Bioerdgasanlage der VNG in Oschatz, die zu Teilen Biogas ins Gasnetz einspeist - eines der neuen Geschäftsfelder der Leipziger. Fotos: Juergen Jeibmann.

VNG: Gewinn verdoppelt dank Verkauf der Fördersparte

von | 15. April 2019

Der in Leipzig ansässige Erdgas­konzern VNG konnte 2018 seinen Gewinn auf 142 Mio Euro verdoppeln. Gleich­zeitig stieg der Umsatz um gut 20 % auf 11,2 Mrd. Euro. Vorstands­vor­sit­zender Ulf Heit­müller verkündete zudem, konse­quent an der Strategie 2030 fest­halten zu wollen (mehr dazu hier).

Diese sieht ein schritt­weises Ablösen des fossilen Ener­gie­trägers Erdgas vor, beim gleich­zei­tigen Aufbau neuer Geschäfts­felder. Im Herbst letzten Jahres wurde dieser Strategie die eigene und recht erfolg­reiche Exploration&Production-Tochter VNG Norge geopfert und an Neptune Energy Norge verkauft.

Die Kaufsumme soll zwar geheim bleiben. Da die VNG aber im vergan­genen Jahr 274 Mio Euro inves­tierte, die VNG Norge bis zum letzten Herbst noch gut 58 Mio Euro zum Erlös beitrug und nach Worten von Finanz­vor­stand Bodo Rodestock immer noch etwas übrig­blieb, darf man annehmen, dass der (übrigens steu­erfrei) Verkaufs­erlös zwischen 400 und 500 Mio Euro lag. Auch aufgrund dessen wird das Unter­nehmen dem Aufsichtsrat vorschlagen, eine Dividende von 40 Mio Euro auszu­schütten. Haupt­pro­fiteur: Konzern­mutter EnBW mit über 74 % den Mammut­anteil der Aktien hält.

Die Mutter fährt unter Vorstandschef Frank Mastieux einen ganz ähnlichen Kurs hin zu erneu­er­baren Energien. Deswegen dürfte es den Leip­zigern mit Segelfan Heit­müller an der Spitze leicht fallen, in ähnlichen Gewässern zu schwimmen.

Zwei Geschäfts­felder stechen dabei besonders hervor: Zum einen die Biogas­an­lagen, gebündelt in der VNG-​Tochter Balance, die schon einen kleinen einstel­ligen Millio­nen­betrag zum Gewinn beitrug. sowie bei der Ontral als nach wie vor profi­ta­belste Konzern­tochter, die das Gas von 22 Biogas­an­lagen und damit die 17 % des deutsch­landweit erzeugten Biogases einspeist. Zum anderen sind es die Digi­ta­li­sie­rungs­ser­vices. Dazu gehören Daten­transport über Glas­fa­ser­netze, die gleich mit den Erdgas­lei­tungen verlegt würden, und Dienst­leis­tungen für kritische Infra­struk­turen – ein Bereich, in dem die VNG ohne Zweifel als Ener­gie­ver­sorger viel Erfahrung aufweist.

Auch die Inves­ti­tionen in 5 Startups waren recht erfolg­reich. Zwei davon, Cloud&Heat und Rhebo, würden schon schwarze Zahlen schreiben, so Rodestock. Bei Qurtiers­lö­sungen, für die die Leipziger ein gemein­sames Unter­nehmen – Viertel Energie – mit dem Planungs- und Contrac­ting­spe­zia­listen Tilia unter­halten, ist bereits ein Projekt mit 2 Mio Euro spruchreif.
Die VNG sieht sich gut aufge­stellt, weiß aber, dass der Weg nicht leicht ist. Rodestock beziffert die Inves­ti­tionen allein für die kommenden 10 Jahre auf 2 Mrd. Euro. Und die müssen erwirt­schaftet werden. Klar ist, dass für dieses Jahr der Gewinn nicht ganz so hoch ausfallen dürfte. Denn ein erneuter Verkaufs­erlös wird die Zahlen nicht puschen.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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