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Kosten für Strom­netz­ein­griffe schnellen nach oben

von | 10. Februar 2017

Die Strom­ver­sorgung in Deutschland ist nach Meinung der Bundes­re­gierung sicher. Das ist einer der Aussagen im nunmehr fünften Monitoring-​Bericht Energie der Zukunft.

Auch im inter­na­tio­nalen Vergleich gehört Deutschland mit einer konstant sehr hohen Versor­gungs­qua­lität zur Spit­zen­gruppe”, so der Bericht. Aller­dings wird das zu einem hohen Preis erkauft

Verdrei­fa­chung bei Netzeingriffen

Denn Kosten für System­dienst­leis­tungen, also Eingriffen in die Strom­netzen zu deren Stabi­li­sierung, sind 2015 deutlich gestiegen. Sie lagen bei 1,6 Milli­arden Euro gegenüber 1,1 Milli­arden Euro im Vorjahr. Dadurch ergeben sich durch­schnitt­liche Kosten je verbrauchter Kilo­watt­stunde Strom von 0,31 Cent.

Der Teil der System­dienst­leis­tungs­kosten, der auf Engpässe im Stromnetz zurück­zu­führen ist, hat sich verglichen mit dem Vorjahr beinahe verdrei­facht, und zwar von 387 auf 1035 Millionen Euro. So sind die Kosten für Einspei­se­ma­nagement von 83 auf 315 Millionen Euro sowie für die Netz­re­serve von 66 auf 219 Millionen Euro gestiegen.

Quelle: AGEB, BNetzA Redispatch 2015

Quelle: AGEB, BNetzA

Die Kosten für Redis­patch lagen im Jahr 2015 bei 412 Millionen Euro, gegenüber 185 Millionen Euro im Vorjahr. Ein Grund für die Verschärfung der Netz­eng­pass­si­tuation ist der kräftige Zubau von Wind­energie an Land und auf See in den vergan­genen Jahren bei gleich­zeitig verzö­gertem Netzausbau.

Die klas­si­schen System­dienst­leis­tungen zur Frequenz- und Span­nungs­haltung verur­sachten 2015 dagegen geringere Kosten als im Vorjahr. Diese Kosten folgen weiter einem lang­jäh­rigen Abwärts­trend. Ein Grund für diese positive Entwicklung ist auch der zunehmend besser funk­tio­nie­rende Strom­markt, der einen gerin­geren Einsatz von Regel­en­ergie zur Folge hat.

Strom wird weiter teurer

Der Bericht hält noch einige andere wesent­liche Ener­gie­daten fest, die hier im Überblick gezeigt werden:

  • Wich­tigste Strom­quelle sind inzwi­schen die erneu­er­baren Energien, deren Anteil bei 31,6 % am Brut­to­strom­ver­brauch liegt.
  • Der Primär­ener­gie­ver­brauch ist leicht um 0,9 % gestiegen und lag bei 13.293 Petajoule.
  • Der Endener­gie­ver­brauch im Verkehr entwi­ckelte sich mit einem Anstieg von 1,3 % gegenüber 2005 weiterhin gegen­läufig zu den Zielen des Energiekonzepts.
  • 2015 sanken die Strom­preise für Haus­halts­kunden leicht um durch­schnittlich 1,4 % gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2016 ist ein leichter Anstieg der Strom­preise zu verzeichnen.
  • Für Indus­trie­kunden, die nicht unter Entlas­tungs­re­ge­lungen fallen, gingen die Strom­preise 2015 um 2,1 % zurück.
  • Die Ener­gie­kosten durch den Verbrauch impor­tierter fossiler Primär­ener­gie­träger sind 2015 gegenüber dem Vorjahr von rund 77 Milli­arden auf rund 55 Milli­arden Euro gefallen. Wich­tigste Ursache sind die erneut deutlich gesun­kenen Preise auf den globalen Rohstoffmärkten.

Über die Photo­voltaik im EEG 2017 schrei­ben die Energieblogger-​Kollegen Franz-​Josef Kemnade und Christian Sperling von next­kraft­werke hier.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

1 Kommentar

  1. jogi54

    Da kommt bei mir schon die Frage auf, wer da seine Haus­auf­gaben nicht gemacht hat. So pauschal, ohne auch detail­liert Ursachen zu bennenen, sind solche Aussagen ziemlich wertlos.

    Außerdem ist es offen­sichtlich Mode geworden, gleich­zeitig positive und negative Sekun­där­re­gel­leistung (also 15min Dauer) teilweise über mehrere Tage im mehrere GW Bereich zu ordern und zu bezahlen. So kann man ohne Not bei schlechter Planung sehr viel Geld verbrennen. Das haben wir nun von dem Marktmodell.

    LG jogi

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