Digi­ta­li­sie­rung: 1,3 Mil­lio­nen Haus­halte bekom­men Zwangs-Smart-Meter

Komponente für die moderne Haustechniksteuerung: intelligente Verbrauchszähler. Foto: pixabay Smart home, TGA, Haustechnik, Automation, Heizung, Lüftung, Kühlung
intelligenter Verbrauchszähler. Foto: pixabay

1,3 Mil­lio­nen Haus­halte und somit gerade mal 3 % aller Haus­halte, so schätzt die Bun­des­re­gie­rung, bekom­men einen Zwangs-Smart-Meter im Rahmen der Digi­ta­li­sie­rung der Ener­gie­wende. Grund ist deren Ver­brauch von mehr als 6.000 kWh im Jahr.

Dabei ist der Nutzen umstrit­ten. Bei unseren nie­der­län­di­schen Nach­barn gab es ähn­li­ches. Eine dortige Kosten-Nutzen-Prognose ergab Ein­spa­run­gen von 3,2 % bei Strom und von 3,7 Prozent bei Gas. Die Rea­li­tät jedoch war deut­lich trüber. Nur 0,6 % wurden beim Strom und 0,9 % beim Gas ein­ge­spart, so ein Monitoring.

Zwar ist für Ver­brau­cher unter 6.000 kWh, und das sind immer­hin 97 % aller Ver­brau­cher, kein Zwangs­ein­bau vor­ge­se­hen. Dennoch ist der hier auch vor­stell­bar. Das Kabi­nett nennt dafür in einer Antwort auf Anfrage der Grünen fol­gende Voraussetzungen:

  • wenn der Ver­brau­cher selbst dies frei­wil­lig veranlasst,
  • der Lie­gen­schafts­in­ha­ber die gesamte Lie­gen­schaft mit intel­li­gen­ten Mess­sys­te­men moder­ni­siert (auch gegen den Willen der betref­fen­den Ver­brau­cher, für die aller­dings keine Mehr­kos­ten ent­ste­hen dürfen),
    oder
  • der grund­zu­stän­dige Mess­stel­len­be­trei­ber die Option nutzt, auch in diesem Ver­brauchs­be­reich intel­li­gente Mess­sys­teme unter Ein­hal­tung der oben geschil­der­ten beson­ders nied­ri­gen Preis­ober­gren­zen ein­zu­bauen (auch gegen den Willen der betref­fen­den Verbraucher).

Damit ist auch hier die Tür fürs Zwangs-Smart-Metering wenigs­tens etwas geöff­net.

Zu den Kosten für die betrof­fe­nen Verbraucher:

2016 wurden von der Bun­des­netz­an­gen­tur für einen Standard-Haushaltszähler (Ein­ta­rif­zäh­ler) für den Mess­stel­len­be­trieb durch­schnitt­li­che Ent­gelte in Höhe von 11,12 Euro (13,23 Euro inklu­sive MwSt.) ermit­telt. Diese sind jedoch von ihrem Aus­stat­tungs­um­fang her nicht ver­gleich­bar mit den moder­nen Mess­ein­rich­tun­gen. Für die hat die Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft Ernst&Young in einer für das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­rium ange­fer­tig­ten Kosten-Nutzen-Analyse übliche Ent­gelte für Messung und Mess­stel­len­be­trieb in Höhe von durch­schnitt­lich 18,01 Euro (3,35 Euro für die Messung und 14,66 Euro für den Mess­stel­len­be­trieb) aus­ge­wie­sen; inklu­sive gesetz­li­cher Mehr­wert­steuer wären dies 21,43 Euro. Des­we­gen sollte die Preis­ober­grenze für den Mess­stel­len­be­trieb 20 Euro inklu­sive Mehr­wert­steuer nicht über­stei­gen. Dies liegt jedoch in den Händen der Netzbetreiber.


Mit der nächst höheren Stufe hei­mi­scher Ver­net­zung, dem Smart home, befasst sich Energieblogger-Kollege Björn Katz hier auf seinem Blog Strom­aus­kunft.

2 Kommentare

  1. Ob nun immer alle mit tech­no­lo­gi­schem Fort­schritt glück­lich werden ? Nun ja die »Ver­net­zung« jeg­li­cher Lebens­äu­ße­rung findet aktuell bereits statt. 

