Abwärmenutzung wie hier in einem Produkionsbetrieb ist eine Möglichkeit,die Energieeffizienz in Unternehmen zu erhöhen. Foto: Stiebel Eltron

Ener­gie­wende – leistbar für Unter­nehmen oder problematisch?

von | 18. Juni 2018

Bis zum Jahr 2022 müssen die verblei­benden Atom­kraft­werke in Deutschland vom Netz genommen werden, so die Verein­ba­rungen der Bundesregierung.

Gleich­zeitig müssen die deutschen Kohle­kraft­werke nach und nach abge­schaltete werden. Denn die Kraft­werke sind alt und arbeiten inef­fi­zient. Zumal sich Kohle­strom nicht mit dem Anspruch auf saubere Energie verein­baren lässt.

Dazu kommt noch ein drittes Problem: Die Kraft­werke sind schwer­fällig. Die erneu­er­baren Energien sind instabil und von der Wetterlage abhängig, so dass Engpässe voraus­sehbar sind. Diese müssen schnell und flexibel ausge­glichen werden – das können die deutschen Kohle­kraft­werke nicht leisten.

Ausbau von staat­licher Seite

Der Umbau des deutschen Strom­mixes ist von staat­licher Seite schon ganz gut ange­laufen. Die erneu­er­baren Energien werden weiter ausgebaut, so dass die Atom­kraft­werke wirklich nach und nach ersetzbar werden. Das alleine reicht aber nicht aus. Um die Ener­gie­wende Wirk­lichkeit werden zu lassen, muss auch Energie einge­spart werden. Das betrifft Privat­haus­halte genauso wie Unter­nehmen. Um Einspa­rungen attraktiv zu machen oder auch einzu­fordern, ist wiederum der Gesetz­geber gefragt. Von staat­licher Seite her gilt es:

  • gesetz­liche Rahmen­be­din­gungen für ener­gie­ef­fi­ziente Miet­woh­nungen zu schaffen, so dass hohe Ener­gie­kosten eben nicht allein Sache der Mieter sind,
  • Standards für Geräte in Sachen Ener­gie­ef­fi­zienz zu schaffen, so dass ab einem bestimmten Zeitpunkt inef­fi­ziente Geräte vom Markt genommen werden müssen oder schlicht verdrängt werden (Beispiel Glühbirne),
  • im öffent­lichen Raum sowie in Behörden und anderen staat­lichen Einrich­tungen für ener­gie­ef­fi­ziente und sparsame Geräte sorgen,
  • Abwrack­prämien für inef­fi­ziente Haus­halts­geräte und viel­leicht sogar indus­trielle Anlagen zu schaffen und
  • kostenlose Ener­gie­be­ra­tungen für Unter­nehmen wie auch Privat­haus­halte durchzuführen.

100%ige Versorgung mit erneu­er­baren Energien umsetzbar

Was vor wenigen Jahren noch als Utopie galt, wird nun langsam umgesetzt. Aller­dings kann Deutschland die Ener­gie­wende nicht alleine und nur von staat­licher Seite aus schaffen. Gefragt sind Handels­ab­kommen auf dem Kontinent, so dass Engpässe und Schwan­kungen konti­nental und nicht nur regional ausge­glichen werden können.

Außerdem braucht der Staat die Industrie als Partner. Denn hier besteht wirklich Spar­po­tential – und Inno­va­ti­ons­kraft. Zahl­reiche Start-​Ups und Inge­nieure haben bereits gezeigt, dass in Sachen Ener­gie­sparen und Poten­tiale Nutzen noch viel geht. Neuartige Spei­cher­tech­niken wie Wind-​to-​Gas oder ähnliche Anlagen können helfen, den Strom aus Über­pro­duk­tionen zu speichern und die Speicher bei Engpässen zu leeren. So werden Netz­über­las­tungen vermieden und gleich­zeitig dunkle, wind­stille Tage abgefangen.

Für Unter­nehmen kosten­in­tensiv? Arbeitsintensiv!

Der Umbau auf ener­gie­sparsame Anlagen ist in der Industrie kosten­in­tensiv, die Ener­gie­wende wird da eher negativ gesehen. Dabei ist Ener­gie­ma­nagement inzwi­schen wirklich ein dring­liches Thema und wird auch teilweise schon umgesetzt. Als alle erstes kann ein Unter­nehmen auf Strom aus Atom‑, Kohle- oder Ölkraft­werken verzichten, wie es Versand­händler gaerner gemacht hat.

Wichtige weiter Punkte sind:

  • Abwärme als Ener­gie­quelle nutzen mit anderen Firmen vor Ort zusam­men­ar­beiten (beispiels­weise Wärme­netze aufbauen)
  • über eigene Anlagen Strom produ­zieren und gege­be­nen­falls ins Netz einspeisen (beispiels­weise über Solar­an­lagen auf dem Dach der Firmengebäude)
  • gemeinsam mit anderen Firmen für gute öffent­liche Verkehrs­an­bin­dungen sorgen
  • Ressour­cen­ver­brauch über firmen­über­grei­fende Planung und Nutzung reduzieren

Außerdem gibt es für deutschen Mittel­stand einen Leitfaden für Ener­gie­wende und Klima­schutz. Zahl­reiche weitere Tipps für den Alltag (von sparsamem Drucken über das Ausschalten der Gelän­de­be­leuchtung bei Nacht bis hin zu firmen­in­ternen Fahr­ge­mein­schaften und mehr) finden sich auch an anderer Stelle im Internet.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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