Die Energiewirtschaft hat bei den PV-Ausschreibungen die Nase vorn. Foto: EnBW / Uli Deck

Letzte PV-​Ausschreibung würgt Bürger­en­ergie ab

von | 13. Dezember 2016

Die sechste und letzte PV-​Ausschreibung für Frei­flächen nach altem Recht war vollends desil­lu­sio­nierend für die Ener­gie­wende in Bürgerhand. Die Ergeb­nisse wurden im Dezember von der Bundes­netz­agentur (BNetzA) veröffentlicht.

Bezu­schlagt wurden demnach insgesamt 27 Projekte mit 165 MW Gesamt­umfang.
Der Zuschlag erfolgte dieses Mal ausschließlich an auf PV-​Energie spezia­li­sierte Projekt­ent­wickler und ‑betreiber, darunter illustre Namen wie DSW Solar, Enerparc oder IBC Solar. Juris­tische Einzel­per­sonen oder Genos­sen­schaften kamen gar nicht zum Zuge. Die Akteurs­vielfalt, wie von vielen Kritikern des Auschrei­bungs­mo­dells befürchtet, leidet also nicht nur, sie wird zugunsten einer einzigen Art von Projekt­ent­wicklern regel­recht einge­schränkt. Diese agieren übrigens fast ausschließlich als AG, GmbH oder GmbH & Co KG.

Kaum noch Ausschlüsse

Das zeigt sich auch indirekt an der Ausschluss­quote von weniger als 10 %. Die wird von der BNetzA bejubelt, da sie in der Vergan­genheit teils deutlich höher lag. Sie ist eher ein Indiz dafür, dass sich andere Akteure als die Projekt­ent­wickler schon gar nicht mehr die Mühe machen, sich an einer­Aus­schreibung zu betei­ligen, weil sie zuvor entweder ausge­schlossen wurden oder keinen Zuschlag erhielten.

Immerhin – der Zuschlagswert liegt bei 6,90 ct/​kWh und ist damit zur Vorrunde (7,25 ct/​kWh) erneut gesunken. Der höchste Gebotswert, der noch einen Zuschlag erhalten konnte, lag mit 7,17 ct/​kWh leicht unter dem Durch­schnittswert der Vorrunde. Der nied­rigste Gebotswert lag bei 6,26 ct/​kWh.

Zukünftig Bürger­wind­pro­jekte an Land?

Ab kommenden Jahr gelten neue Ausschrei­bungs­richt­linien auf Grundlage des neuen EEG. Für die dann geltenden Ausschrei­bungen für alle PV-​Anlagen und Onshore-​Wind-​Anlagen ab 750 kW sowie Biomasse ab 150 kW war das bisherige PV-​Freiflächenmodell mit leichten Abwand­lungen das Vorbild.

In Zukunft wird jedoch die regionale Vermarktung des erzeugten Stroms möglich sein. Zudem gelten Sonder­re­gelung für Bürger­wind­pro­jekte, etwa, wenn mindestens zehn Bürger eines Land­kreises gemeinsam mit der Gemeinde oder dem örtlichen Stadtwerk einen Windpark von bis zu sechs Wind­kraft­an­lagen errichten wollen.

Ob das ausreicht, die durch die Ausschrei­bungen komplett abge­würgte Bürger­en­er­gie­wende wieder in Gang zu bringen, bleibt abzuwarten.


Durch das neue EEG wird die Energie in Bürgerhand weiter behindert. Für letztere such Energieblogger-​Kollege Kilian Rüfer hier Koope­ra­ti­ons­partner.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

0 Kommentare

EnWiPo
EnWiPo
„PV-​Recycling funk­tio­niert nur in Teilen gut”

„PV-​Recycling funk­tio­niert nur in Teilen gut”

Der Photovoltaik-Boom wirft zwangsläufig die Frage nach dem Recycling von Modulen auf. In Europa und weltweit werden immer mehr Anlagen ans Netz gebracht. Gleichzeitig erreichen die ersten großen PV-Installationen aus den 2000er- und frühen 2010er-Jahren ihr...

Kommunale Förderung für Ener­gie­wende vor Ort

Kommunale Förderung für Ener­gie­wende vor Ort

Kommunale Förderprogramme können Lücken schließen, wenn Zuschüsse auf Bundesebene sinken oder auslaufen. Doch viele Angebote werden pausiert oder eingestellt – dadurch entscheidet zunehmend der Wohnort über die finanzielle Unterstützung. Förderprogramme von Städten...

Programm für „Fuels of the Future“ 2027 in Berlin steht

Programm für „Fuels of the Future“ 2027 in Berlin steht

Wie können erneuerbare Kraftstoffe zum Klimaschutz im Verkehr und zu einer sicheren Energieversorgung beitragen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die 24. Internationale Fachkonferenz „Fuels of the Future“ im CityCube Berlin am 18. und 19. Janaur 2027. Das Programm...

Der große Schwamm fürs Wohnquartier

Der große Schwamm fürs Wohnquartier

In diesem Sommer purzelten die Temperaturrekorde in Deutschland reihenweise. Und einmal mehr stellte sich die Frage, wie Wohngebäude und ganze Quartiere gegen künftig wohl häufigere Hitzewellen resilient gestaltet werden können. Beispiele aus der Praxis zeigen: Schon...