Ener­gie­wende digi­ta­li­siert: 80-%-Ziel nicht zu errei­chen

Foto: Urbansky

Die EU will, das 80 % der End­ver­brau­cher euro­pa­weit mit intel­li­gen­ten Strom­mess­ge­rä­ten aus­ge­stat­tet werden. Die Bun­des­re­gie­rung nun legte am 21. Sep­tem­ber 2015 einer Refe­ren­ten­ent­wurf zur Dis­kus­sion vor, um dieses Ziel anzu­ge­hen.

Das Gesetz zur Digi­ta­li­sie­rung der Ener­gie­wende soll ab 2017 in Kraft treten und nach und nach diese 80 % der Strom­kun­den ein­be­zie­hen. Dabei machen alle Ver­brau­cher von über 10.000 kWh ab 2017 den Anfang. Ab 2020 sollen dann auch klei­nere Abneh­mer ab 6.000 kWh Jah­res­ver­brauch folgen.

Etwas schlei­er­haft ist, wie man bei diesen hohen Grenzen auf die 80 Prozent deren Kunden kommen will. Zwar machen die pri­va­ten Haus­halte in Deutsch­land nur etwas mehr als ein Vier­tels des hie­si­gen Strom­ver­brauchs aus. Doch sie stellen mit gut 40 Mil­lio­nen Haus­hal­ten im Gegen­satz zu etwa mehr als 3 Mil­lio­nen Firmen und das Gros der Kunden.

Doch der größte Teil von ihnen kommt nie und nimmer auf die 6.000 kWh. Selbst der Strom­preis­spie­gel geht nur bei einem 4‑Personen-Haushalt mit mitt­le­ren bis hohen Ver­brauch davon aus, dass die 6.000-kWh-Grenze geknackt werden könnte. Doch die Rea­li­tät in einem immer effi­zi­en­ter wer­den­den Deutsch­land sieht anders aus. Ein Bei­spiel: ein 4‑Personen-Haushalt in einem KfW-70-Haus benö­tigt kaum mehr als 2.500 bis 3.000 kWh im Jahr.

Dieser Ein­tei­lung ging eine Analyse des Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums voraus. Dabei wurden fol­gende Ein­spar­po­ten­ziale ermit­telt:

Ver­brauch in kWh
Ein­spar­po­ten­zial in Euro
bis 2000
3
bis 3000
10
bis 4000
20
bis 6000
40
über 6000
80

Daraus folgt, dass ein solcher „Rollout“ bei Gering­ver­brau­chern mehr Kosten ver­ur­sa­chen als Nutzen bringen könnte. Eine Aus­nahme gibt es: Mess­stel­len­be­trei­ber können weitere Ver­brau­cher unter Ein­hal­tung äußerst strik­ter Preis­ober­gren­zen ein­be­zie­hen, wenn sie dies für sinn­voll erach­ten. Doch dies scheint anfecht­bar.

Bleibt die Ein­tei­lung so, würden vor­aus­sicht­lich nur 13 % der Haus­halte, also 5,2 Mil­lio­nen Haus­halte, die wohl mehr als 6.000 kWh ver­brau­chen. Im Trend ver­schärft sich das sogar. 2030 werden in Deutsch­land nur noch 9 % der Haus­halte von vier und mehr Per­so­nen bewohnt. Hinzu kämen noch die genann­ten Firmen und öffent­li­che Ein­rich­tun­gen, die in aller Regel deut­lich mehr als 6.000 kWh ver­brau­chen.

Nach Angaben des BMWi würden aktuell und ab 2017 rund 2 Mil­lio­nen Mess­stel­len im Bereich ab 10.000 bis 100.000 kWh Jah­res­ver­brauch und 300.000 Zähl­punkte ab 100.000 kWh unter das neue Gesetz fallen.

Das pos­tu­lierte 80-%-Ziel der Letzt­ver­brau­cher wird so aber defi­ni­tiv nicht zu errei­chen sein und war vor allem wohl eines – eine rein poli­ti­sche Zahl, los­ge­löst von den Stromverbrauchs-Realitäten.

Vor­schau­bild: Urban­sky

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