Lastgang von Produktion und Verbrauch sowie bei Einbindung eines Batteriespeichers. Bild: Vaillant

Effi­ziente Anla­gen­kom­bi­nation: Die Wahl der richtigen Wärmeversorgung

von | 13. März 2017

Wenn ein TGA-​Planer oder SHK-​Istallateur Ideen zur Haus­technik entwi­ckelt, kann er seitens der Medien auf das zurück­greifen, was auf dem Gelände schon anliegt. Das wird in jedem Fall Strom und Wasser sein. Hat er dann noch die freie Wahl, wie das Haus mit Wärme zu versorgen ist, hat er auch die Qual der Wahl. 

Er kann herkömm­liche, meist fossile Lösungen wie Öl oder Gas wählen. Oder dafür sorgen, dass das Gebäude noch weniger Energie verbraucht, als gesetzlich vorge­geben, etwa mit dem Passiv­h­aus­standard. Oder er kann sich den Erneu­er­baren Energien zuwenden.

In Einfa­mi­li­en­häusern sind Wärme­pumpe, Solar­thermie und Co. weit­gehend erprobt und zuver­lässig im Einsatz. Kompli­zierter wird es jedoch bei größeren Gebäuden. „In den weitaus meisten Fällen ist die Wärme­er­zeugung direkt vor Ort in den Gebäuden und Wohnungen die deutlich effi­zi­entere und wirt­schaft­li­chere Lösung als leitungs­ge­bundene Energien“, erklärt Frank Voßloh, Geschäfts­führer von Viessmann Deutschland. Generell gilt: Es sollten die Ener­gie­formen mitein­ander kombi­niert werden, die sich auch zusammen speichern lassen. Strom­lö­sungen, etwa Wärme­pumpen und PV-​Anlagen, haben mehr Vorteile als rein ther­mische Lösungen wie Solar­thermie mit Brenn­wert­technik, weil diese immer einer geson­derten Infra­struktur inkl. Hydraulik bedürfen. …

Neubau oder Bestand?

Wesentlich für die Planung ist die Frage, ob die Anlage in einem Neubau oder einem Bestandsbau instal­liert werden soll. Und: Wie wird das Gebäude genutzt? Ein Wohnhaus braucht andere Heizungs­in­ter­valle als eine Gewer­be­im­mo­bilie. Generell kann man jedoch sagen, dass sich Neubauten besser mit Erneu­er­baren Ener­gien und damit autark versorgen lassen, als Bestands­bauten. Zudem lassen sich Häuser, die tagsüber mehr Ener­gie­bedarf haben als nachts – also Büro­ge­bäude oder solche der öffent­lichen Verwaltung, besser mit Solar­thermie und Photo­voltaik versorgen. Denn sie haben ihre Hauptlas­ten dann, wenn die Sonne scheint und so die erzeugte elek­trische Energie oder Wärme direkt ohne Speicher genutzt werden kann.

Klar ist aber auch, dass eine alleinige Wärme­ver­sorgung mit Sonnen­en­ergie niemals ausrei­chend ist. Deswegen braucht es noch eine weitere Kompo­nente – entweder eine klas­sische fossile Heizung, eine auf Biomasse basie­rende oder ein Anschluss an ein Wärmenetz. Hat man je nach Gebäu­detyp gewählt, sollte immer das mitein­ander kombi­niert werden, was sich auch zusammen speichern lässt. Reine Wärme­er­zeuger sollten via Warm­was­ser­speicher verbunden werden. …

Solar­thermie und Brennwert oder KWK

Sehr gut einbinden lässt sich eine Solar­ther­mie­anlage in einen Puffer­speicher, der haupt­sächlich von einem Brenn­wert­kessel betrieben wird. Bei größeren Objekten kommt auch eine Kraft-​Wärme-​Kopplungs-​Anlage infrage, die auch einen Teil des Strom­be­darfs des Gebäudes abdecken kann. Die solar­ther­mische Anlage kann zum einen für die Warm­was­ser­be­reitung des Gebäudes genutzt werden. Ist der Verbrauch sehr hoch, etwa in gewerb­lichen Immo­bilien mit Duschen für die Arbeiter oder bei Sport­stätten, sollte sie entspre­chend groß ausgelegt werden. Der solare Deckungsgrad von 50 % sollte hier problemlos erreicht werden können. Für diesen Deckungsgrad reichen 1 bis 1,3 m² Kollek­tor­fläche und 60 bis 80 l Puffer­speicher je Person aus. …


Gekürzt. Geschrieben für IKZ. Zum Abo geht es hier. Erschienen in 05/​2017. Der kom­plette Beitrag ist auch hier online zu lesen.

Einen Überblick über die Markt­ent­wicklung bei Solar­thermie, die gern mit Pellet­an­lagen kom­bi­niert wird, gibt Energieblogger-​Kollege Björn Katz hier auf sei­nem Blog Strom­aus­kunft.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

2 Kommentare

  1. Christoph

    Grund­sätzlich stimme ich der Meinung zu, dass bei größeren Bauten moderne Ener­gie­kon­zepte bzw. System­lö­sungen besser umgesetzt werden können.
    Als TGA-​Planer weis ich jedoch, dass die Entscheidung über die Ener­gie­quelle meist nich beim Planer liegt sondern vom Betreiber vorge­geben wir.
    Dadurch ist es leider oftmals sehr schwer, bei größeren Bauten passende Systeme umzu­setzten, weil der Bereiber nicht immer die ökolo­gi­schen Aspekte in den Vorder­grund stellt. Meistens prägen die wirt­schaft­lichen Vorteile die Planung. Ener­gie­ef­fi­ziente System sind meist mit hohem Wartungs­aufwand verbunden und dadurch entstehen höhere Kosten für den Betreiber.

    • Frank Urbansky

      Da hast du wohl recht. Leider ist es so. Ich kenne auch Anlagen, da halten sich die Wartungs­kosten in Grenzen und sind durchaus mit denen einer normalen, fossilen Ener­gie­ver­sorgung zu vergleichen. Aber dazu muss man auch die richtigen Techniker haben. Udn die sind rar gesät…

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