Sitz von Løgumkloster Fjernvarme. Foto: Løgumkloster Fjernvarme

Løgum­kloster: Neues Netz für solare Fernwärme

von | 8. September 2015

Wärme­wende auf dänisch heißt vor allem eines: Die Fern- und Nahwär­me­netze, die unsere Nachbarn aufgrund der Ölkrise in den 70er und 80er Jahren aufgebaut haben, nach und nach mit rege­ne­ra­tiven Ener­gie­quellen füllen. Diese sollen Kohle und Öl ablösen. Dänemark ist hierbei welt­führend. Kein anderes Land inves­tiert so viel in den Umbau der Wärme­ver­sorgung hin zu rege­ne­ra­tiven Energien.

Bisher ging es vor allem darum, vorhan­denes Leitungs­po­tenzial zu nutzen. Løgum­kloster nun, eine zu Tonder gehörende Gemeinde in Nord­schleswig, also Süddä­nemark, ging nun noch einen Schritt weiter. Die Ausfüh­rungen folgen der Wärme­wendeinfo Nr. 18 von Ralf Radloff.

Saisonalspeicher mit 150.000 m³ Fassungsvermögen. Foto: Løgumkloster Fjernvarme

Saiso­nal­speicher mit 150.000 m³ Fassungs­ver­mögen. Foto: Løgum­kloster Fjernvarme

Um die geplante Solar­wär­me­anlage effizient auszu­nutzen, wurde das vorhandene Fern­wär­menetz erweitert und ein kompletter Ortsteil, der bisher ohne Netz war, ange­schlossen. Dies ist um so erstaun­licher, da es sich hierbei um eine Einfamilienhaus-​Bebauung handelt, die Anschluss­dichte also nur mit größerem Aufwand herzu­stellen ist. Haus­be­sitzer wurden damit gelockt, dass sie für eine Über­gangszeit keine Hausanschluss- und Netz­kosten bezahlen müssen. Diese hatten aber noch einen weiteren Grund, sich für die rege­ne­rative Fernwärme zu entschieden: Fossile Energien, insbe­sondere für Einzel­feu­er­an­lagen, werden in Dänemark gegenüber den Fern­wär­me­preisen deutlich höher besteuert. Insgesamt beträgt der Anschlussgrad in dem Gebiet nun 95 %.

Dennoch soll sich das Projekt, das im nächsten Jahr komplett abge­schlossen wird, rechnen. Die positiven Effekte lassen sich jetzt schon, nach Abschluss der ersten von zwei Phasen, darstellen. So sanken die Fern­wär­me­kosten von 2012 bis 2014, als die Solar­ther­mie­anlage schon wirksam wurde, von 13,14 Eurocent je kWh auf 11,72 Eurocent je kWh. Da sind gut 10 %. Bis zum nächsten Jahr können die Preise nochmals um 7 % gesenkt werden.

Die Solar­ther­mie­anlage hat folgende Kennzahlen

  • 50.000 m² Kollektorfläche, 
  • Saiso­nal­speicher mit 150.000 m³ 
  • Enkun­den­wär­me­bedarf: 6.600 MWh
  • Netz­ver­luste: 504 MWh
  • Hybrid-​Großwärmepumpe
  • Biomas­se­kessel für Ortsteil Løgumgaard 
  • solaren Deckungsgrad: 45 % (Ziel)

Vorschaubild: Sitz von Løgum­kloster Fjern­varme. Foto: Løgum­kloster Fjernvarme 

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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