Digi­ta­li­sie­rungs­ge­setz: Ein­falls­tor zu Pri­vat­haus­hal­ten?

Komponente für die moderne Haustechniksteuerung: intelligente Verbrauchszähler. Foto: pixabay Smart home, TGA, Haustechnik, Automation, Heizung, Lüftung, Kühlung
intelligenter Verbrauchszähler. Foto: pixabay

Wird die Digi­ta­li­sie­rung der Ener­gie­wende zum Ein­falls­tor zu den Pri­vat­haus­hal­ten? Bisher waren diese bei einem Ver­brauch von bis zu 6000 kWh je Jahr vom Smart-Metering-Zwang aus­ge­nom­men. Ver­brau­cher­schüt­zer jedoch befürch­te­ten genau dies bei der gest­ri­gen Anhö­rung zum neuen Digi­ta­li­sie­rungs­ge­setz.

Johanna Kardel (Ver­brau­cher­zen­trale Bun­des­ver­band) sieht einen „unge­recht­fer­tig­ten Ein­griff in die Ver­brau­cher­sou­ve­rä­ni­tät“. Trotz der weit ver­brei­te­ten Auf­fas­sung, dass intel­li­gente Mess­sys­teme auf Haus­halts­ebene nur einen gerin­gen Nutzen stiften und keine nen­nens­wer­ten Beitrag zur Ener­gie­wende oder zur Netz­dien­lich­keit leisten würde, würden die Grund­la­gen für einen „Full-Rollout“ für alle pri­va­ten End­ver­brau­cher gelegt, heißt es in Kardels Stel­lung­nahme. Ein Recht auf Zustim­mung oder Ableh­nung der Ver­brau­cher sei nicht vor­ge­se­hen.

Hohes Aus­for­schungs­ri­siko

Auch der staat­li­che Bun­des­be­auf­tragte für den Daten­schutz und die Infor­ma­ti­ons­frei­heit,  Peter Büttgen, sieht Risiekn für Ver­brau­cher, ins­be­son­dere ein „hohes Aus­for­schungs­ri­siko in Bezug auf die Lebens­ge­wohn­hei­ten der Betrof­fe­nen. Da eine sekun­den­ge­naue Ver­brauchs­er­fas­sung mittels Smart Metern möglich ist, wird jede ein­zelne Akti­vi­tät punk­tu­ell und in Echt­zeit erkenn­bar. Über den Tag ergibt sich somit ein Ablauf­pro­to­koll, das wesent­li­che Infor­ma­tio­nen für ein Per­sön­lich­keits­pro­fil enthält.“

Bernd Kow­al­ski vom Bun­des­amt für die Sicher­heit in der Infor­ma­ti­ons­tech­nik (BSI) ver­suchte dies zu ent­kräf­ten. Die Rege­lun­gen zur Daten­kom­mu­ni­ka­tion würden zen­trale Daten­schutz­an­for­de­run­gen umset­zen und seien auch trans­pa­rent für Ver­brau­cher. Laut Entwurf gelten als intel­li­gente Mess­sys­teme nur solche Systeme, die die Anfor­de­run­gen des BSI erfül­len und vom BSI ein Güte­sie­gel erhal­ten haben.

Indus­trie dafür – logisch

Wenig über­ra­schend, dass der Entwurf von der Indus­trie, bei der Anhö­rung ver­tre­ten vom  Zen­tral­ver­band der Elektrotechnik- und Elek­tronik­in­dus­trie, begrüßt wurde. Dessen Vor­stands­mit­glied Peter Heuell, sieht die Mög­lich­keit, dass Ver­brau­cher mit intel­li­gen­ten Mess­sys­te­men von den durch die Ener­gie­wende gesun­ke­nen Strom­bör­sen­prei­sen pro­fi­tie­ren. Die intel­li­gen­ten Systeme würden neue Tarife und Dienst­leis­tun­gen ermög­li­chen und auch zu Ener­gie­ein­spa­run­gen von min­des­tens 1,5 Prozent führen. Auch die Netz­aus­bau­kos­ten könnten redu­ziert werden.


Wie die Digi­ta­li­sie­rung der Ener­gie­wirt­schaft aus­se­hen könnte, beschreibt mein Energieblogger-Kollege Jan Aen­gen­vo­ort hier auf Next Kraft­werke.