Der im Bau befindliche LNG-Terminal von Świnoujście. Foto: YarluFileBot / Wikimedia / Lizenz unter CC BY-SA 3.0

Flüssigerdgas-​Terminal: Wenig Chancen für Brunsbüttel

von | 11. September 2015

Aktuell macht mal wieder ein Terminal für verflüs­sigtes Erdgas (LNG) die Runde. Derzei­tiger Traum-​Standort: Bruns­büttel. Dabei genügt ein Blick immer der Küste entlang in südwest­licher Richtung, um zu sehen, wie schwer dies in Deutschland durch­zu­setzen ist. Denn in Wilhelms­haven versucht man sich bereits seit den 70er Jahren, einen Flüssiggas-​Terminal zu reali­sieren. Passiert ist bisher: nichts.

Und das hat, wie schon zu vermuten, rein wirt­schaft­liche Gründe. Die für die Planungen zuständige Deutsche Flüs­sig­gas­ter­mi­nal­ge­sell­schaft (DFTG) könnte zwar jederzeit loslegen. Planungs­rechtlich und erlaub­nis­tech­nisch ist alles vorhanden. Doch die Nachfrage lässt zu wünschen übrig. 2007 wurden zuletzt Regasi­fi­zie­rungs­ka­pa­zi­täten ausge­schrieben, also der Bedarf, der an entspanntem LNG besteht,der direkt ins Netz einge­speist wird. Die Nachfrage war viel zu gering.

Die Befür­worter von Bruns­büttel nun gehen davon aus, dass ein neuer Bedarf direkt an LNG besteht, so dass dieses nicht entspannt werden muss. Märkte werden tatsächlich entstehen, und zwar im Schwer­last­verkehr und in der Schiff­fahrt. Bei den LKW sind unsere hollän­di­schen Nachbarn gerade dabei, die LNG-​Antriebstechnik für die Brummis alltags­tauglich zu machen – mit staat­licher Unter­stützung des so genanten Green Deals. Davon profi­tieren auch Schiffe. Bei denen wird es ab 2020 auch so sein, dass sie nicht nur in hafen­nahen Gewässern auf den bishe­rigen Schweröl­an­trieb verzichten müssen, sondern auch auf hoher See. LNG wäre eine Alter­native. Detusche Reeder sträuben sich jedoch, da ein LNG-​spezifizierter Schiffs­motor gut 30 % mehr kostet als sein konven­tio­neller Pendant.

Bruns­büttel nun wuchert mit einer Betei­ligung des Logis­tikers VTG. Der will, erstmals weltweit, eine Schie­nen­lo­gistik für LNG aufbauen. Doch darin liegt auch die große Gefahr für Bruns­büttel. Denn wenn dies erst mal steht, könnte Deutschland auch vom nahen Ausland aus mit LNG beliefert werden. Rotterdam mit dem welt­größten LNG-​Terminal ist gerade mal 600 Kilometer entfernt, und Polen mit dem bereits im Bau befind­lichen Terminal in Świno­jście sogar nur 400 Kilometer – ein Klacks für Schie­nen­lo­gis­tiker. Doch nicht nur diese Länder sind Deutschland weit voraus. Allein in der EU exis­tieren bisher 20 LNG-​Import-​Terminals, 7 weitere sind in Planung. Und: Diese sind bisher nur zu maximal 20 % genutzt, also herrscht ein deut­liches Über­an­gebot an LNG-Terminals.

Zudem wurden und werden diese Auslands-​Terminals indirekt von der Bundes­re­gierung unter­stützt. In einer entspre­chenden Antwort auf eine Anfrage der Grünen vom Mai letzten Jahres heißt es:

Die Bundes­re­gierung hat die Gasver­sor­gungs­un­ter­nehmen beim Erwerb von LNG-​Mengen und von Regasi­fi­zie­rungs­ka­pa­zi­täten im benach­barten Ausland politisch unter­stützt und wird dies auch in Zukunft tun.

Somit stehen die Chancen weiterhin sehr schlecht für einen deutschen LNG-Terminal.

Vorschaubild: Der im Bau befind­liche LNG-​Terminal von Świn­ou­jście. Foto: Yarlu­Fi­leBot /​Wikimedia /​Lizenz unter CC BY-​SA 3.0

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

1 Kommentar

  1. Claude Klingenberger

    Hallo,

    gute Analyse.

    Hinzu kommt folgendes:
    Im Osten (Polen, Litauen) ergeben die LNG Terminals begrenzt Sinn, um gegenüber dem bishe­rigen Haupt­lie­fe­ranten die Verhand­lungs­po­sition zu stärken.
    Die Wirt­schaft­lichkeit kommt dann ironi­scher­weise nicht durch die Nutzung der Terminals, sondern der Preis­nach­lässe bei russi­schem Pipelinegas.

    Im Westen (Holland, Frank­reich, Belgien, Groß­bri­tannien) sind die Terminals auch sehr unter­schiedlich ausge­lastet, dienen aber oft als Ausweg, um den preislich höhere Märkte (Ostasiaen, tlw. Südamerika) vor Preis­verfall bei Über­pro­duktion zu schützen. 

    Alles in allem aber viel freie Kapazität in Ost und West um Gas per Bahnwagen oder sogar per LKW nach Deutschland zu bringen. Nicht umsonst fährt seit einigen Jahren ein polni­sches Unter­nehmen (DUON) LNG im LKW Contai­nertank von Belgien nach Polen und versorgt dort abge­legene Industriestandorte.

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