#ISH2017: Digitalisierung ja, aber bitte keinen Standard

Viessmann reüssierte auf der ISH2017 mit einer virtuellen Show, die auf die Chancen der Digitalisierung für die SHK-Branche verwies. Foto: Urbansky
Viessmann reüssierte auf der ISH2017 mit einer virtuellen Show, die auf die Chancen der Digitalisierung für die SHK-Branche verwies. Foto: Urbansky

Die Digitalisierungsluft war auf der ISH 2017 zum Schneiden dick. Jeder Heiztechnikhersteller hat sich für die Frankfurter Branchenschau das Digi-Thema auf die Fahnen geschrie­ben.

Was auf­fällt: Ähnliche Technik bedingt ähn­li­che Lösungen. So ist die Digitalisierung nicht nur auf den Heizkessel selbst beschränkt, son­dern umfasst den gan­zen Vermarktungskreislauf – ange­fan­gen von der Akquise über die kon­krete Angebotserstellung bis hin zur Installation beim Kunden, des­sen Anlage dann in Zukunft intel­li­gent über­wacht wer­den kann, ohne dass der Handwerker gleich anrü­cken muss.

Probleme programmiert

So weit, so gut. Was aber eben­falls auf­fällt, ist, dass jeder Hersteller einen eige­nen Standard ent­wi­ckelt. Aus Gründen etwa des Know-how-Schutzes mag dies ver­ständ­lich sein. Da die Lösungen von Viessmann, Buderus oder Vaillant und Co. tat­säch­lich sehr ähn­lich sind, kann es mit dem Know-how-Schutz aber wie­derum auch nicht so dolle sein. Programmiert sind durch diese ver­schie­de­nen Standards aber diverse Probleme für die Zukunft.

Deswegen ein Blick in einen ganz ande­ren Bereich – der E-Mobilität. Die  hat es – neben vie­len ande­ren Gründen – auch des­we­gen so schwer, weil für die Ladeinfrastruktur mehre Standards exis­tie­ren. Zwar wurde in der EU der Meneckes- oder Typ-2-Stecker als Ladestandard für Wechselstrom fest­ge­legt. Dennoch fin­den sich an vie­len Zapfsäulen noch der asia­ti­sche Standard CHAdeMo und andere. Für Wechselstrom fin­den sich 6 Standards inklu­sive der 230-Volt-haushaltssteckdose, die für das Laden in Frage kom­men und auch ange­wen­det wer­den. Der Typ-2-Stecker ist also noch längst nicht allei­ni­ger Standard. Hinzu kom­men noch die Standards beim Schnellladen wie CCS oder das kom­plett eigen­stän­dige System von Tesla.

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Gerade beim Wechselstrom wurde – ebenso wie jetzt in der Heizungsindustrie – jah­re­lang von den Autoherstellern neben­ein­an­der her­ge­wer­kelt. Jeder ent­wi­ckelte fast einen eige­nen Standard. Im Endeffekt müsste ein E-Mobil-Besitzer einen gan­zen Sack voll Adapter mit sich füh­ren, um auch ja sicher an der nächs­ten Zapfsäule tan­ken  zu kön­nen. Und selbst das muss nicht immer funk­tio­nie­ren.

Zwar ist es mit der Haustechnik etwas anders. Die digi­ta­li­sier­ten Heizungen las­sen sich natür­lich per SGReady-Schnittstelle oder auch in einen KNX-Standard ein­pas­sen. Das wie­derum zielt jedoch nur auf die Lösung vor Ort, nicht auf eine volks­wirt­schaft­li­che Betrachtungsweise, die eben auch bei der Ladeinfrastruktur fehlte.

Für VKW wird es schwer

Ein Beispiel: Heute ein­ge­baute Heizkessel las­sen sich für Power-to-Heat aus­rüs­ten. Würden alle auf einem ein­heit­li­chen Standard fußen (übri­gens hat Pumpenspezialist auch digi­ta­li­siert und – welch Wunder – der Standard ist mit kei­nem der Heizungshersteller, für die ja Wilo die Pumpen baut, kom­pa­ti­bel), kann man diese Heizungen ein­fa­cher zur vir­tu­el­len Kraftwerken (VKW) zusam­men­kop­peln.

Das wie­derum ermög­licht eine Teilnahme am Regelenergiemarkt (auch wenn der aktu­ell finan­zi­ell kaum attrak­tiv ist) und könnte die Kessel mit über­schüs­si­gem Wind- oder PV-Strom auf­hei­zen. Denn auch ein Trend der ISH 2017 ist: Gas- und Ölkessel blei­ben wei­ter­hin domi­nant im Wärmemarkt. Genau für die wäre ein gemein­sa­mer Standard zur Einkopplung Erneuerbarer Energien wie gemacht. Er würde das Prozedere deut­lich ver­ein­fa­chen.

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Sinnvoll wäre es, wenn unter dem Dach des Branchenverbandes BDH ein gemein­sa­mer Standard für alle Heizungstypen in der Digitalisierung ent­wi­ckelt würde. Vorbilder gibt es ja genug, etwa eben die Ladeinfrastruktur, bei der sich die Branche letzt­lich auch auf einen Steckertypen geei­nigt hat, oder der schon erwähnte KNX-Standard, der unter Leitung von 9 füh­ren­den euro­päi­schen Elektronik-Unternehmen seit 1999 ent­wi­ckelt wurde und dem sich inzwi­schen 400 Firmen welt­weit ange­schlos­sen haben.


Meine Energieblogger-Kollegen haben hier schon ihre Beiträge zur ISH 2017 gepos­tet: