Grundlage für die digitalisierte Heizung ist eine smarte Messung und Steuerung. Foto: Urbansky

Spart das Smart Home Energie?

von | 9. September 2016

Was für eine Frage! Dennoch: Das Ja, das folgen müsste, will einem nicht so recht über die Lippen gehen. Zwar sind die Einspa­rungen im Wärme­be­reich unbestritten. 

Erst gestern belegte das Abschluss­sym­posium des Projektes ProShape eindrucksvoll, dass hier über 20 % Energie locker einzu­sparen sind. Doch im Strom­be­reich ist dies kaum möglich. Und das hat mehrere Gründe.

Der wich­tigste: Soll das traute Heim smart werden, bedarf es vernetzter Geräte. Davon abgesehen, dass ein smarter Kühl­schrank das Doppelte seines weniger intel­li­genten Bruders kostet, müssen die Geräte rundum die Uhr stanby sein. Die Standby-​Verbräuche würden sich allein durch diesen smarten Standby-​Strom vervierfachen.

Doch wie sieht es mit der Ersparnis bei den Strom­kosten aus, wenn schon bei der elek­tri­schen Arbeit keine möglich sind? Das ginge – aber vorerst nur in der Theorie. Denn ein intel­li­genter Kühl­schrank könnte dann laufen, wenn der Strom billig ist. Doch das ist er in Detuschland so gut wie nie. Spezielle Nacht­strom­tarife, die früher jedes Stadtwerk allein schon wegen der vielen Nacht­spei­cheröfen bot, gibt es nicht mehr, ebenso wie die Nachtspeicheröfen.

Politik denkt zentral, nicht smart

Bliebe noch der Eigen­ver­brauch selbst erzeugten Stroms, der durch Smart Home äußerst effizient zu gestalten ist. Hat man die Inves­tition in eine PV-​Anlage oder ein BHKW und einen Strom­speicher gestemmt, kann man den dort erzeugten Strom einspeisen (lohnt sich bei einem BHKW noch) oder selbst verbrauchen (lohnt sich bei einer PV-​Anlage wegen mise­rabler Vergütung).

Ingrid Vogler sieht den aktuellen Rechtsrahmen von der Digitalisierung überholt. Fotos: Urbansky Digitalisierung, Smart Home, Smart Building, ProShape, Effizienz, GdW, Wohnungswirtschaft

Ingrid Vogler sieht den aktuellen Rechts­rahmen von der Digi­ta­li­sierung überholt. Fotos: Urbansky

Dumm nur, dass man nach derzei­tiger Rechtslage als Endver­braucher gilt und die gesamte Abga­benlast, die ein normaler Strom­kunde hat, ebenfalls schultern muss. „Die Politik hat kein Interesse, dass lokal erzeugte Energie auch vor Ort verbraucht wird“, beklagte beim ProShape-​Smposium Ingrid Vogler vom Wohnungs­wirt­schafts­verband GdW genau diesen Umstand, auch wenn Signale aus dem Bundes­wirt­schafts­mi­nis­terium hier zumindest eine Abmid­lerung versprechen.

Rechts­rahmen von Digi­ta­li­sierung überholt

So gesehen kann Smart Home im Strom­be­reich weder Kosten sparen noch Strom­mengen. Damit dies gelingt, braucht es eines grund­sätzlich geän­derten recht­lichen Rahmens. Vogler meint, dass die Digi­ta­li­sierung den Rechts­rahmen überholt habe. Ein kleiner Trep­penwitz dabei ist, das ProShape, bei dem immerhin die Verbrauchs­daten von 224 Wohnungen erhoben wurden, rechtlich in einer Grauzone stattfand. Erst dass kürzlich beschlossene Gesetz zur Digi­ta­li­sierung der Ener­gie­wende hob es auf einen legalen Boden. Doch selbst der ist wacklig. Aber dazu später mehr an dieser Stelle.


Mit dem Smart home befasst sich auch Energieblogger-​Kollege Björn Katz hier auf seinem Blog Strom­aus­kunft.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

2 Kommentare

  1. Roland Neumann

    Sehr guter Beitrag! Das mit dem Standby-​Strom hatte ich noch gar nicht auf dem Schirm – es ist ein weiteres Argument gegen den smarten Irrsinn, welcher derzeit keine Entlastung bringt, sondern nur weitere Belas­tungen. Bis dass das Smart­meter im privaten Bereich auch wirklich etwas unterm Strich bringt (außer zusätz­licher Daten­er­hebung, die keiner wirklich möchte), werden wohl noch etliche Sonnen­auf­gänge vergehen.

    • Frank Urbansky

      Weise gesprochen, Herr Neumann, so ist es. Vor diesem Hinter­grund macht der Smart Meter Rollout überhaupt keinen Sinn, zumal dort eigentlich eine veraltete Zähler­technik imple­men­tiert wird.

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