Was Pellet­heizung und Wärme­pumpe gemeinsam haben

von | 10. Juni 2016

Gast­beitrag von Frank Schön­felder, KWB

Sektor­kop­pelung, intel­li­gente Gebäu­de­steuerung oder power to heat sind derzeit beliebte Schlag­worte der poli­ti­schen Mandats­träger. Alle Begriffe zielen darauf ab, dass Strom zu einer zentralen Energie- und Wärme­quelle in der Gebäu­de­technik wird. 

Dazu erleben Ölhei­zungen aufgrund der geopo­li­tisch nach unten mani­pu­lierten Ener­gie­preise eine erschre­ckende Renais­sance. Vor diesem Hinter­grund ist die Frage nach der Zukunft der Pellet­hei­zungen oder anderer holz­ba­sierter Heizungen wie Hack­schnitzel durchaus berechtigt.

Weil der Wärme­markt besonders komplex und frag­men­tiert ist, macht eine Glie­derung nach Einsatz­ge­bieten für Pellet­hei­zungen Sinn:

Passt die Pellet­heizung in den Neubau?

Ja. Grund­sätzlich gibt es noch kein Univer­sal­tech­no­logie, um die Wärme­wende flächen­de­ckend umzu­setzen. Wie im Bestand gilt auch im Neubau, dass vielmehr indi­vi­duell ange­passte Wärme- und Ener­gie­systeme gefragt sind. Nur wer sich die örtlichen, baulichen und kunden­spe­zi­fi­schen Anfor­de­rungen genau ansieht, findet die geeignete Ener­gie­lösung. In diesem Span­nungsfeld haben Pellet­hei­zungen und Wärme­pumpen glei­cher­maßen ihre Daseins­be­rech­tigung. Deshalb ist eine pauschale Gegen­über­stellung der jewei­ligen Vor- und Nachteile der beiden Tech­no­logien nicht ziel­führend. Anschau­licher sind (zuge­ge­be­ner­maßen über­spitzte) Anwendungsbeispiele:

Die Wellness-​Wärmepumperin

Die junge, dyna­mische Bauherrin mit einem Faible für Detox und Design baut sich irgendwo im Speck­gürtel Karls­ruhes ein frei­ste­hendes, gut gedämmtes, kfW40 Einfa­mi­li­enhaus, das kein Bade­zimmer mehr hat, dafür aber mit einer geräu­migen Well­nessoase aufwartet. Deshalb bleibt auch kein Platz mehr für einen Haus­tech­nikraum. Baugrund ist ja schließlich teuer. Hier passt die Wärme­pumpe: Niedriger Wärme­bedarf, geringes, bauliches Platz­an­gebot, gemä­ßigtes Klima, viele Sonnen­stunden (Foto­voltaik zur Eigen­nutzung!), etc.

Die Pellet­s­par­füchse

Pelletheizung, Hackschnitzelheizung, Wärmepumpe

Rührwerk einer Hack­schnit­zel­heizung. Fotos: KWB

Eine kleine, kosten­be­wusste Gemeinde aus dem Baye­ri­schen Wald hat ein Neubau­gebiet mit 15 Standard-​EFH entwi­ckelt. Das Dorf besitzt ein gutes Stück Wald, das entnommene Material verkauft die Gemeinde an ein nahe­ge­le­genes Sägewerk mit Pellet­pro­duktion. Hier ist der ideale Einsatzort für ein Mikronetz mit Holz­heizung: Es ist im Winter richtig kalt, die Inves­ti­ti­ons­kosten für die Heizung werden gemein­schaftlich umgelegt, die Heizung ist platz­sparend ausge­lagert, der Brenn­stoff stammt aus der Umgebung, die regionale Wert­schöpfung schafft und sichert wertvolle Arbeitsplätze.

Abseits dieser ideal­ty­pi­schen Ausgangs­si­tua­tionen gibt es im Neubau eine breite „Grauzone“, in der genug Raum für Wärme­pumpen und Pellet­hei­zungen existiert. Platz­spa­rende Pellet­hei­zungen mit kleinen Aufstell­flächen (>1m²), clevere Lager­raum­lö­sungen für optimale Raum­aus­nutzung (z.B. ein boden­nahes Pelle­trührwerk oder ein Gewe­betank zur Aufstellung im Freien) sowie weit nach unten modu­lie­rende Pellet­kessel mit geringer Leistung zeigen auf, mit welchen Produkten wir uns im Neubau­segment positionieren.

Was Wärme­pumpen und feste Biomasse eint

Stra­te­gisch verfolgen die Wärmepumpen- und Biomas­se­hei­zungs­in­dustrie ein gemein­sames Ziel: Die Dekar­bo­ni­sierung und Effi­zi­enz­stei­gerung in den neu gebauten und bestehenden Gebäuden. Im Klartext: Weg von fossilen Stinkern, hin zu modernen Erneuerbaren-​Energien-​Systemen. Für diese Mammut­aufgabe sollten wir jede Chance der Zusam­men­arbeit nutzen; deshalb ist auch eine gemeinsame Verbands­arbeit richtig und wichtig. Wir alle haben es in der Vergan­genheit sogar versäumt, den Schul­ter­schluss zu suchen: Die Branche der Erneu­er­baren ist in knapp 30 Spar­ten­ver­bände gegliedert, die jeweils eigenen Inter­essen folgen; so kann keine effektive Lobby­arbeit stattfinden.

Ordnungs­po­li­tisch spielt beiden Tech­no­logien die EnEV2016 in die Hände: Mit den günstigen Primär­ener­gie­fak­toren für Strom und Holz lassen sich die strengen gesetz­lichen Vorgaben sehr kosten­ef­fi­zient erfüllen. Ehrlich­weise ist der Faktor bei Strom politisch geschönt: Durch­schnittlich wird Strom mit einem Wirkungsgrad von nur knapp 40 Prozent, zusätzlich mit 7 Prozent Leitungs­ver­lusten und immer noch aus größ­ten­teils nicht erneu­er­baren Quellen erzeugt.

Darüber hinaus stehen beide Wärme­er­zeuger in eine attrak­tiven Förder­land­schaft: Nationale, regionale und lokale Förder­pro­gramme summieren sich teils zu über 10.000 Euro pro Anlage auf. Einschränkend lässt sich hier fest­stellen, dass Politik, Verbände und Industrie an der Trans­parenz und Kommu­ni­kation der Förder­pro­gramme sicherlich noch arbeiten können.

Es gibt also keine scharfe Trenn­linie, die die Wärme­pumpen von den Pellet­hei­zungen trennt – weder im Markt noch in den Verbänden. Im Gegenteil, wir finden gerade Gemein­sam­keiten und nutzen diese, um in der poli­ti­schen und medialen Öffent­lichkeit besser wahr­ge­nommen zu werden.

Zu den Fotos: Bei Stefan Friegl aus Laugna bei Augsburg bietet eine umgebaute Lager­scheune Platz für eine Hackgut- und Pellet­heizung, die an ein Nahwär­menetz ange­schlossen ist. Die neue Heizungs­anlage versorgt von hier aus das Drei­fa­mi­li­enhaus von Familie Friegl, zwei weitere Einfa­mi­li­en­häuser und ein Bürgerhaus mit Wärme. Um sich unab­hängig von schwanken Preisen zu machen und gleich­zeitig klima­freundlich zu heizen, entschied sich Friegl für den Holz­brenn­stoff Hackgut. Fotos: KWB

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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