Befrug die KWK-Experten: der Ausschuss des Deutschen Bundestages für Wirtschaft und Energie. Foto: Deutscher Bundestag / Achim Melde

Reform der KWK-​Förderung findet mehr Zustimmung

von | 7. Juni 2017

Die von der Bundes­re­gierung ange­stoßene Neujus­tierung bei der Förderung von Anlagen der Kraft-​Wärme-​Kopplung (KWK) hat die generelle Zustimmung von Experten gefunden – bei aller­dings deut­licher Kritik an Teilen des beab­sich­tigten Maßnah­men­pakets. Dies zeigte die Anhörung von Sach­ver­stän­digen im Ausschuss für Wirt­schaft und Energie.

Kernpunkt ist die verpflich­tende Teilnahme an einer Ausschreibung für Anlagen zwischen einem und 50 Megawatt, wenn Förder­gelder fließen sollen. Damit soll die gesetz­liche Fest­legung des Förder­um­fangs abgelöst werden. Einzel­heiten regelt die von der Bundes­re­gierung vorge­legte „Verordnung zu Ausschrei­bungen für KWK-​Anlagen und inno­vative KWK-​Systeme, zu den gemein­samen Ausschrei­bungen für Wind­ener­gie­an­lagen an Land und Solar­an­lagen sowie zur Änderung weiterer Vorschriften”.

Zu hohe Sicherheitsleistungen

Der Deutsche Industrie- und Handels­kam­mertag (DIHK) hob auf die beab­sich­tigte Sicher­heits­leistung ab, mit der das Ausfall­risiko abgedeckt werden soll. Sie werde mit 100 Euro pro Kilowatt „deutlich zu hoch angesetzt”, zumal „man nicht weiß, ob man den Zuschlag bekommt”. Das Ausfall­risiko sei für solche Anlagen ohnehin „gering”.

Der Verband kommu­naler Unter­nehmen (VKU) begrüßte die vorge­se­henen Rege­lungen für Ausschrei­bungen „in großen Teilen”. Aller­dings sei „mit Blick auf den Klima­schutz und Ener­gie­system” nun mal „nicht nach­voll­ziehbar”, dass elek­trische Wärme­pumpen bevorzugt werden sollen. Sie entfal­teten ihr Klima­schutz­po­tenzial nur, wenn sie mit erneu­er­barem Strom gespeist würden. Doch der Bedarf an Wärme falle „meist nicht mit den Zeiten hoher erneu­er­barer Strom­erzeugung zusammen”.

Volleinspeisungs-​Pflicht abgelehnt

Der Bundes­verband Erneu­erbare Energien (BEE) machte geltend, KWK-​Anlagen könnten „nur dann eine Rolle im zukünf­tigen Ener­gie­ver­sor­gungs­system über­nehmen, wenn sie ihre Strom­erzeugung an die fluk­tu­ie­rende Strom­erzeugung aus Wind- und Sonnen­en­ergie anpassen”. Die Pflicht zur Voll­ein­speisung des erzeugten KWK-​Stroms lehnte er ab.


Die sozia­len Folgen des Kohle­aus­stiegs, in des­sen Zuge auch etli­che KWK-​Kraftwerke still­ge­legt wer­den, beschäf­tigt Energieblogger-​Kollege Björn Katz hier auf sei­nem Blog Strom­aus­kunft.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

0 Kommentare

EnWiPo
EnWiPo
„Wir zeigen für jedes Gebäude eine rationale Wärmelösung“

Wir zeigen für jedes Gebäude eine rationale Wärmelösung“

Interview mit Dr. Katja Nowak, Leitung Klimaneutralität und Energiewende der Stadtwerke Halle, zur kommunalen Wärmeplanung und zum Fernwärmeausbau in Halle (Saale). Welche Stadtgebiete in Halle sind nach aktuellem Stand der Wärmeplanung künftig verbindlich...

Planung ist bezahlbar, die Umsetzung wird teuer

Planung ist bezahlbar, die Umsetzung wird teuer

Kommunale Wärmepläne sind im besten Fall ein verbindlicher, datenbasierter Orientierungsrahmen für den Umbau der Wärmeversorgung. Verbindlich sind sie allerdings nur dort, wo Gebiete für eine künftige Fernwärmeversorgung ausgewiesen werden. Doch selbst das ist...

Wasser­stoff: Infra­st­uktur ohne Markt?

Wasser­stoff: Infra­st­uktur ohne Markt?

Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft bleibt deutlich hinter den politischen Erwartungen zurück. Zu diesem Ergebnis kommt der Bundesrechnungshof. Die Prüfer sehen zentrale energie- und industriepolitische Ziele gefährdet: Planung, Priorisierung und Umsetzung der...

Wärme­wende wirt­schaftlich gestalten in Mehrfamilienhäusern

Wärme­wende wirt­schaftlich gestalten in Mehrfamilienhäusern

Die Wärmewende im Bestand läuft am Ende immer auf dieselbe Frage hinaus: Was senkt CO₂-Emissionen und Nebenkosten – und was verlagert lediglich Risiken, etwa vom Gaspreis zum Strompreis oder hin zu intransparenten Fernwärme-Preisformeln? Realistisch betrachtet bleiben...