Ravens­burger Museum: Passivhaus-​Standard trotz Ziegel und kleiner Fenster

von | 27. September 2016

Das Kunst­museum Ravensburg ist der weltweit erste zerti­fi­zierte Muse­umsbau in Passivhaus-​Bauweise. Das Museum wurde 2013 eröffnet und mit dem Deutschen Archi­tek­tur­preis ausgezeichnet. 

Die Versorgung des Objektes mit Luft, Wärme und Kälte erfolgt nach Bedarf und ist darauf ausgelegt, dass möglichst wenig Primär­energie benötigt wird. Die Gesamt­anlage wird über eine Gebäude-​Leit-​Technik gesteuert und überwacht. Durch den Ener­gie­ver­sorger wird diese Anlage über eine Leit­zen­trale bedient und überwacht.
Eine Lüftungs­anlage mit Wärme- und Feuch­te­rück­ge­winnung erzeugt günstige Bedin­gungen für die empfind­lichen Kunst­ob­jekte sowie ein ange­nehmes Klima für die Besucher des Museums.

Die Ziegelfassade des preisgekrönten Museums beherbergt eine 24 cm starke Mineralwolldämung, die auch im Dach ausgeführt wurde (Foto oben). Fotos: Urbansky Dämmung, Passivhaus, Gas-Absorptionspumpe

Die Ziegel­fassade des preis­ge­krönten Museums beher­bergt eine 24 cm starke Mine­ral­woll­dämung, die auch im Dach ausge­führt wurde (Foto oben). Fotos: Urbansky

Lüftung gut versteckt

Die Lüftung erfolgt gut versteckt in den Fußbo­den­leisten und in Lampen­ab­de­ckungen. Für die REst-​Wärmeerzeugung sorgt eine Gas-​Absorptions-​Wärmepumpe, eine unge­wöhn­liche Wahl, weil eine selten genutzte Tech­no­logie. Als Wärme­quelle dienen Erdsonden. Die Wärme­pumpe arbeitet im Sommer durch Umschaltung als Kälte­er­zeuger. Die Wärme- und Kälte­ver­teilung versorgt die Klima­anlage einschließlich der nach­ge­schal­teten Zonen, sowie die Betonkerntemperierung.
Die größte Heraus­for­derung war für die Passivhaus-​Planung die geringe Zahl an Fenstern, da diese, ebenso wie die Fassade, der mittel­al­ter­lichen Umgebung angepasst werden musste. Zudem vertragen die Gemälde kein natür­liches Licht und können mit künst­lichem Licht besser in Szene gesetzt werden. Die ener­ge­tisch nutzbare Sonnen­ein­strahlung bleibt dadurch jedoch gering. Als „interne Wärme­quellen“ wirken ausglei­chend wiederum die Besucher des Museums.

24 cm Mineralwoll-Dämmung

Die Ziegel­fassade war für ein Passivhaus eine besondere Heraus­for­derung, da hier norma­ler­weise durch die archi­tek­to­nische Gestaltung Wärme­brücken entstanden wären. Als Lösung wurden zwischen Beton­hülle und Außenwand eine 24 cm dicke Kern­dämmung aus Mineralwolle einge­setzt, die mit Ankern und Edel­stahl­kon­solen arretiert wurden.


Mit dem Zusam­menhang von Dämmung und Heizung befasst sich Energieblogger-​Kollege Kilian Rüfer hier auf seinem Blog Sustainment.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

0 Kommentare

EnWiPo
EnWiPo
Synthe­ti­scher Kraft­stoff aus dem Offshore-Windpark

Synthe­ti­scher Kraft­stoff aus dem Offshore-Windpark

Eine erste schwimmende Produktionsplattform für Power-to-X-Kraftstoffe geht in den Probebetrieb. Forschende wollen so die Offshore-Herstellung von E-Fuels aus Wind, Wasser und Luft vor Helgoland testen. Netzunabhängig, modular und hochseetauglich – mit diesen...

Vom Facility Manager zum Building Perfor­mance Manager

Vom Facility Manager zum Building Perfor­mance Manager

Digitale Technologien wie BIM, KI und digitale Zwillinge verschieben den Fokus im Gebäudebetrieb hin zur messbaren Performance. Wie sich dadurch die Rolle von Facility Managern verändert, erklärt Walter von Koskull, Leiter Operational Systems bei Caverion Deutschland....

2026 wird Jahr mit vielen ener­gie­po­li­ti­schen Konflikten

2026 wird Jahr mit vielen ener­gie­po­li­ti­schen Konflikten

2026 wird keine neuen energiepolitischen Zielversprechen bringen, dafür jedoch eine spürbare Neujustierung der Instrumente. In nahezu allen zentralen Politikfeldern verschiebt sich der Fokus: weg von pauschalen Fördermechanismen und detailverliebter Regulierung, hin...

Mit Biochar CO2 in Beton binden

Mit Biochar CO2 in Beton binden

Neue Projekte aus Industrie- und Stadtbaukontext zeigen, wie CO2 mit Biochar-Zuschlägen dauerhaft in Beton gebunden werden kann. Zwei Beispiele markieren einen möglichen Entwicklungspfad, der technische, ökologische und normative Fragen neu ordnet. Die Bauindustrie...