Mono­pol­kom­mis­sion sieht Kapa­zi­täts­re­serve äußerst kri­tisch

Das Heizkraftwerk Heilbronn der EnBW bleibt mit seinen 125 MW als Reservekraftwerk erhalten. Foto: Daniel Meier-Gerber / EnBW
Heizkraftwerk Heilbronn. Foto: Daniel Meier-Gerber / EnBW

Das Son­der­gut­ach­ten „Energie 2015: Ein wett­be­werb­li­ches Markt­de­sign für die Ener­gie­wende“ der Mono­pol­kom­mis­sion sieht das Konzept der Bun­des­re­gie­rung für den Strom­markt 2.0 kri­tisch und mit zahl­rei­chen Risiken behaf­tet.

Nur wenn bei der Aus­ge­stal­tung der Ener­gie­wende kon­se­quent auf wett­be­werb­li­che Instru­mente gesetzt wird, werden die Kosten der Ener­gie­wende wirksam begrenzt“, so der Vor­sit­zende der Mono­pol­kom­mis­sion, Daniel Zimmer. Gene­rell solle der Markt so gestal­tet werden, dass ein Netz­aus­bau auf­grund von Effi­zi­enz durch Markt­fä­hig­keit auf ein Minimum beschränkt werde.

Beson­ders schlecht kommt die Kapa­zi­täts­re­serve weg, mit deren Hilfe alte Koh­lemei­ler das Strom­netz sta­bi­li­sie­ren sollen. Da die Reserve mit erheb­li­chen Effi­zi­enz­ri­si­ken ver­bun­den sei, solle sie an enge Bedin­gun­gen geknüpft werden, in der Größe beschränkt sein und nur tem­po­rär als Instru­ment genutzt werden.

Kein Vorteil für CO2-Reduktion

Nach Meinung der Kom­mis­sion gene­riere dieser tech­no­lo­gie­spe­zi­fi­sche Ein­griff hohe Kosten, im Gegen­zug habe er jedoch kei­ner­lei Aus­wir­kun­gen auf den Gesamt­um­fang des CO2-Ausstosses, da dieser durch den EU-Emissionshandel vor­ge­ge­ben sei.

Moniert wird auch der im Refe­ren­ten­ent­wurf des Strom­markt­ge­set­zes vor­ge­se­hene und vom Bun­des­kar­tell­amt zu erstel­lende Markt­macht­be­richt. Dieser ziele darauf ab, einen Teil der Unter­neh­men von der Miss­brauchs­kon­trolle aus­zu­neh­men. Dies könnte zu über­höh­ten Preisen und lang­fris­tig zu neuen Über­ka­pa­zi­tä­ten führen.

Aus­schrei­bung für alle

Begrüßt wird hin­ge­gen das Aus­schrei­bungs­mo­dell, das sich aber nach den ersten zwei Runden noch am Markt bewäh­ren muss. Die Mono­pol­kom­mis­sion gibt jedoch zu beden­ken, dass der Sys­tem­wech­sel ohne geeig­nete Rah­men­be­din­gun­gen keine nen­nens­wer­ten Ver­bes­se­run­gen mit sich bringt. Beson­ders kri­tisch wird bemerkt, dass das neue Aus­schrei­bungs­sys­tem nach wie vor nach Tech­no­lo­gien dif­fe­ren­zierte Auk­tio­nen vor­sieht. Durch tech­no­lo­gie­neu­trale Aus­schrei­bun­gen würde hin­ge­gen Wett­be­werb zwi­schen Erzeu­gungs­tech­no­lo­gien ent­ste­hen, der eine effi­zi­en­tere Erzeu­gung von Strom aus erneu­er­ba­ren Ener­gien ermög­li­chen und einem wei­te­ren Kos­ten­an­stieg für die Ver­brau­cher ent­ge­gen­wir­ken würde. Zuletzt hoffte die Bio­gas­bran­che von diesem Modell zu par­ti­zi­pie­ren, da sie nach den bis­he­ri­gen Pla­nun­gen davon aus­ge­schlos­sen ist.

Vor­schau­bild: Das Heiz­kraft­werk Heil­bronn der EnBW bleibt mit seinen 125 MW als Reser­ve­kraft­werk erhal­ten. Gene­rell wird diese Kapa­zi­täts­re­serve von der Mono­pol­kom­mis­sion kri­tisch gesehen. Foto: Daniel Meier-Gerber / EnBW

 

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