Wird nun auch Stromhändler: die VNG in Leipzig. Foto: Urbansky

VNG auf dem Weg zum Energiekaufhaus?

von | 5. Februar 2016

Die VNG wird ins Strom­ge­schäft einsteigen. Ende Januar wurde die Übernahme einer deutschen Gazprom-​Stromhandelstochter ange­kündigt. Bisher war so etwas unvor­stellbar. Der Kurs des lang­jäh­rigen VNG-​Chefs Klaus-​Ewald Holst bestand in einer Fokus­sierung auf das Gasge­schäft von Up- bis Down­stream. Nach und nach baute der einstmals reine Importeur und Groß­händler ein Förder­ge­schäft in Norwegen auf und war somit auch im Upstream aktiv. Später kam im Downstream-​Bereich die Übernahme der Goldgas hinzu.

Während die Förder­ak­ti­vi­täten nach wie vor ein Verlust­ge­schäft sind, erbringt die Goldgas-​Tochter einen kleinen Gewinn. Wirklich profi­tabel ist derzeit nur das Gastrans­port­ge­schäft der Tochter Ontras. Schon auf der letzten Bilanz­pres­se­kon­ferenz konnte nur ein Über­schuss verkündet werden, weil die Betei­ligung an einem Thüringer Gastrans­port­un­ter­nehmen veräußert wurde. Die Gewinne der Ontras werden wohl nun die Verluste der anderen Konzern­be­reiche, auch der Spei­cher­ge­schäfts ausgleichen, obwohl letztes nach einem Bericht meines Kollegen Stefan Schröter nicht ganz so schlecht aufge­stellt zu sein scheint. Grund genug für eine Verlust­warnung für das letzte Geschäftsjahr. Gewinne wird es wohl für 2015 nicht geben.

Mit dem Einstieg ins Strom­ge­schäft nun geht die VNG einen Weg hin zu Vollversorgungs-​Energielieferanten für leitungs­ge­bundene Energien wie E.ON, RWE oder Mutter EnBW, auch wenn diese erst durch die Übernahme der VNG ins Gasge­schäft einsteigen konnte.

Dennoch: Ob der neue Geschäfts­be­reich alsbald nennens­werte Gewinne abwirft, ist fraglich. Denn der Strom­markt im Endver­brau­cher­be­reich ist hart umkämpft. In jedem Teil Deutsch­lands kann man locker unter mindestens 80 Anbietern einen passenden Tarif wählen. Hilfreich dabei könnte jedoch Neu-​Mutter EnBW sein. Denn die war bisher ein reiner Strom­ver­sorger und dürfte über entspre­chendes Know-​how verfügen und damit der einstigen Gazprom-​Strom-​Tochter den Markt­ein­tritt erleichtern.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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