Fern­wärme DK: Mit Non-Profit zum Erfolg

Müllverbrennungsanlage von VF, die auch zur Wärmeauskopplung genutzt wird. Kinamand / Wikimedia / Lizenz unter CC BY-SA 3.0
Müllverbrennungsanlage von VF, die auch zur Wärmeauskopplung genutzt wird. Kinamand / Wikimedia / Lizenz unter CC BY-SA 3.0

Fern­wärme in Däne­mark, ins­be­son­dere im Groß­raum Kopen­ha­gen, ist eine Erfolgs­ge­schichte. Poli­tisch gewollt und von klug han­deln­den Akteu­ren umge­setzt, wächst der Anteil der Fern­wärme kon­ti­nu­ier­lich.

Einen Erfolgs­fak­tor beleuch­tet die aktu­elle Wärmewende-Info Nr. 24 (zum ersten Teil über die Fern­wärme in Kopen­ha­gen geht es hier) von Ralf Radloff, pen­sio­nier­ter Wärmemarkt-Experte des Minis­te­rium für Ener­gie­wende, Land­wirt­schaft, Umwelt und länd­li­che Räume des Landes Schleswig-Holstein , die dem­nächst hier ver­öf­fent­licht wird. Und zwar den Non-Profit-Charakter der ver­schie­de­nen Akteure – in Deutsch­land aktuell undenk­bar.

Als Bei­spiel dient Ves­t­for­bræn­ding (VF) in der Gemeinde Glos­trup im Speck­gür­tel der däni­schen Haupt­stadt. Das kom­mu­nale Unter­neh­men erar­bei­tet Stra­te­gien, wie die Erd­gas­ver­sor­gung auch ande­reer Kom­mu­nen ersetzt wird durch Fern­wärme. Der Preis­vor­teil muss dabei min­des­tens 10 % betra­gen. Seit 2006 führt das Unter­neh­men diese Stra­te­gie. Den betrof­fe­nen Gas­ver­sor­gern wird dabei sogar eine Ent­schä­di­gung gezahlt. Im Gegen­zug erhält der Fern­wär­me­pro­du­zent Daten über den Wär­me­ver­brauch seiner zukünf­ti­gen Kunden und kann die Netze optimal anpas­sen. Dies führte dazu, dass VF mit die güns­tigs­ten Fern­wär­me­preise in Däne­mark anbie­ten kann.

Das Unter­neh­men sieht seine eigenen Vor­teile als gemein­schaft­li­ches kom­mu­na­les Non-profit-Unternehmen wie folgt:

  • VF könne ihnen Vor­schläge für die stra­te­gi­sche Wär­me­pla­nung vor­le­gen und letzt­lich geneh­mi­gungs­reif aus­ar­bei­ten, sie rea­li­sie­ren und kos­ten­güns­ti­ger betrei­ben.
  • Die Mit­glieds­kom­mu­nen pro­fi­tier­ten nicht nur von dem Know-How des Unter­neh­mens sondern auch von den Syn­er­gie­ef­fek­ten, die sich durch eine gemein­schaft­li­che Orga­ni­sa­tion der Maß­nah­men ergeben.
  • VF sieht sich nicht nur selbst als Vor­rei­ter für den Fern­wär­me­aus­bau und die Erschlie­ßung bisher mit Erdgas ver­sorg­ter Gebiete.
  • VF habe den Ener­gie­be­hör­den bewie­sen, dass es ein großes Poten­tial der kos­ten­güns­ti­gen Erschlie­ßung neuer FW-Gebiete gäbe.
  • VF habe die Behör­den und die Kom­mu­nen ermu­tigt, dieses Poten­tial zu suchen.
  • VF habe andere FW-Unternehmen inspi­riert, mit ähn­li­cher Stra­te­gie – also Neu­an­schluss ohne Anschluss­kos­ten – ihre Netze zu erwei­tern, wie etwa Løg­um­klos­ter.

Die Wär­me­preise von VF gehören in Folge dessen zu den nied­rigs­ten in ganz Däne­mark. Die auch aus dieser unter­neh­me­ri­schen Stra­te­gie fol­gen­den Erfolgs­fak­to­ren der Fern­wärme in Däne­mark im All­ge­mei­nen und im Groß­raum Kopen­ha­gen im Beson­de­ren sind nach Radloff:

  • Die ver­bind­li­che kom­mu­nale Wär­me­pla­nung, mit der früh­zei­tig eine effi­zi­enz­ori­en­tierte Wär­me­ver­sor­gungs­in­fra­struk­tur auf­ge­baut worden ist.
  • Der weit­ge­hende gesell­schaft­li­che Konsens über die Energie- und Kli­ma­schutz­po­li­tik, so dass im Ergeb­nis vieles nicht gesetz­lich sondern über „Ener­gie­ver­ein­ba­run­gen“ gere­gelt wird, etwa dem suk­zes­si­ven Verbot fos­si­ler Brenn­stoffe.
  • Die ver­gleichs­weise hohe Besteue­rung fos­si­ler Ener­gie­trä­ger (3,8 Ct./kWh) – auf deren Grund­lage wesent­li­che Ent­wick­lun­gen markt­ge­steu­ert ohne För­de­rung mit öffent­li­chen Mitteln rea­li­siert werden.
  • Die Orga­ni­sa­tion der däni­schen Ener­gie­un­ter­neh­men, die weit­ge­hend non-profit-Unternehmen sind.
  • Die prag­ma­ti­sche Haltung und die Anpas­sungs­fä­hig­keit der däni­schen Akteure:
    • Bei­spiel Koh­le­ver­drän­gung: Kurz­fris­ti­ger groß­vo­lu­mi­ger Einsatz von Holz­pel­lets in den Koh­le­kes­seln, bis spä­tes­tens bis 2035 die Technik grund­le­gend erneu­ert sein muss.
    • Bei­spiel Sai­so­nal­spei­cher – in Däne­mark kostet er etwa 20–30 Euro je Kubik­me­ter, in Deutsch­land rund 600 und mehr Euro je Kubik­me­ter.

High tech ist kein Selbst­zweck, es muss nicht Rollce Royce sein, VW oder Fiat tut›s auch. Anlass, bei uns einige Posi­tio­nen zu über­den­ken, so Radloff abschlie­ßend.

Vor­schau­bild: Müll­ver­bren­nungs­an­lage von VF, die auch zur Wär­me­aus­kopp­lung genutzt wird. Kina­mand / Wiki­me­dia / Lizenz unter CC BY-SA 3.0