VNG: Gewinn ver­dop­pelt dank Verkauf der För­der­sparte

Bioerdgasanlage in Oschatz, die zu Teilen Biogas ins Gasnetz einspeist. Fotos: Juergen Jeibmann.
Bioerdgasanlage der VNG in Oschatz, die zu Teilen Biogas ins Gasnetz einspeist - eines der neuen Geschäftsfelder der Leipziger. Fotos: Juergen Jeibmann.

Der in Leipzig ansäs­sige Erd­gas­kon­zern VNG konnte 2018 seinen Gewinn auf 142 Mio Euro ver­dop­peln. Gleich­zei­tig stieg der Umsatz um gut 20 % auf 11,2 Mrd. Euro. Vor­stands­vor­sit­zen­der Ulf Heit­mül­ler ver­kün­dete zudem, kon­se­quent an der Stra­te­gie 2030 fest­hal­ten zu wollen (mehr dazu hier).

Diese sieht ein schritt­wei­ses Ablösen des fos­si­len Ener­gie­trä­gers Erdgas vor, beim gleich­zei­ti­gen Aufbau neuer Geschäfts­fel­der. Im Herbst letzten Jahres wurde dieser Stra­te­gie die eigene und recht erfolg­rei­che Exploration&Production-Tochter VNG Norge geop­fert und an Neptune Energy Norge ver­kauft.

Die Kauf­summe soll zwar geheim bleiben. Da die VNG aber im ver­gan­ge­nen Jahr 274 Mio Euro inves­tierte, die VNG Norge bis zum letzten Herbst noch gut 58 Mio Euro zum Erlös beitrug und nach Worten von Finanz­vor­stand Bodo Rode­stock immer noch etwas übrig­blieb, darf man anneh­men, dass der (übri­gens steu­er­frei) Ver­kaufs­er­lös zwi­schen 400 und 500 Mio Euro lag. Auch auf­grund dessen wird das Unter­neh­men dem Auf­sichts­rat vor­schla­gen, eine Divi­dende von 40 Mio Euro aus­zu­schüt­ten. Haupt­pro­fi­teur: Kon­zern­mut­ter EnBW mit über 74 % den Mam­mut­an­teil der Aktien hält.

Die Mutter fährt unter Vor­stands­chef Frank Mas­tieux einen ganz ähn­li­chen Kurs hin zu erneu­er­ba­ren Ener­gien. Des­we­gen dürfte es den Leip­zi­gern mit Segel­fan Heit­mül­ler an der Spitze leicht fallen, in ähn­li­chen Gewäs­sern zu schwim­men.

Zwei Geschäfts­fel­der stechen dabei beson­ders hervor: Zum einen die Bio­gas­an­la­gen, gebün­delt in der VNG‐Tochter Balance, die schon einen kleinen ein­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag zum Gewinn beitrug. sowie bei der Ontral als nach wie vor pro­fi­ta­belste Kon­zern­toch­ter, die das Gas von 22 Bio­gas­an­la­gen und damit die 17 % des deutsch­land­weit erzeug­ten Bio­ga­ses ein­speist. Zum anderen sind es die Digi­ta­li­sie­rungs­ser­vices. Dazu gehören Daten­trans­port über Glas­fa­ser­netze, die gleich mit den Erd­gas­lei­tun­gen verlegt würden, und Dienst­leis­tun­gen für kri­ti­sche Infra­struk­tu­ren – ein Bereich, in dem die VNG ohne Zweifel als Ener­gie­ver­sor­ger viel Erfah­rung auf­weist.

Auch die Inves­ti­tio­nen in 5 Star­tups waren recht erfolg­reich. Zwei davon, Cloud&Heat und Rhebo, würden schon schwarze Zahlen schrei­ben, so Rode­stock. Bei Qur­tiers­lö­sun­gen, für die die Leip­zi­ger ein gemein­sa­mes Unter­neh­men — Viertel Energie — mit dem Planungs‐ und Con­trac­ting­spe­zia­lis­ten Tilia unter­hal­ten, ist bereits ein Projekt mit 2 Mio Euro spruch­reif.
Die VNG sieht sich gut auf­ge­stellt, weiß aber, dass der Weg nicht leicht ist. Rode­stock bezif­fert die Inves­ti­tio­nen allein für die kom­men­den 10 Jahre auf 2 Mrd. Euro. Und die müssen erwirt­schaf­tet werden. Klar ist, dass für dieses Jahr der Gewinn nicht ganz so hoch aus­fal­len dürfte. Denn ein erneu­ter Ver­kaufs­er­lös wird die Zahlen nicht puschen.