Ost­deut­sches Ener­gie­fo­rum: Drei Stühle, zwei Mei­nun­gen

Drei Stühle, zwei Meinungen zur Energiewende: Die Ministerpräsidenten Reiner Haselhoff, Bodo Ramelow und Dietmar Woidke (von links). Foto: Urbansky
Drei Stühle, zwei Meinungen zur Energiewende: Die Ministerpräsidenten Reiner Haselhoff, Bodo Ramelow und Dietmar Woidke (von links). Foto: Urbansky

Gestern öffnet das Ost­deut­sche Ener­gie­fo­rum zum 5. mal seine Pforten.

2012 ins Leben gerufen, um der ost­deut­schen Wirt­schaft eine ein­heit­li­che Stimme gegen­über der bun­des­deut­schen Ener­gie­po­li­tik zu geben, dreht es sich immer noch um die glei­chen Fragen: zu hohe Netz­ent­gelte (die tat­säch­lich um 20 % höher liegen als in den Alt­bun­des­län­dern und somit ein ekla­tan­ter Wett­be­werbs­nach­teil in Indus­trie und pro­du­zie­ren­dem Gewerbe dar­stel­len) sowie die Kraft der Braun­kohle. Denn auch die gilt es zu ver­tei­di­gen, ist sie doch aus Energieforums-Sicht die einzig ver­läss­li­che Quelle nach dem Atom­aus­stieg.

Für diese Stra­te­gie rückte zahl­rei­che Poli­tik­pro­mi­nenz an. Drei Minis­ter­prä­si­den­ten, Bodo Ramelow für Thü­rin­gen, Reiner Haseloff für Sachsen-Anhalt und Dietmar Woidke für Bran­den­burg, zwei Lan­des­mi­nis­ter mit Chris­tian Pegel für Mecklenburg-Vorpommern und Thomas Schmidt für Sachsen, lagen fast immer auf dieser Linie.

Neue Erkennt­nisse

Dennoch wagten ins­be­son­dere Ramelow, Pegel und Schmidt immer mal wieder einen Blick in die ener­ge­ti­sche Zukunft. Die wird nun mal kei­nes­wegs in rie­si­gen Strom­tras­sen liegen und in sehr großen Strom­erzeu­gern, sondern mehr in dezen­tra­len Lösun­gen. Ramelow würde gern die 1,5 Mrd. Euro für Redispatching-Kosten gern weg haben und diese für dezen­trale Ver­bräu­che ver­wen­den.

Schmidt pro­phe­zeite gar das Ende der Braun­kohle, wenn es denn effi­zi­ente Spei­cher gebe. Er ver­glich das mit einer Ketch­upfla­sche, auf die man drauf klopfe und am Anfang nur kleine Kleckse gäbe. Doch dann käme der große Blubb. „Wir sind gerade vor dem großen Blubb, was Spei­cher betrifft“, so Schmidt. Worte, die von seinem Dienst­herrn Minis­ter­prä­si­dent Sta­nis­law Tillich vor Jah­res­frist an glei­chem Ort nicht zu hören waren.

Pegel hob auf das Inter­net der Energie ab und pro­phe­zeite große Fort­schritte in der Sek­tor­kopp­lung.

Ver­tei­di­gung der Braun­kohle

Ganz anders hin­ge­gen die Minis­ter­prä­si­den­ten der Braun­koh­le­län­der Sachsen-Anhalt und Bran­den­burg. Sowohl Hasel­hoff als auch Woidke pro­phe­zei­ten der Braun­kohle noch einen langen Nut­zungs­kor­ri­dor, der eine bis zu 20 Jahren, der andere 30 bis 35 Jahren, und baten um mehr Zeit für die Ener­gie­wende. Schließ­lich hätten die ost­deut­schen Länder schon gelie­fert mit ihrem sehr hohen Eigen­an­teil an Pro­duk­tion und Ver­brauch bei den Erneu­er­ba­ren Ener­gien, hinter denen die Alt­bun­des­län­der hin­ter­her­hink­ten.

Das ist zwar richtig, wird aber den Zug in eine neue Ener­gie­wirt­schaft kaum auf­hal­ten. Denn Rück­sicht­nah­men sind in der immer schnell­le­bi­ge­ren Ener­gie­welt nicht mehr zu erwar­ten.


Über den Strom­ta­rif­dschun­gel, der auch der odst­deut­schen­Wirt­schaft zu schaf­fen macht, schreibt Energieblogger-Kollege Björn Katz hier auf seinem Blog Strom­aus­kunft.