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E‑Mobilität: So starb das Millionen-Ziel

von | 16. August 2017

Eine Million E‑Fahrzeuge bis 2020 – davon spricht heute kaum einer mehr. Bei gerade mal 34.000 aktuell zuge­las­senen E‑Autos in Deutschland in den kommenden drei Jahen auch kaum zu schaffen. Außer einer Äußerung von Kanzlerin Angela Merkel, in der sie dieses Ziel doch revi­dierte, gab es bisher von der Regierung dazu keine konkreten Aussagen. 

Die Grünen fragten nach und erhielten dazu folgende, wachs­weiche Kabinetts-​Antwort:

Die Bundes­re­gierung hat sich gemeinsam mit der Natio­nalen Plattform Elek­tro­mo­bi­lität, in der Industrie, Gewerk­schaften und Wissen­schaft vertreten sind, ehrgeizige Ziele gesetzt. Deshalb hat die Bundes­re­gierung in 2016 ein Milli­ar­den­pro­gramm zur Förderung der Elek­tro­mo­bi­lität auf den Weg gebracht. Das Tempo der Markt­durch­dringung wird sich erheblich beschleu­nigen. Dieser Trend wird durch die bisherige Entwicklung der Zulas­sungs­zahlen in den Jahren 2009 bis 2016 auch grund­sätzlich bestätigt.
Darüber hinaus ist zu berück­sich­tigen, dass Prognosen über die Markt­durch­dringung von Elek­tro­fahr­zeugen in Deutschland von zahl­reichen Faktoren wie den rasanten tech­no­lo­gi­schen Fort­schritten, insbe­sondere bei der Batte­rie­technik, mit deut­licher Erhöhung der Reich­weite, Senkung der Produk­ti­ons­kosten und dem Ausbau der Ladein­fra­struktur abhängen und daher Aussagen zu der künftigen Entwicklung von Zulas­sungs­zahlen natur­gemäß risi­ko­be­haftet sind. Vor diesem Hinter­grund hält die Bundes­re­gierung an dem Kern­an­liegen des 2020-​Ziels fest und will möglichst viele Elek­tro­autos auf die Straße bringen. Industrie und Bundes­re­gierung müssen ihre Anstren­gungen fort­setzen und gege­be­nen­falls anpassen, um hier erfolg­reich zu sein.

Man halte also an dem Kern­an­liegen dieses Zieles fest, was auch immer das bedeuten mag. Und wie geht es weiter? Die Regierung schreibt:

Die Bundes­re­gierung hat mit Ihrer Unter­stützung der Forschungs­för­derung von derzeit jährlich ca. 220 Mio. Euro, den Anpas­sungen der gesetz­lichen Rahmen­be­din­gungen (Lade­säu­len­ver­ordnung, Elek­tro­mo­bi­li­täts­gesetz) und dem Markt­an­reiz­paket (Umwelt­bonus, Ladein­fra­struktur, steu­er­liche Anreize) die Weichen für den Markt­hochlauf gestellt. Insbe­sondere der Aufbau der Ladein­fra­struktur bleibt wichtig, um die Reich­wei­ten­angst zu nehmen. Im Rahmen des Markt­an­reiz­pakets hat daher die Bundes­re­gierung am 15. Februar 2017 die Förder­richt­linie Ladein­fra­struktur für Elek­tro­fahr­zeuge in Deutschland und am 1. März 2017 den ersten Förder­aufruf veröf­fent­licht. Das Förder­pro­gramm hat ein Förder­vo­lumen von 300 Mio. Euro und eine Laufzeit von vier Jahren (2017 bis 2020). Zu dem fördert die Bundes­re­gierung die Batte­rie­er­for­schung intensiv, damit rasch noch leis­tungs­fä­higere Batterien zur Verfügung stehen.

Aller­dings: Ein Markt­hochlauf ist bisher durch all diese Maßnahmen nicht zustande gekommen. Auch das Bonus­pro­gramm versiegte. Und: Verglichen mit den gut 8 Millarden Euro Steu­er­min­derung auf den Diesel, die ja einer Subvention gleich kommen, nehmen sich die rund 1,2 Milli­arden Euro für die direkte staat­liche E‑Mobilitäts-​Förderung geradezu bescheiden aus. Zudem bringt es kaum was. Gerade mal 21.000 Anträge wurden beim KBA bis Mai diesen Jahres gestellt. Doch das wird schöngeredet:

Die Bundes­re­gierung sieht im Rahmen einer Gesamt­be­trachtung eines Maßnah­men­bündels zur Unter­stützung des Markt­hoch­laufs die Kauf­prämie als ein wirksames Instrument an und geht davon aus, dass sich bei weiterer Verbes­serung auf der Ange­bots­seite und der wirt­schaft­lichen sowie recht­lichen Rahmen­be­din­gungen der Abfluss der bereit­ge­stellten Mittel in naher Zukunft erheblich beschleu­nigen wird.

Das beste aber ist die Rolle der Nationale Entwick­lungsplan Elektromobilität:

Der Nationale Entwick­lungsplan Elek­tro­mo­bi­lität enthält keine Ziel­setzung für die jährliche Entwicklung von Zulas­sungs­zahlen für E‑Mobile.

Warum dann überhaupt ein Plan?

Die Grünen hingegen sehen das Heil in China und zitieren Regie­rungs­mit­glied und Umwelt­min­siterin Barbara Hendricks, die von 400.000 E‑Autos sprach, die VW ab diesem Jahr im Reich der Mitte ausliefern will. Auch die Bundes­re­gierung scheint da nicht abgeneigt:

Die sehr dyna­mi­schen Entwick­lungen im Bereich Elek­tro­mo­bi­lität in China aber auch in den Verei­nigten Staaten, Japan und Europa unter­streichen die industrie- und umwelt­po­li­tische Bedeutung dieser inno­va­tiven Fahrzeug- und Verkehrs­tech­no­logien. Der zuneh­mende inter­na­tionale und nationale Wett­bewerb in diesem Bereich ist zu begrüßen. Er wird auch in Deutschland ein entschei­dender Impuls­geber für die Entwicklung der Elek­tro­mo­bi­lität sein und wesentlich zur Errei­chung des ehrgei­zigen 2020-​Ziels beitragen. Entscheidend ist dabei weniger die zeitliche „Punkt­landung“, sondern eine hohe Dynamik bei den indus­tri­ellen Umstel­lungs­pro­zessen und der Mark­durch­dringung mit Elektromobilen.

Wie es aussieht, wird das so nichts mit einer deut­lichen Unter­stützung der E‑Mobilität durch die Politik – so wie in China. Und 2020 wird sich die Zahl der E‑Fahrzeuge so viel­leicht verdoppelt oder maximal verdrei­facht haben. Dann fehlen immer noch 900.000 Fahrzeuge vom ursprüng­lichen Ziel, das so still und heimlich beerdigt und als wenig entschei­dende Punkt­landung geschmäht wurde.


Hier beschäftigt sich Energieblogger-​Kollegin Katja Reisswig auf ihrem Blog Tech­ne­wable mit Kozepten, die Lust auf E‑Mobilität machen.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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