Alle Grundstücke in diesem Baugebiet wurden für Geothermie vorbereitet. Foto: Urbansky

Geothermie als Standard in neuen Baugebieten

von | 28. Juni 2018

Die Über­land­zen­trale Lülsfeld, entwi­ckelte ein effi­zi­entes Konzept zur Erschließung von Neubau­ge­bieten mittels Geothermie.

Der Grund­ge­danke dabei ist, dass erneu­erbare Energien der Region für die Region genutzt werden. So entwi­ckelte der frän­kische Ener­gie­dienst­leister ein Paket für Bauherren, bei dem die Grund­stücke bereits beim Kauf mit einer eigenen Wärme­quel­len­anlage ausge­stattet sind. Anschließend besteht die Möglichkeit direkt durch die Über­land­zen­trale Lülsfeld, die Innen­an­bindung fortzuführen.

Durch diese Projekte unter­stützt die Über­land­zen­trale Lülsfeld die Ener­gie­wende der Region. Die Sole-​Wasser-​Wärmepumpen entsprechen den BAFA Richt­linien zur Inno­va­ti­ons­för­derung, weswegen die Projekte mit mindestens 4500 Euro bezu­schusst werden.

Solche Erdsonden wurden auf jedem Grund­stück einge­bracht. Foto: Urbansky

Das Konzept sieht vor, mittels Kaltwärme-​Versorgung, also einer Sole-​Wärmepumpe, jedem Grund­stück eine indi­vi­duelle Wärme­quelle bereit­zu­stellen. Dafür nutzt der Ener­gie­dienst­leister die ober­flä­chennahe Geothermie. Hierfür werden Erdsonden bis zu einer maximalen Bohrtiefe von 100 m im Erdreich angebracht.

Ange­schlossene Sole-​Wasser-​Wärmepumpen sorgen dafür, dass die im Boden gespei­cherte ther­mische Energie nutzbar wird. Für den Betrieb werden maximal 25 % Strom benötigt um, gemeinsam mit der, im Boden gespei­cherten ther­mi­schen Energie, 100 % Wärme zu erzeugen.

Somit stellt die Umwelt mindestens 75% der Heizwärme kostenfrei zur Verfügung. Daher wartet der gesamte Betrieb mit äußerst geringen Betriebs­kosten auf. Der Arbeits­preis für Nutzwärme liegt bei unter 5 Eurocent je kWh. Dabei stellt die Über­land­zen­trale Lülsfeld vergleichs­weise günstige Sonder­tarife für den Betrieb von Wärme­pumpen zur Verfügung.

Zudem ermög­licht das Sole-​Wasser-​Wärmepumpensystem nicht nur die Bereit­stellung von Wärme in kälteren Zeiten, sondern dient auch zu Kühlung der Haushalte beispiels­weise im Sommer.

Zwei inter­es­sante und funk­tio­nie­rende Pilot­pro­jekte des Konzepts stellen die Neubau­ge­biete „Strüdlein Ost“ in Schwebheim und „Am Nützelbach“ in Gerolz­hofen, dar.

Neubau­gebiet „Strüdlein Ost“ in Schwebheim

Das Neubau­gebiet Neubau­gebiet „Strüdlein Ost“ in Schwebheim, ist voll­ständig fertig­ge­stellt. Es umfasst 13 Grund­stücke. Davon wurden alle mit Kaltwärme erschlossen. Dabei wurden für eine Wohn­einheit je zwei Doppel-​U-​Sonden, mit einer Länge von 85 m, ange­bracht. Die Innen­an­bindung erfolgt durch Fußbodenheizung

Tech­nische Angaben

  • Beheizte Nutz­fläche 180 m2
  • Hersteller Buderus
  • Jahres­ar­beitszahl 3,83
  • Heizlast 10,4 kW

Neubau­gebiet „Am Nützelbach“ in Gerolzhofen

Im Neubau­gebiet „Am Nützelbach“ in Gerolz­hofen wurden 30 Grund­stücke mittels Geothermie erschlossen. Dabei wurden für eine Wohn­einheit je zwei Doppel-​U-​Sonden, mit einer Länge von 85 m, ange­bracht. Die Wärme­pumpen sind mit der Inverter-​Technik ausge­stattet, sie verfügt also über einen dreh­zahl­ge­re­gelten Verdichter. Zudem hat der frän­kische Ener­gie­dienst­leister alle Wohn­ein­heiten mit einer Photovoltaik-​Anlage ausstatten lassen. Wird durch die PV-​Anlage eine bestimmte Leistung an Strom erzeugt, beginnt die Wärme­pumpe dank der Smart-​Grid-​Ready-​Funktion zu arbeiten. Somit funk­tio­niert das Kaltwärme-​System deutlich autarker und es wird weniger Netzstrom benötigt, was insgesamt eine Kosten­senkung zur Folge hat. Die Innen­an­bindung erfolgt mittels einer Heiz- und Kühldecke.

Tech­nische Angaben

  • Beheizte Nutz­fläche 175 m²
  • Hersteller NIBE
  • Jahres­ar­beitszahl 5,09
  • Heizlast 1,5−6 kW

Mit den Zielen der Ener­gie­wende beschäf­tigt sich Energieblogger-​Kollege Björn Katz hier auf sei­nem Blog Strom­aus­kunft.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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