LNG bei Schif­fen bislang kaum genutzt

Vorschaubild: Die MS Ostfriesland der AG Ems, das erste LNG-Schiff unter deutscher Flagge,hat am 17.6.2015 in Borkum im Rahmen der Gästefahrt angelegt. Foto: Dr. Karl-Heinz Hochhaus / Wikimedia / unter Lizenz CC BY 3.0
Vorschaubild: Die MS Ostfriesland der AG Ems, das erste LNG-Schiff unter deutscher Flagge,hat am 17.6.2015 in Borkum im Rahmen der Gästefahrt angelegt. Foto: Dr. Karl-Heinz Hochhaus / Wikimedia / unter Lizenz CC BY 3.0

LNG, also bei großer Kälte ver­flüs­sig­tes und trans­por­tier­tes Erdgas, spielt bisher bei Schiffs­an­trie­ben in Deutsch­land noch keine große Rolle. Das sagte Ralf Nagel, Geschäfts­füh­ren­des Prä­si­di­ums­mit­glied des Ver­ban­des Deut­scher Reeder (VDR), der Deut­schen Presse‐Agentur.

Grund sei die feh­lende Wirt­schaft­lich­keit. Die Inves­ti­tio­nen für eine Umrüs­tung lägen pro Schiff 30 % über denen eines her­kömm­li­chen Schiffs­an­trie­bes, was zwei­stel­lige Mil­lio­nen­be­träge bedeute. Bisher fahre in Deutsch­land kein Schiff mit LNG, das ohne öffent­li­che För­de­rung aus­ge­kom­men sei.

Dabei müssen sich die Reeder dennoch über­le­gen, wie sie in Zukunft die stren­ge­ren Anfor­de­run­gen in Nord‐ und Ostsee erfül­len. Das mas­sen­hafte Ver­bren­nen von Schweröl – bisher Haupt­treib­stoff der See­fahrt – wird zumin­dest in Hafen­nähe bald ein Ende haben.

Bereits seit 2005 bestehen für die Ost‐ und seit 2006 für die Nordsee Kon­trol­len für Schiffs­emis­sio­nen (Emis­sion Control Areas = ECAs). Diese sollen die Schwef­elemis­sio­nen am Schorn­stein zu redu­zie­ren. In diesen meist hafen­na­hen Gebie­ten gilt für Schiffs­kraft­stoffe eine Schwe­fel­be­gren­zung von 1,0 Prozent (seit 2010), die auf 0,1 Prozent ab 2015 sinken wird. Das ist mit Schweröl nicht mehr zu errei­chen. Als Optio­nen stehen grund­sätz­lich fol­gende vier Lösun­gen zur Wahl:

  • Einbau einer Abgas­rei­ni­gungs­an­lage, so genann­ter Scrub­ber, für Schiffe. Die Inves­ti­ti­ons­kos­ten können bei bis zu 10 Mio. Euro je Schiff liegen.
  • Die bereits erwähnte Nutzung von ver­flüs­sig­tem Erdgas (LNG) als Kraft­stoff. Aller­dings steht hierfür noch keine flä­chen­de­ckende Infra­struk­tur zur Ver­fü­gung. Bis 2025 soll es jedoch in allen 139 euro­päi­schen See­hä­fen LNG‐Tankstellen geben.
  • Marine Gasoil (MGO) oder Marine Diesel Oil (MDO), ein aus Mit­tel­de­stil­lat her­ge­stell­ter, die­sel­ar­ti­ger Kraft­stoff,
  • Bezah­len der Strafen.
Die in Hamburg liegende LNG-Powerbarge von Becker Marine versorgt die AidaSol mit Strom. Foto: Dr. Karl-Heinz Hochhaus / Wikimedia / unter Lizenz CC BY 3.0
Die in Hamburg lie­gende LNG‐Powerbarge von Becker Marine ver­sorgt die AidaSol mit Strom. Foto: Dr. Karl‐Heinz Hoch­haus / Wiki­me­dia / unter Lizenz CC BY 3.0

LNG bietet sich deshalb an, da es in Häfen mit LNG‐Terminals ange­lan­det werden kann und ein an sich schon hoch ver­dich­te­ter Treib­stoff ist. In Deutsch­land ist dies eine Tech­no­lo­gie, die noch in den Kin­der­schu­hen steckt. Die MS Ost­fries­land fährt als erstes LNG‐Schiff seit Juni unter deut­scher Flagge. Zudem hat nur die Meyer Werft einige Auf­träge für große Kreuz­fahrt­schiffe, die nur mit LNG fahren, von den Ree­de­reien Aida und Costa Cro­ciere. Und: Im Ham­bur­ger Hafen werden die Aida‐Kreuzfahrtschiffe mittels LNG‐Barge mit Strom ver­sorgt, aber eben nicht auf hoher See.

Ein Blick zu unseren Nach­barn in den Nie­der­lan­den zeigt, wie es gehen könnte. Denn die nehmen im euro­päi­schen LNG‐Markt mit dem welt­größ­ten Hafen in Rot­ter­dam eine Schlüs­sel­stel­lung ein. Für Schiffe gibt es hier ein eigenes LNG‐Bunkersystem.

Der dortige „Green Deal“, ein Bündnis zwi­schen Regie­rung, Nicht‐Regierungs‐Organisationen, wis­sen­schaft­li­chen Ein­rich­tun­gen und Unter­neh­men setzt eben auch auf LNG. Noch in diesem Jahr sollen hier 50 Binnen‐ und 50 See­schiffe auf LNG‐Antrieb umge­rüs­tet werden. Sicher ist auch hier staat­li­che Unter­stüt­zung von­nö­ten. Aber die hat eher den Cha­rak­ter einer Geburts­hilfe. Sicher nicht zu wenig, wenn es darum geht, mit dem Schweröl einen der umwelt­schäd­lichs­ten Treib­stoffe zu ver­ban­nen.

Vor­schau­bild: Die MS Ost­fries­land der AG Ems, das erste LNG‐Schiff unter deut­scher Flagge,hat am 17.6.2015 in Borkum im Rahmen der Gäs­te­fahrt ange­legt. Foto: Dr. Karl‐Heinz Hoch­haus / Wiki­me­dia / unter Lizenz CC BY 3.0

 

 

1 Kommentar

  1. Viel­leicht könnte die »LNG Hybrid Barge« zumin­dest die Infrastruktur‐Probleme beheben. Das Konzept eines »schwim­men­den Kraft­werks« war einer der Preis­trä­ger der dies­jäh­ri­gen Green­Tec Awards .

    Vor­aus­set­zung bleibt natür­lich, dass die Ree­de­reien ihre Schiffe ent­spre­chend mit LNG‐Antrieben aus­stat­ten.

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