Alternative Kraftstoffe im Praxisvergleich

Quasi aus der Luft wird sunfire in Dresden hergestellt. Foto: Sunfire
Quasi aus der Luft wird sunfire in Dresden hergestellt. Foto: Sunfire

Biokraftstoffe sind umstrit­ten. Ihr Absatz in Deutschland liegt zwar kon­stant mit rund 3,5 Mio. Tonnen bei rund 5,2 Prozent am gesam­ten Spritverbrauch. Doch die Herkunft von Bioethanol und -die­sel ruft immer wie­der Widerspruch her­vor. Die Branche sucht des­we­gen nach neuen Wegen. Werden diese auch für den Energiehandels-Mittelstand gepflas­tert sein?
Die neuen Bio-Kraftstoffe der 2. Generation die­nen in ers­ter Linie dem glei­chen Zweck wie die alten: der Substitution von Diesel und Benzin. Kein Wunder, wer­den diese noch die nächs­ten Jahrzehnte den Mobilitätssektor prä­gen. Allein auf­grund ihrer hohen Energiedichte ist dies unver­zicht­bar. Deswegen erscheint ein Ersatz aus rege­ne­ra­ti­ven Quellen, aber eben mit ähn­li­chen phy­si­ka­li­schen und che­mi­schen Parametern mehr als ange­bracht. Generell sind drei Herstellungsverfahren denk­bar, die teils indus­tri­ell, teils in Testanlagen genutzt wer­den – Hydrierung aus Pflanzen- und Altfetten (HVO), Power-to-Liquid (PtL) und Biomass-to-Liquid wie etwa Bioethanol aus Stroh (BtL).

Diesel aus Pflanzenölen und Altfett

Der fin­ni­sche Biokraftstoff-Pionier Neste setzt seit Jahren schon auf Kraftstoffe aus Pflanzenölen und Abfallfetten, also auf HVO. Der so gewon­nene rein par­af­fi­ni­sche Kraftstoff ent­spricht che­mi­sch gese­hen einem Shell GTL und dient als Dieselersatz. …

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Für das Blending wird der als NExBTL bekannte Kraftstoff auch jetzt schon genutzt, und zwar mit 400.000 Tonnen in Deutschland. In Österreich und Schweden wird er auf Grund der dor­ti­gen Gesetzeslage als Reinkraftstoff für LKW und Busflotten ein­ge­setzt. Die ers­ten Autohersteller haben HVO oder par­af­fi­ni­schen Diesel nach der Vornorm EN 15940 frei­ge­ge­ben. Eine Verwendung in der che­mi­schen Industrie sei eben­falls vor­stell­bar, so Dörr. Immerhin wer­den schon 2,4 Millionen Tonnen jähr­lich pro­du­ziert. …

Sunfire aus der Luft

Ebenfalls als Dieselsubstitut ist Sunfire kon­zi­piert. Die Dresdner ent­wi­ckel­ten einen Kraftstoff auf PtL-Grundlage und nutz­ten dabei die Erfahrungen des pleite gegan­ge­nen Unternehmens Choren. Einfach gesagt sol­len mit­tels Strom und Elektrolyse aus Luft und reich­lich C02 Kohlenwasserstoffe ent­ste­hen.

Genutzt wird dabei die rever­si­ble Hochtemperatur-Elektrolyse, die von Sunfire ent­wi­ckelt wurde. Großer Unterschied zur klas­si­schen Elektrolyse: Zur Erzeugung des Wasserstoffs wird nicht flüs­si­ges Wasser, son­dern Wasserdampf bei Betriebstemperaturen von 800 Grad Celsius ver­wandt. Dieser Teil wurde gemein­sam mit dem Flugzeughersteller Boeing erprobt. Daran schließt sich eine Fischer-Tropsch-Synthese an. Die dabei ent­ste­hende Abwärme wird wie­derum zur Verdampfung des Wassers ein­ge­setzt. …

Bislang wird die­ser Blue Crude genannte Kraftstoff noch nicht ver­mark­tet. Es läuft aber seit gut einem Jahr ein Pionierprojekt mit Audi. Die Ingolstädter haben einen ers­ten Teil der ers­ten Produktion von Sunfire-Diesel erhal­ten. Daher gab es auch die Betankungen von Diesel-Autos in Deutschland und der Schweiz. Derzeit lie­gen noch keine Langzeiterfahrungen mit dem PtL-Diesel vor. …

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Stroh zu Ethanol

Aus Stroh Gold spin­nen, oder zumin­dest Bioethanol, der dann Benzin bei­ge­mischt wird, kann man in Straubing. Dort hat die schwei­ze­ri­sche Clariant AG seit 2012 eine vor­kom­mer­zi­elle Anlage lau­fen und pro­du­ziert mit­tels der eigen ent­wi­ckel­ten sunliquid-Technologie Zellulose-Ethanol, eben jenen Kraftstoff der 2. Generation, der nur aus Pflanzenreststoffen, die ohne­hin anfal­len, her­ge­stellt wird. Die Anlage ist auf 1000 Tonnen „Strohbenzin“ oder genauer Zellulose-Ethanol im Jahr aus­ge­legt, für rund die 4.500 Tonnen Agrarreststoffe, dar­un­ter auch  Zuckerrohr-Bagasse,
benö­tigt wer­den. …

Im letz­ten Jahr wurde ein Mix von 20 Prozent sunliquid-Zellulose-Ethanol und 80 Prozent Super-Benzin getes­tet. Deutschlands Premium-Hersteller Mercedes-Benz stellte dafür eine Flotte zur Verfügung. Durch seine erst­klas­si­gen Verbrennungseigenschaften glich der sunliquid-Treibstoff die gerin­gere Energiedichte aus und redu­zierte gleich­zei­tig die Partikelemissionen um die Hälfte. …


Geschrieben für Brennstoffspiegel. Der voll­stän­dige Beitrag ist nur in der Ausgabe 03/2016 zu lesen. Zum kos­ten­freien Probeabo geht es hier.

Einen Beitrag über den aktu­el­len Stand welt­weit bei der Elektromobilität,dem ande­ren gro­ßen Energiewende-Treiber im Mobilitätssektor, hat mein Energieblogger-Kollege Björn Katz hier auf dem Blog Stromauskunft ver­fasst.