Foto: EEX

Wie funk­tio­niert die Leipziger Strombörse

von | 19. Mai 2016

An den Börsen dieser Welt wird alles gehandelt, was handelbar ist. Aktien, Rohstoffe, Getreide und auch Strom. Die Frage „Wie funk­tio­niert die Börse?“ lässt sich recht einfach beant­worten. Ein Anbieter möchte sein Handelsgut zu einem bestimmten Preis verkaufen und bietet es an der Börse zum Kauf an. Ist der Preis realis­tisch, wird sich ein anderer Markt­teil­nehmer finden, der ihn bezahlt. Ist der Preis nicht realis­tisch, muss er nach unten korri­giert werden. Sind viele Anbieter am Markt, sinkt der Preis, kommt es zu einer Verknappung, steigt er. Für Aktien oder Getreide mag das leicht nach­voll­ziehbar sein. Wie kann dies aber mit Strom funktionieren?

Die Strom­börse ist ein orga­ni­sierter Markt

Es gibt in Europa mehrere Strom­börsen. Die Leipziger Energie-​Börse (EEX – European Energy Exchange) ging aus einer Fusion mit der Frank­furter Strom­börse im Jahr 2002 hervor. Es handelt sich bei der Leipziger Börse um eine öffentlich-​rechtliche Insti­tution, die der Börsen­auf­sicht unter­steht. Leipzig dient dem Handel mit Strom aus Deutschland, den Nieder­landen und Öster­reich. Bislang ist es nicht gelungen, den Vorschlag der EU, eine einheit­liche euro­päische Strom­börse zu schaffen, umzu­setzen. Zu Beginn der Libe­ra­li­sierung wurde der Preis für Strom anhand der Grenz­kosten festgelegt.

Dies entsprach aber nicht den Vorstel­lungen, dass ein Markt jederzeit flexibel reagieren muss, um größt­mög­liche Effizienz zu erzielen. Vor diesem Hinter­grund kam es zu Gründung mehrerer Strom­börsen. Der Strom wird dort in abge­grenzten Mengen gehandelt. Damit ist es möglich, einen Überblick über den tatsäch­lichen Preis zu erhalten. Durch die Bündelung von Angebot und Nachfrage sinken wiederum die Trans­ak­ti­ons­kosten, was sich positiv auf die Endpreise auswirkt.

Verbraucher beein­flussen den Handel

Der Strom­preis in Leipzig ergibt sich aber nicht nur aus dem Angebot und der Nachfrage der Liefe­ranten und Händler. Das Verbrau­cher­ver­halten, das beispiels­weise zu Spit­zen­ka­pa­zi­täten zu bestimmten Uhrzeiten führt, beein­flusst den Preis ebenfalls. Die Händler müssen sowohl kurz­fristige Kapa­zi­täten einsetzen, als auch lang­fristige Kontin­gente bereit­stellen. Wie an anderen Börsen auch, wird Strom auch als Termin­ge­schäft gehandelt. Die Wetter­pro­gnosen stellen bei der Preis­bildung ebenfalls einen Faktor dar. Deutet sich beispiels­weise eine Periode mit kaum vorhan­denem Wind oder völliger Wind­stille an, müssen die Strom­lie­fe­ranten Strom „horten“, um das Produk­ti­ons­de­fizit der Windparks zu kompensieren.

Diesen Prognosen kommt eine immer größere Bedeutung zu, da sie es ermög­lichen, die optimal zu kaufende Menge im Vorfeld zu defi­nieren. Damit eine Preis­si­cherung erzielt werden kann, müssen die Verkaufs­erlöse mindestens die Grenz­kosten decken. Diese variieren jedoch je nach Form der Strom­erzeugung. Wasser­kraft­werke bieten die nied­rigsten Grenz­kosten. Der Preis für dort erzeugten Strom lässt sich daher am Besten kalkulieren.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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