Foto: Urbansky

Ener­gie­wende: Ökostrom reicht nicht aus

von | 18. April 2016

Die Berliner Ener­gietage verschrieben sich auch dieses Jahr wieder dem Thema Ener­gie­ef­fi­zienz. Als neuer Aspekt kam die Sektor­kopplung hinzu. Darunter versteht man die Verbindung von Verkehr, Wärme und Strom – den drei wesent­lichen Ener­gie­märkten einer Volkswirtschaft. 

Bei einer Podi­ums­dis­kussion, die vom Tages­spiegel moderiert wurde (Klima­retter berichtet darüber ausführlich hier) wurden einige über­schlägig Berech­nungen ange­stellt. Denn Fakt ist – wollten alle drei Markt­seg­mente in Zukunft nur mit Ökostrom arbeiten, würde das Angebot nie und nimmer ausreichen.

Dazu stellte Dena-​Chef Andreas Kuhlmann folgende Rechnung an: Die jährliche Strom­erzeugung in Deutschland beträgt rund rund 600 Tera­watt­stunden netto. Davon ist bereits ein Drittel erneu­erbar also 200 TWh. Den zukünf­tigen Bedarf an Wärme schätzt er auf 400 bis 550 TWh und beim Verkehr auf 400 bis 900 TWh. Im güns­tigsten Falle müssten also 600 TWh im Strom­markt und jeweils 400 TWh im Wärme- und Verkehrs­markt durch Erneuerbaren-​Strom ersetzt werden, macht insgesamt 1.400 TWh.

Das wäre eine Versie­ben­fa­chung der bisher reali­sierten EE-​Stromquellen. Also 7 x soviel Windräder an Land und Wasser, 7 x soviel Solar­an­lagen, 7 x soviel Biogas­an­lagen (obwohl denen politisch gerade der Garaus gemacht wird) und so weiter und so fort. Kuhlmann folgert, so vage die Zahlen auch sind, dass dies die grüne Infra­struktur hier­zu­lande komplett über­fordern würde. Auch der abge­re­gelte Windstrom hilft hier kaum weiter. 2015 waren es ersten Schät­zungen nach gerade mal 5 TWh.

Letztlich muss mehr Effizienz her, also deutlich gerin­gerer Verbrauch. Aber dies hieße auch vermin­dertes Wachstum, das bis hin zur Degression und daraus folgend einer dauer­haften Rezession führen kann. Das will niemand und wahr­scheinlich im Augen­blick wohl auch niemand hören. Aber es ist – Prognose hin oder her – eine der Wahr­heiten, denen sich die Erneuerbaren-​Ökonomie in Zukunft stellen muss.


Ein wesent­licher Baustein zukünf­tiger Ener­gie­wirt­schaft und deren höherer Effizienz ist die Digi­ta­li­sierung, wie von meinen Energieblogger-​Kollegen von Next-​Kraftwerke hier beschrieben.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

6 Kommentare

  1. Frank Urbansky
    • jogi54

      Der Gasver­brauch ist im ersten Jahr auf 7500kWh runter­ge­kommen – war aber gegenüber den Berech­nungen noch viel zu viel. Dann habe ich mich auf die Suche gemacht und mittels Infra­rot­ther­mo­meter heraus­ge­funden, dass – entgegen der Vorschriften – ich ca 2/​3 des Heiz­ener­gie­be­darfs in die Wand zum Nach­bar­rei­henhaus verliere (ist auch im thread beschrieben). Offen­sichtlich ist der Zwischenraum zwischen den beiden Häusern nicht wie üblich mit Stein­wolle isoliert. Da diese Spalt nur ~2cm breit ist, geht da nur eine Isolierung mit SLS20 (oder aerogel – zu teuer). Soll in den nächsten Wochen isoliert werden. Falls das mein Problem löst, komme ich unter 3000kWh/​a für 180m² beheizte Fläche.

      Lg jogi

      • Frank Urbansky

        Das wird ja langsam Passivhaus-​Standard. Kann ich das mal auf meinen Blog vorstellen?
        LG Frank

        • jogi54

          Hallo Frank,
          im Prinzip, ja.

          Aller­dings bin ich ja noch nicht fertig – die Iso zum Nachbarn [Ergebnis ??? Nach U‑Wert.net mit 20°C müßte folgendes herauskommen:
          Max. Heiz­leistung: 2.84 kW (Innen: 22°C, außen: ‑10°C, Wärme­ge­winne nicht berücksichtigt)
          Heiz­wär­me­bedarf: 1920 kWh/​a (entspricht 190.5 Liter Heizöl EL, Heiz­pe­riode: 26.10. – 22.3.)] Nebenbei habe ich heute erfahren, dass ich tatsächlich das Wohn­zimmer meines Nachbarn mitheize – wobei das per Strah­lungs­wär­me­aus­tausch funk­tio­nieren muss – was dann durch die Iso unter­bunden würde – ihm ist es eh eigentlich zu warm.

          Dann fällt mir die fällige Entscheidung, meinen Gasheiz­wert­kesssel durch eine Stir­ling­mo­tor­heizung oder durch eine Wärme­pumpe zu ersetzen, ziemlich schwer.

          Einer­seits – mit einer WP unter­stützt man die Notwen­digkeit von fossilen Grundlast-​Kraftwerken – ande­rer­seits heizt man mit einem Stirling auch wiederum fossil.

          Auch mit der Erwei­terung meiner PV um nochmals ca 7,5kWp – die wieder unter nicht optimalen Bedin­gungen laufen wird, wird der Ertrag in der Zeit Nov – Feb nicht reichen, meinen Haus­halts­strom zu 100% zu decken.
          Wenn es möglich wäre, meine 16kWh (netto) Batte­rie­anlage mit 3x5kW WR im Winter gezielt mit über­schüs­sigem Windstrom zu füllen, wäre es klar die Wärme­pumpe. Leider ist das noch nicht möglich.

          Bei einer WP würde diese wahr­scheinlich mit einem großen Beton­ab­sorber + einem Erdspeicher/​Kollektor als Quelle ausge­rüstet und dadurch COPs > 5 einfahren können. Verschaltung wie die Energiezaunanlagen.

          Ich denke, wir sollten uns über Umfang, Inhalt und Zeitpunkt direkt unter­halten. Meine e‑mail-​adi sollte bekannt sein, sonst bitte melden.

          LG jogi

  2. jogi54

    Ganz ehrlich, eine Aussage wie „Bedarf an Wärme schätzt er auf 400 bis 550 TWh” ohne Erklärung, wie die Zahl zustande kommt – und darauf dann den zukünf­tigen Bedarf an Strom abzu­schätzen – erscheint mir wie Kaffeesatz lesen – im Grunde unseriös.

    Sei’s drum, Faktor 7 ist doch möglich, wahr­scheinlich noch viel mehr.

    Mit meinem priv Forschungs­vor­haben, mein Reihen­endhaus Bj 1982, von 28000kWh/​a Gasver­brauch annähernd zu einem Passivhaus aufzu­rüsten – bis jetzt bin ich bei einem H’t = 0,204 angelangt (Die 1,3er Fens­ter­scheiben werde ich sehr wahr­scheinlich nicht austau­schen, weil absolut unren­tabel). 7,44kWp Ost/​West-​Dach PV erzeugen 5050kWh/​a, Verbrauch Faktor 15.

    LG jogi

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