei­mi­schung von Was­ser­stoff ins Erd­gas­netz weit­ge­hend aus­schöp­fen
  • EE-Wasserstoff- statt EE-Methanspeicherung inten­si­vie­ren, da Umwand­lungs­ver­luste gerin­ger sind

Was nun in 30 Jahren die Sicher­heit des Strom­net­zes garan­tie­ren wird, weiß derzeit niemand. Es werden viele Tech­no­lo­gien sein. Einen Königs­weg gibt es nicht. Und Power-to-Gas wird, wie an dieser Stelle geschrie­ben, ent­we­der gar nicht dazu gehören oder nur mar­gi­nal. Denn eine Umwand­lung von Strom in Was­ser­stoff zu Methan und dann wieder zu Strom wird auch in 30 Jahren nicht effi­zi­ent sein. Und auch für Erneu­er­bare Ener­gien sollte der Effi­zi­enz­grund­satz gelten.

Vor­schau­bild: Gas­spei­cher, Bio­gas­an­lage und Wind­kraft­an­lage im Hybrid­kraft­werk Prenz­lau. Foto: Hannob / Wiki­me­dia / Lizenz unter CC0

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