    Kann da etwas, was jemand nur anläss­lich der jähr­li­chen Stromend­ab­rech­nung auf dem Schirm hat, ernst­haft ver­hin­dert werden wollen ? Wer sich wenigs­tens monat­lich seinen Ver­brauch betrach­tet, wird wohl eher sinn­volle Ver­mei­dungs­stra­te­gien ent­wi­ckeln können, als derzeit alle, welche auf Anfrage noch nicht­ein­mal wissen wo ihr »Ferraris-Zähler« sein Dasein fristet – geschweige denn, wie dessen kos­ten­pflich­ti­ger Zäh­ler­stand ihr Leben beeinflusst.

    Der Kampf sollte sich nicht gegen diese neuen Mess­ein­rich­tun­gen richten, sondern eher darauf kon­zen­trie­ren zu hohe Fol­ge­kos­ten für die Ver­brau­cher zu bekämpfen.

    Wem an Ein­spa­run­gen – sozu­sa­gen bun­des­weit – gelegen ist, wird fest­stel­len der Eigen­ver­brauch dieser schwar­zen Kisten ist durch­aus nicht uner­heb­lich und wer zahlt diesen Mehr­ver­brauch, wenn nicht der Kunde ver­steckt in den Gebüh­ren. Selbst diese Erspar­nis wird nicht wei­ter­ge­ge­ben werden – OK ich glaube auch an den Osterhasen…

    Was ganz sicher erfor­der­lich ist, sind Reg­lun­gen wem die Fülle der Daten gehören sollen – dem Betrei­ber des pri­va­ten Netz­werks dahin­ter ? Oder in Gänze dem betref­fen­den EVU ? Dem sollte ein Riegel vor­ge­scho­ben werden – nur aus­schließ­lich die für Abrech­nung not­wen­di­gen Daten stehen dem EVU zu – nicht aber alles was in 10.000 Schrit­ten pro kWh so eine Smart­me­ter über den Nutzer zu berich­ten weiß.

    Meine seit nunmehr >4 Jahre vor­han­de­nen 2 Smart­me­ter mit zusam­men 4 Regis­tern könnten das – da es bislang kei­ner­lei ver­nünf­tige Anbin­dung für das haus­ei­gene Netz­werk gibt in unserem »High tech­no­logy Country«, lese ich die Werte quasi »hän­disch ab«. Bisher einmal ein ganzes Jahr einmal täglich, um Ver­gleichs­zah­len für Berech­nun­gen zu erhal­ten. Bei einer Über­schuss­ein­spei­sung sind die Dinger sowieso Pflicht. 

    Da wäre noch die Frage der Sicher­heit – wie viel »welt­weite Ver­net­zung« ist hier not­wen­dig oder besser gerade noch ver­nünf­tig ? Wer diese Frage nicht ver­steht, emp­fehle ich den Roman von Marc Elsberg »BLACKOUT – Morgen ist es zu spät« als Hin­ter­grund­ma­te­rial. Durch­aus rea­lis­tisch, beson­ders, seit ich weiß, zumin­dest die »ita­lie­ni­schen Smart­me­ter« gibt es tat­säch­lich und bis Dato wurde dort nix unter­nom­men um eine Ver­wirk­li­chung dieser (noch) Fiktion zu verhindern.…

  2. Sehr geehr­ter Herr Urbansky,
    eigent­lich wollte ich auf einen Kom­men­tar ver­zich­ten. Der Aus­druck »Zwangs«-Smart-Meter hatte mich gestört, weil er eine völlig unge­recht­fer­tigte Wertung dar­stellt, die bei 3% betrof­fe­ner Haus­halte mit hohem Ver­brauch (> 6000 kWh) maßlos über­trie­ben ist. In anderen EU-Ländern (Italien, Schwe­den, Frank­reich, Spanien, UK) werden 100% »zwangs­be­glückt«, ohne dass dort ein Hahn danach krähen würde.

    Jetzt mein Punkt: Der Kenner sieht, dass das Bild keine Strom­zäh­ler (Bild­un­ter­schrift), sondern ver­mut­lich aus­län­di­sche (engl.) Gas­zäh­ler zeigt!

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