Vorschaubild: Die MS Ostfriesland der AG Ems, das erste LNG-Schiff unter deutscher Flagge,hat am 17.6.2015 in Borkum im Rahmen der Gästefahrt angelegt. Foto: Dr. Karl-Heinz Hochhaus / Wikimedia / unter Lizenz CC BY 3.0

LNG bei Schiffen bislang kaum genutzt

von | 19. August 2015

LNG, also bei großer Kälte verflüs­sigtes und trans­por­tiertes Erdgas, spielt bisher bei Schiffs­an­trieben in Deutschland noch keine große Rolle. Das sagte Ralf Nagel, Geschäfts­füh­rendes Präsi­di­ums­mit­glied des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), der Deutschen Presse-​Agentur.

Grund sei die fehlende Wirt­schaft­lichkeit. Die Inves­ti­tionen für eine Umrüstung lägen pro Schiff 30 % über denen eines herkömm­lichen Schiffs­an­triebes, was zwei­stellige Millio­nen­be­träge bedeute. Bisher fahre in Deutschland kein Schiff mit LNG, das ohne öffent­liche Förderung ausge­kommen sei.

Dabei müssen sich die Reeder dennoch überlegen, wie sie in Zukunft die stren­geren Anfor­de­rungen in Nord- und Ostsee erfüllen. Das massen­hafte Verbrennen von Schweröl – bisher Haupt­treib­stoff der Seefahrt – wird zumindest in Hafennähe bald ein Ende haben.

Bereits seit 2005 bestehen für die Ost- und seit 2006 für die Nordsee Kontrollen für Schiffs­emis­sionen (Emission Control Areas = ECAs). Diese sollen die Schwe­fel­emis­sionen am Schorn­stein zu redu­zieren. In diesen meist hafen­nahen Gebieten gilt für Schiffs­kraft­stoffe eine Schwe­fel­be­grenzung von 1,0 Prozent (seit 2010), die auf 0,1 Prozent ab 2015 sinken wird. Das ist mit Schweröl nicht mehr zu erreichen. Als Optionen stehen grund­sätzlich folgende vier Lösungen zur Wahl: 

  • Einbau einer Abgas­rei­ni­gungs­anlage, so genannter Scrubber, für Schiffe. Die Inves­ti­ti­ons­kosten können bei bis zu 10 Mio. Euro je Schiff liegen.
  • Die bereits erwähnte Nutzung von verflüs­sigtem Erdgas (LNG) als Kraft­stoff. Aller­dings steht hierfür noch keine flächen­de­ckende Infra­struktur zur Verfügung. Bis 2025 soll es jedoch in allen 139 euro­päi­schen Seehäfen LNG-​Tankstellen geben.
  • Marine Gasoil (MGO) oder Marine Diesel Oil (MDO), ein aus Mittel­de­stillat herge­stellter, diesel­ar­tiger Kraftstoff,
  • Bezahlen der Strafen. 
Die in Hamburg liegende LNG-Powerbarge von Becker Marine versorgt die AidaSol mit Strom. Foto: Dr. Karl-Heinz Hochhaus / Wikimedia / unter Lizenz CC BY 3.0

Die in Hamburg liegende LNG-​Powerbarge von Becker Marine versorgt die AidaSol mit Strom. Foto: Dr. Karl-​Heinz Hochhaus /​Wikimedia /​unter Lizenz CC BY 3.0

LNG bietet sich deshalb an, da es in Häfen mit LNG-​Terminals ange­landet werden kann und ein an sich schon hoch verdich­teter Treib­stoff ist. In Deutschland ist dies eine Tech­no­logie, die noch in den Kinder­schuhen steckt. Die MS Ostfriesland fährt als erstes LNG-​Schiff seit Juni unter deutscher Flagge. Zudem hat nur die Meyer Werft einige Aufträge für große Kreuz­fahrt­schiffe, die nur mit LNG fahren, von den Reede­reien Aida und Costa Crociere. Und: Im Hamburger Hafen werden die Aida-​Kreuzfahrtschiffe mittels LNG-​Barge mit Strom versorgt, aber eben nicht auf hoher See.

Ein Blick zu unseren Nachbarn in den Nieder­landen zeigt, wie es gehen könnte. Denn die nehmen im euro­päi­schen LNG-​Markt mit dem welt­größten Hafen in Rotterdam eine Schlüs­sel­stellung ein. Für Schiffe gibt es hier ein eigenes LNG-Bunkersystem.

Der dortige „Green Deal“, ein Bündnis zwischen Regierung, Nicht-​Regierungs-​Organisationen, wissen­schaft­lichen Einrich­tungen und Unter­nehmen setzt eben auch auf LNG. Noch in diesem Jahr sollen hier 50 Binnen- und 50 Seeschiffe auf LNG-​Antrieb umge­rüstet werden. Sicher ist auch hier staat­liche Unter­stützung vonnöten. Aber die hat eher den Charakter einer Geburts­hilfe. Sicher nicht zu wenig, wenn es darum geht, mit dem Schweröl einen der umwelt­schäd­lichsten Treib­stoffe zu verbannen.

Vorschaubild: Die MS Ostfriesland der AG Ems, das erste LNG-​Schiff unter deutscher Flagge,hat am 17.6.2015 in Borkum im Rahmen der Gäste­fahrt angelegt. Foto: Dr. Karl-​Heinz Hochhaus /​Wikimedia /​unter Lizenz CC BY 3.0

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

1 Kommentar

  1. 123energie

    Viel­leicht könnte die „LNG Hybrid Barge” zumindest die Infrastruktur-​Probleme beheben. Das Konzept eines „schwim­menden Kraft­werks” war einer der Preis­träger der dies­jäh­rigen GreenTec Awards .

    Voraus­setzung bleibt natürlich, dass die Reede­reien ihre Schiffe entspre­chend mit LNG-​Antrieben ausstatten.

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