Foto: Armin Kübelbeck / Wikimedia / Linzenz unter CC-BY-SA

Urteil begünstigt ener­ge­tische Sanierung

von | 28. August 2015

Ein Urteil des Berliner Land­ge­richts vom letzten November, das aktuell vom Portal Haus­tech­nik­dialog aufge­griffen wurde, könnte Vermieter dazu animieren, mehr Geld in die ener­ge­tische Sanierung zu stecken. 

In der umstrit­tenen Immobilie herrschte der unglaublich hohe Ener­gie­ver­brauchswert von bis zu 190 kWh je Quadrat­meter und Jahr. Das Land­ge­richt stellte juris­tisch trocken fest:

Ein wohn­wert­min­derndes Merkmal liegt vor, wenn der Ener­gie­ver­brauchs­kennwert größer als 170 kWh/(m²a) ist.

Die Konse­quenzen ais diesem Urteil dürften klar sein. Der Deutsche Anwalt­verein schreibt dazu:

Bisher konnte ein Vermieter der ange­strebten Ener­gie­wende relativ gelassen entge­gen­sehen. … Doch in der Zukunft wird der Vermieter seinen Teil zur Ener­gie­wende beitragen müssen, wenn auch nur mittelbar. … Denn ein schlechter Ener­gie­ver­brauchs­kennwert ist ein soge­nanntes wohn­wert­min­derndes Merkmal. Dieses spielt bei der Einordnung der Wohnung zum Beispiel in die Miet­wert­richt­ta­belle durchaus eine Rolle. Maßgeblich war hierbei unter anderem der für die Wohnung geltende Ener­gie­ver­brauchswert, der durch­schnittlich über 170 kWh pro Quadrat­meter liegt.

Die Entscheidung des Land­ge­richts Berlin zeigt nun, dass bei der Umsetzung der Ener­gie­wende in allen Bereichen eine Privi­le­gierung der tatsächlich ener­gie­spa­renden Maßnahmen erfolgen soll und derjenige, der nichts tut, über kurz oder lang, mittelbar oder unmit­telbar finan­zielle Einbußen befürchten muss.

Für das SHK-​Handwerk, das schon auf die steu­er­liche Absetz­barkeit von Leis­tungen bei der ener­ge­ti­schen Sanierung im Zuge des NAPE speku­lierte, ist dieses Urteil sicher will­kommen. Und auch Vermieter sollten es kaum kritisch sehen. Denn sie heben mit einer Sanierung den Wert ihrer Immobilie und können die Kosten dafür fast verlustfrei auf die Mieter umlegen.

Ener­giepass nicht entscheidend

Ebenfalls in dem Urteil enthalten ist ein Passus zur Gültigkeit von Ener­gie­pässen. Ein gültiger, aber schon älterer Ener­gie­ausweis muss demnach nicht zwingend zur Ermittlung des Ener­gie­ver­brauchs­kenn­werts heran­ge­zogen werden. Entscheidend wären die klima­be­rei­nigten Verbräuche der letzten drei Jahre. 

Vorschaubild: Dach­decker beim Verlegen von Stein­wol­le­matten zur Dach­iso­lierung an einem Altbau. Foto: Armin Kübelbeck /​Wikimedia /​Linzenz unter CC-BY-SA

Das Urteil (AZ: 65 S 527/​13) kann hier herun­ter­ge­laden werden.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

0 Kommentare

EnWiPo
EnWiPo
Synthe­ti­scher Kraft­stoff aus dem Offshore-Windpark

Synthe­ti­scher Kraft­stoff aus dem Offshore-Windpark

Eine erste schwimmende Produktionsplattform für Power-to-X-Kraftstoffe geht in den Probebetrieb. Forschende wollen so die Offshore-Herstellung von E-Fuels aus Wind, Wasser und Luft vor Helgoland testen. Netzunabhängig, modular und hochseetauglich – mit diesen...

Vom Facility Manager zum Building Perfor­mance Manager

Vom Facility Manager zum Building Perfor­mance Manager

Digitale Technologien wie BIM, KI und digitale Zwillinge verschieben den Fokus im Gebäudebetrieb hin zur messbaren Performance. Wie sich dadurch die Rolle von Facility Managern verändert, erklärt Walter von Koskull, Leiter Operational Systems bei Caverion Deutschland....

2026 wird Jahr mit vielen ener­gie­po­li­ti­schen Konflikten

2026 wird Jahr mit vielen ener­gie­po­li­ti­schen Konflikten

2026 wird keine neuen energiepolitischen Zielversprechen bringen, dafür jedoch eine spürbare Neujustierung der Instrumente. In nahezu allen zentralen Politikfeldern verschiebt sich der Fokus: weg von pauschalen Fördermechanismen und detailverliebter Regulierung, hin...

Mit Biochar CO2 in Beton binden

Mit Biochar CO2 in Beton binden

Neue Projekte aus Industrie- und Stadtbaukontext zeigen, wie CO2 mit Biochar-Zuschlägen dauerhaft in Beton gebunden werden kann. Zwei Beispiele markieren einen möglichen Entwicklungspfad, der technische, ökologische und normative Fragen neu ordnet. Die Bauindustrie...