Flüssigerdgas‐Terminal: Wenig Chancen für Bruns­büt­tel

Der im Bau befindliche LNG-Terminal von Świnoujście. Foto: YarluFileBot / Wikimedia / Lizenz unter CC BY-SA 3.0
Der im Bau befindliche LNG-Terminal von Świnoujście. Foto: YarluFileBot / Wikimedia / Lizenz unter CC BY-SA 3.0

Aktuell macht mal wieder ein Ter­mi­nal für ver­flüs­sig­tes Erdgas (LNG) die Runde. Der­zei­ti­ger Traum‐Standort: Bruns­büt­tel. Dabei genügt ein Blick immer der Küste entlang in süd­west­li­cher Rich­tung, um zu sehen, wie schwer dies in Deutsch­land durch­zu­set­zen ist. Denn in Wil­helms­ha­ven ver­sucht man sich bereits seit den 70er Jahren, einen Flüssiggas‐Terminal zu rea­li­sie­ren. Pas­siert ist bisher: nichts.

Und das hat, wie schon zu ver­mu­ten, rein wirt­schaft­li­che Gründe. Die für die Pla­nun­gen zustän­dige Deut­sche Flüs­sig­gas­ter­mi­nal­ge­sell­schaft (DFTG) könnte zwar jeder­zeit los­le­gen. Pla­nungs­recht­lich und erlaub­nis­tech­nisch ist alles vor­han­den. Doch die Nach­frage lässt zu wün­schen übrig. 2007 wurden zuletzt Regasi­fi­zie­rungs­ka­pa­zi­tä­ten aus­ge­schrie­ben, also der Bedarf, der an ent­spann­tem LNG besteht,der direkt ins Netz ein­ge­speist wird. Die Nach­frage war viel zu gering.

Die Befür­wor­ter von Bruns­büt­tel nun gehen davon aus, dass ein neuer Bedarf direkt an LNG besteht, so dass dieses nicht ent­spannt werden muss. Märkte werden tat­säch­lich ent­ste­hen, und zwar im Schwer­last­ver­kehr und in der Schiff­fahrt. Bei den LKW sind unsere hol­län­di­schen Nach­barn gerade dabei, die LNG‐Antriebstechnik für die Brummis all­tags­taug­lich zu machen – mit staat­li­cher Unter­stüt­zung des so gen­an­ten Green Deals. Davon pro­fi­tie­ren auch Schiffe. Bei denen wird es ab 2020 auch so sein, dass sie nicht nur in hafen­na­hen Gewäs­sern auf den bis­he­ri­gen Schweröl­an­trieb ver­zich­ten müssen, sondern auch auf hoher See. LNG wäre eine Alter­na­tive. Detu­sche Reeder sträu­ben sich jedoch, da ein LNG‐spezifizierter Schiffs­mo­tor gut 30 % mehr kostet als sein kon­ven­tio­nel­ler Pendant.

Bruns­büt­tel nun wuchert mit einer Betei­li­gung des Logis­ti­kers VTG. Der will, erst­mals welt­weit, eine Schie­nen­lo­gis­tik für LNG auf­bauen. Doch darin liegt auch die große Gefahr für Bruns­büt­tel. Denn wenn dies erst mal steht, könnte Deutsch­land auch vom nahen Ausland aus mit LNG belie­fert werden. Rot­ter­dam mit dem welt­größ­ten LNG‐Terminal ist gerade mal 600 Kilo­me­ter ent­fernt, und Polen mit dem bereits im Bau befind­li­chen Ter­mi­nal in Świ­no­jście sogar nur 400 Kilo­me­ter – ein Klacks für Schie­nen­lo­gis­ti­ker. Doch nicht nur diese Länder sind Deutsch­land weit voraus. Allein in der EU exis­tie­ren bisher 20 LNG‐Import‐Terminals, 7 weitere sind in Planung. Und: Diese sind bisher nur zu maximal 20 % genutzt, also herrscht ein deut­li­ches Über­an­ge­bot an LNG‐Terminals.

Zudem wurden und werden diese Auslands‐Terminals indi­rekt von der Bun­des­re­gie­rung unter­stützt. In einer ent­spre­chen­den Antwort auf eine Anfrage der Grünen vom Mai letzten Jahres heißt es:

Die Bun­des­re­gie­rung hat die Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men beim Erwerb von LNG‐Mengen und von Regasi­fi­zie­rungs­ka­pa­zi­tä­ten im benach­bar­ten Ausland poli­tisch unter­stützt und wird dies auch in Zukunft tun.

Somit stehen die Chancen wei­ter­hin sehr schlecht für einen deut­schen LNG‐Terminal.

Vor­schau­bild: Der im Bau befind­li­che LNG‐Terminal von Świn­ou­jście. Foto: Yar­luFi­le­Bot / Wiki­me­dia / Lizenz unter CC BY‐SA 3.0

1 Kommentar

  1. Hallo,

    gute Analyse.

    Hinzu kommt fol­gen­des:
    Im Osten (Polen, Litauen) ergeben die LNG Ter­mi­nals begrenzt Sinn, um gegen­über dem bis­he­ri­gen Haupt­lie­fe­ran­ten die Ver­hand­lungs­po­si­tion zu stärken.
    Die Wirt­schaft­lich­keit kommt dann iro­ni­scher­weise nicht durch die Nutzung der Ter­mi­nals, sondern der Preis­nach­lässe bei rus­si­schem Pipe­line­gas.

    Im Westen (Holland, Frank­reich, Belgien, Groß­bri­tan­nien) sind die Ter­mi­nals auch sehr unter­schied­lich aus­ge­las­tet, dienen aber oft als Ausweg, um den preis­lich höhere Märkte (Ost­asiaen, tlw. Süd­ame­rika) vor Preis­ver­fall bei Über­pro­duk­tion zu schüt­zen.

    Alles in allem aber viel freie Kapa­zi­tät in Ost und West um Gas per Bahn­wa­gen oder sogar per LKW nach Deutsch­land zu bringen. Nicht umsonst fährt seit einigen Jahren ein pol­ni­sches Unter­neh­men (DUON) LNG im LKW Con­tai­ner­tank von Belgien nach Polen und ver­sorgt dort abge­le­gene Indus­trie­stand­orte.

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