Däni­sche Fern­wärme: Jetzt geht es Gas an den Kragen

Müllverbrennungsanlage von VF, die auch zur Wärmeauskopplung genutzt wird. Kinamand / Wikimedia / Lizenz unter CC BY-SA 3.0
Müllverbrennungsanlage von VF, die auch zur Wärmeauskopplung genutzt wird. Kinamand / Wikimedia / Lizenz unter CC BY-SA 3.0

Wurde mit der kom­mu­na­len Wär­me­pla­nung ab 1980 in Däne­mark noch geplant, Heizöl zu ver­drän­gen, rückt jetzt immer mehr Erdgas in den Focus.

Das berich­tet Ralf Radloff, inzwi­schen pen­sio­nier­ter Wärmemarkt‐Experte des Minis­te­rium für Ener­gie­wende, Land­wirt­schaft, Umwelt und länd­li­che Räume des Landes Schleswig‐Holstein und Her­aus­ge­ber des News­let­ters Wärmewende‐Info.

Im ersten Teil widmete er sich dabei schon dieser Stra­te­gie im Groß­raum Kopen­ha­gen (mehr hier). Sein neuer News­let­ter (hier kom­plett her­un­ter­zu­la­den) setzt diesen Bericht nun fort.

Fest­ge­legt wurden damals Wär­me­vor­rang­ge­biete für Fern­wärme und Erdgas.  Seit 2008 und noch­mals 2012 wurde in ver­schie­de­nen Ver­ord­nun­gen die suk­zes­sive Stei­ge­rung des Anteils erneu­er­ba­rer Ener­gien bei der Wär­me­ver­sor­gung vor­ge­se­hen. Diese münden nun in der Ver­drän­gung von Erdgas.

Ein Bei­spiel dafür ist der Var­me­plan Hove­d­sta­den. Ende 2014 wurden ver­schie­dene Sze­na­rien für den Ziel­ho­ri­zont 2035 vor­ge­stellt. Nach Angaben von Flem­ming Ander­sen, Tech­ni­scher Direk­tor des Ver­sor­gers VEKS, ver­fol­gen die Kom­mu­nen zwar das Ziel, bis 2025 CO2‐neutral zu sein. Die Unter­neh­men ori­en­tie­ren sich aber inso­fern auch am Jahr 2035, weil dann die Betriebs­zeit der meisten bestehen­den KWK‐Anlagen beendet sein wird und ent­schie­den werden muss, welche Tech­no­lo­gie ihre Kapa­zi­tät erset­zen wird. Kon­zen­triert wird der Ausbau der Fern­wär­me­ver­sor­gung in bis­he­ri­gen Erd­gas­ge­bie­ten auf Wärme aus Müll­heiz­kraft­wer­ken und Erneu­er­bare Energie‐Anlagen. Fossile Ener­gie­trä­ger wie Erdgas spielen dann keine Rolle mehr.

Das in den poten­ti­el­len Erwei­te­rungs­ge­bie­ten tätige Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men (HMN) dar­auf­hin den Erd­gas­preis für Einfamilien‐Kunden gesenkt, womit die Wär­me­ver­sor­gung auf Basis Erdgas wieder wett­be­werbs­fä­hig war. „In Däne­mark“ so Radloff, „wird also auch um Absatz­ge­biete gerun­gen. Das geschieht aber ver­gleichs­weise fried­lich, weil es sich auf beiden Seiten um Non‐Profit‐Unternehmen handelt und ansons­ten die Ener­gie­auf­sicht ein­grei­fen würde, um die Höhe der Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen fest­zu­set­zen.“ Eine Ent­schä­di­gung für die Ver­dräng­ten gibt es also auch.

Das ganze Modell ist in der auf Profit ori­en­tier­ten deut­schen Ener­gie­wirt­schaft, zu denen auch die Stadt­werke mit ihren Abfüh­rungs­ver­trä­gen gehören, kaum vor­stell­bar.

Radloff sieht fol­gende Erfolgs­fak­to­ren:

  • Die ver­bind­li­che kom­mu­nale Wär­me­pla­nung, mit der früh­zei­tig eine effi­zi­enz­ori­en­tierte Wär­me­ver­sor­gungs­in­fra­struk­tur auf­ge­baut worden ist.
  • Der weit­ge­hende gesell­schaft­li­che Konsens über die Energie‐ und Kli­ma­schutz­po­li­tik, so dass im Ergeb­nis vieles nicht gesetz­lich sondern über „Ener­gie­ver­ein­ba­run­gen“ gere­gelt wird (vgl. z.B. suk­zes­si­ves „Verbot fos­si­ler Brenn­stoffe“).
  • Die ver­gleichs­weise hohe Besteue­rung fos­si­ler Ener­gie­trä­ger (3,8 Ct./kWh) – auf deren Grund­lage wesent­li­che Ent­wick­lun­gen markt­ge­steu­ert ohne För­de­rung mit öffent­li­chen Mitteln rea­li­siert werden.
  • Die Orga­ni­sa­tion der däni­schen Energieunter‐nehmen, die weit­ge­hend non‐profit‐Unternehmen sind.
  • Die prag­ma­ti­sche Haltung und die Anpas­sungs­fä­hig­keit der däni­schen Akteure:
    • Bei­spiel Koh­le­ver­drän­gung: Kurz­fris­ti­ger groß‐volumiger Einsatz von Holz­pel­lets in den Koh­le­kes­seln, bis spä­tes­tens bis 2035 die Technik grund­le­gend erneu­ert sein muss.
    • Bei­spiel Sai­so­nal­spei­cher (in DK kostet er etwa 20–30 €/m3, in D rund 600 €/m3 und mehr ).

Einen Über­blick über die Markt­ent­wick­lung bei Solar­ther­mie, die auch in der däni­schen Fern­wär­me­ver­sor­gung eine große Rolle spielt, gibt Energieblogger‐Kollege Björn Katz hier auf seinem Blog Strom­aus­kunft.