Kohlekraftwerke, hier Lippendorf bei Leipzig, sind ein Symbol für fehlende Nachhaltigkeit, Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung. Foto: Frank Urbansky

Ist die Ener­gie­wende umsetzbar?

von | 11. Januar 2021

Schon seit einigen Jahren sind erneu­er­baren Energien ein Thema in Medien, Gesell­schaft und Politik. Immer wieder wird beschworen, dass die Trend­wende zur alter­na­tiven Ener­gie­ver­sorgung voran­ge­trieben und umgesetzt werden muss. Und tatsächlich gibt es national und inter­na­tional mitt­ler­weile eine ganze Reihe an Fort­schritten. Doch je weiter die Ener­gie­wende voran­schreitet, umso stärker mehren sich die Stimmen die darauf hinweisen das eine totale Wende, so wie sie die Politik immer mehr voran­treibt, derzeit nicht komplett umsetzbar ist. Bleibt der Wechsel hin zur kompletten Versorgung durch alter­native Energien also letzt­endlich nur ein hehres Ziel?

Ehrgeizige Ziele der Bundesregierung

Dass die Regierung in Deutschland schon seit längerem die Ener­gie­wende mit Nachdruck voran­treibt ist unbe­stritten. Schon vor etlichen Jahren hat die Bundes­re­publik nicht nur den Ausstieg aus der Stein­kohle, sondern nach der Kata­strophe von Fukushima auch aus der Atom­energie beschlossen. Diese ohnehin schon sehr ambi­tio­nierten Pläne sind aber nur ein Teil der lang­fris­tigen Ziele des deutschen Staates. Klima­neu­tra­lität ist mitt­ler­weile eine der großen Stich­wörter die – ebenso wie Elek­tro­mo­bi­lität – zu den neuen Schlag­wörtern bei vielen Staaten innerhalb Europas gehören. Auch hier versucht die Bundes­re­gierung sich als Vorreiter zu präsen­tieren und hat dazu ein umfang­reiches Maßnah­men­paket in Gang gesetzt.

Alle Bereiche von Wirt­schaft und Gesell­schaft betroffen

Das mit der Umsetzung der ehrgei­zigen Ziele der Bundes­re­gierung erheb­liche Verän­de­rungen auf die Wirt­schaft zukommen würden war schon seit längerem bekannt. Betroffen sind von diesen Umwäl­zungen – die von vielen auf eine Stufe mit der indus­tri­ellen Revo­lution gestellt werden – ausnahmslos alle Bereiche – ange­fangen von der Ener­gie­wirt­schaft über Transport ‑und Verkehr bis hin zum produ­zie­renden Gewerbe. Und auch die Unter­nehmen, die augen­scheinlich nicht direkt betroffen sind werden trotzdem die Auswir­kungen der neuen klima­po­li­ti­schen Ziele der Bundes­re­gierung zu spüren bekommen. Unter­nehmen müssen zusätz­liche Filter einbauen, höhere Strom- und Brenn­stoff­kosten werden Produkte und Dienst­leis­tungen teurer machen und sogar Casino Spiele im Internet werden unter Umständen im Preis steigen.

Dadurch das in Bereichen wie Strom und Transport die Kosten steigen, werden die Folgen wohl auch für die Gesell­schaft insgesamt deutlich spürbar werden. Elek­tro­autos werden in einigen Jahr­zehnten die Straßen befahren. Lade­säulen für Elek­tro­autos und E‑bikes werden wohl zum stan­dard­mä­ßigen Alltagsbild gehören, ebenso wie Windräder und Solaranlagen.

Zweifel an der Realisierbarkeit

Ob die Ziele der Bundes­re­publik so – in dem von ihr geplanten Umfang – aber überhaupt umsetzbar sind wird von vielen Verbänden und Insti­tu­tionen stark ange­zweifelt. Haupt­kri­tik­punkt ist dabei die Tatsache, dass durch die Abschaltung von Kohle- und Atom­kraft­werken eine große Menge an Strom­erzeugern wegfallen. Aktuell besteht die Möglichkeit die fehlenden Strom­mengen verhält­nis­mäßig günstig aus dem Ausland zu beziehen. Diese Kapa­zi­täten werden aber wohl in naher Zukunft wegfallen, wenn auch die anderen Länder vermehrt auf Elek­tro­mo­bi­lität und Alter­na­tiv­strom setzen. Dann wird es umso mehr notwendig, dass Windräder, Biomasse und Solar­an­lagen den dringend benö­tigten Strom liefern. Viele Experten sehen das aller­dings kritisch, da verschie­denen Unter­su­chungen ergeben haben, dass wahr­scheinlich nicht mehr wie 40 bis 60 % des dann benö­tigten Stromes zur Verfügung stehen kann. Ob fehlender Strom dann auch über größere Distanzen und mittels Speichern aufbe­wahrt werden kann, ist ebenfalls fraglich, was für viele Fachleute die Verwendung von Wasser­stoff weitaus stärker in den Vorder­grund rücken lässt.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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