E-Mobilität: So starb das Millionen-Ziel

Foto: Urbansky
Es klemmt bei der E-Mobilität in Deutschland. Foto: Urbansky

Eine Million E-Fahrzeuge bis 2020 – davon spricht heute kaum einer mehr. Bei gerade mal 34.000 aktu­ell zuge­las­se­nen E-Autos in Deutschland in den kom­men­den drei Jahen auch kaum zu schaf­fen. Außer einer Äußerung von Kanzlerin Angela Merkel, in der sie die­ses Ziel doch revi­dierte, gab es bis­her von der Regierung dazu keine kon­kre­ten Aussagen.

Die Grünen frag­ten nach und erhiel­ten dazu fol­gende, wachs­wei­che Kabinetts-Antwort:

Die Bundesregierung hat sich gemein­sam mit der Nationalen Plattform Elektromobilität, in der Industrie, Gewerkschaften und Wissenschaft ver­tre­ten sind, ehr­gei­zige Ziele gesetzt. Deshalb hat die Bundesregierung in 2016 ein Milliardenprogramm zur Förderung der Elektromobilität auf den Weg gebracht. Das Tempo der Marktdurchdringung wird sich erheb­lich beschleu­ni­gen. Dieser Trend wird durch die bis­he­rige Entwicklung der Zulassungszahlen in den Jahren 2009 bis 2016 auch grund­sätz­lich bestä­tigt.
Darüber hin­aus ist zu berück­sich­ti­gen, dass Prognosen über die Marktdurchdringung von Elektrofahrzeugen in Deutschland von zahl­rei­chen Faktoren wie den rasan­ten tech­no­lo­gi­schen Fortschritten, ins­be­son­dere bei der Batterietechnik, mit deut­li­cher Erhöhung der Reichweite, Senkung der Produktionskosten und dem Ausbau der Ladeinfrastruktur abhän­gen und daher Aussagen zu der künf­ti­gen Entwicklung von Zulassungszahlen natur­ge­mäß risi­ko­be­haf­tet sind. Vor die­sem Hintergrund hält die Bundesregierung an dem Kernanliegen des 2020-Ziels fest und will mög­lichst viele Elektroautos auf die Straße brin­gen. Industrie und Bundesregierung müs­sen ihre Anstrengungen fort­set­zen und gege­be­nen­falls anpas­sen, um hier erfolg­reich zu sein.

Man halte also an dem Kernanliegen die­ses Zieles fest, was auch immer das bedeu­ten mag. Und wie geht es wei­ter? Die Regierung schreibt:

Die Bundesregierung hat mit Ihrer Unterstützung der Forschungsförderung von der­zeit jähr­lich ca. 220 Mio. Euro, den Anpassungen der gesetz­li­chen Rahmenbedingungen (Ladesäulenverordnung, Elektromobilitätsgesetz) und dem Marktanreizpaket (Umweltbonus, Ladeinfrastruktur, steu­er­li­che Anreize) die Weichen für den Markthochlauf gestellt. Insbesondere der Aufbau der Ladeinfrastruktur bleibt wich­tig, um die Reichweitenangst zu neh­men. Im Rahmen des Marktanreizpakets hat daher die Bundesregierung am 15. Februar 2017 die Förderrichtlinie Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Deutschland und am 1. März 2017 den ers­ten Förderaufruf ver­öf­fent­licht. Das Förderprogramm hat ein Fördervolumen von 300 Mio. Euro und eine Laufzeit von vier Jahren (2017 bis 2020). Zu dem för­dert die Bundesregierung die Batterieerforschung inten­siv, damit rasch noch leis­tungs­fä­hi­gere Batterien zur Verfügung ste­hen.

Allerdings: Ein Markthochlauf ist bis­her durch all diese Maßnahmen nicht zustande gekom­men. Auch das Bonusprogramm ver­siegte. Und: Verglichen mit den gut 8 Millarden Euro Steuerminderung auf den Diesel, die ja einer Subvention gleich kom­men, neh­men sich die rund 1,2 Milliarden Euro für die direkte staat­li­che E-Mobilitäts-Förderung gera­dezu beschei­den aus. Zudem bringt es kaum was. Gerade mal 21.000 Anträge wur­den beim KBA bis Mai die­sen Jahres gestellt. Doch das wird schön­ge­re­det:

Die Bundesregierung sieht im Rahmen einer Gesamtbetrachtung eines Maßnahmenbündels zur Unterstützung des Markthochlaufs die Kaufprämie als ein wirk­sa­mes Instrument an und geht davon aus, dass sich bei wei­te­rer Verbesserung auf der Angebotsseite und der wirt­schaft­li­chen sowie recht­li­chen Rahmenbedingungen der Abfluss der bereit­ge­stell­ten Mittel in naher Zukunft erheb­lich beschleu­ni­gen wird.

Das beste aber ist die Rolle der Nationale Entwicklungsplan Elektromobilität:

Der Nationale Entwicklungsplan Elektromobilität ent­hält keine Zielsetzung für die jähr­li­che Entwicklung von Zulassungszahlen für E-Mobile.

Warum dann über­haupt ein Plan?

Die Grünen hin­ge­gen sehen das Heil in China und zitie­ren Regierungsmitglied und Umweltminsiterin Barbara Hendricks, die von 400.000 E-Autos sprach, die VW ab die­sem Jahr im Reich der Mitte aus­lie­fern will. Auch die Bundesregierung scheint da nicht abge­neigt:

Die sehr dyna­mi­schen Entwicklungen im Bereich Elektromobilität in China aber auch in den Vereinigten Staaten, Japan und Europa unter­strei­chen die industrie- und umwelt­po­li­ti­sche Bedeutung die­ser inno­va­ti­ven Fahrzeug- und Verkehrstechnologien. Der zuneh­mende inter­na­tio­nale und natio­nale Wettbewerb in die­sem Bereich ist zu begrü­ßen. Er wird auch in Deutschland ein ent­schei­den­der Impulsgeber für die Entwicklung der Elektromobilität sein und wesent­lich zur Erreichung des ehr­gei­zi­gen 2020-Ziels bei­tra­gen. Entscheidend ist dabei weni­ger die zeit­li­che „Punktlandung“, son­dern eine hohe Dynamik bei den indus­tri­el­len Umstellungsprozessen und der Markdurchdringung mit Elektromobilen.

Wie es aus­sieht, wird das so nichts mit einer deut­li­chen Unterstützung der E-Mobilität durch die Politik – so wie in China. Und 2020 wird sich die Zahl der E-Fahrzeuge so viel­leicht ver­dop­pelt oder maxi­mal ver­drei­facht haben. Dann feh­len immer noch 900.000 Fahrzeuge vom ursprüng­li­chen Ziel, das so still und heim­lich beer­digt und als wenig ent­schei­dende Punktlandung geschmäht wurde.


Hier beschäf­tigt sich Energieblogger-Kollegin Katja Reisswig auf ihrem Blog Technewable mit Kozepten, die Lust auf E-Mobilität machen.