Foto: Mejidori / Wikimedia

Zu teuer und ungeliebt: Biodiesel-​Absatz bricht ein

von | 26. November 2015

Aktuell beklagt Verband der Deutschen Biokraft­stoff­in­dustrie (VDB) einen Rückgang des Biodiesel-​Absatzes gegenüber 2010 um 21 %. Das ist natürlich eine Haus­ordnung, zumal gleich­zeitig der Diesel­absatz um 12 % zunahm. Doch wirklich über­rascht kann über diese Entwicklung niemand sein. Der Absatz geht seit Jahren konti­nu­ierlich zurück.

Grafik: VDB

Grafik: VDB

Zwar gibt es in Deutschland eine vorge­schriebene Beimi­schungs­quote von bis zu 7 % zum Petro-​Diesel. Doch die muss nicht in jedem Falle erreicht werden. Zudem: Seit 2011 wird Biodiesel, der aus Altfetten und ‑ölen herge­stellt wird, doppelt ange­rechnet, da er keine extra dafür ange­bauten Ener­gie­pflanzen nutzt – ein Tribut an die Tank-​Teller-​Diskussion.

Doch auch generell ist der Biodiesel wie andere Kraft­stoffe auf nach­wach­sender Basis bei der Politik nicht mehr allzu beliebt. Neben der wähler­wirk­samen Tank-​Teller-​Diskussion ist da noch das Phänomen der indi­rekten Landinan­spruch­nahme (iLuc). Das stellt für Biodiesel ange­bauten Pflanzen wie Raps oder Soja ein eher schlechtes Zeugnis in Sachen Nach­hal­tigkeit aus.

Und dann wäre ja noch das wich­tigste Argument für den Rückgang. Da wir nun mal in kapi­ta­lis­ti­schen Zeiten leben, dreht sich alles um den Preis. Und der ist für Diesel biogener Art durch­gängig höher als der für mine­ra­lisch erzeugten. Aktuell liegt der Preis inkl. Energie- aber ohne Mehr­wert­steuer für die Biova­riante bei 1,22 Euro je Liter. Ein Blick an die Tank­stelle reicht um zu sehen, dass dies deutlich teurer ist als herkömm­licher Diesel. Kein Wunder, liegen doch die Produk­ti­ons­kosten etwa doppelt so hoch.

Emis­sionen im Verkehr wachsen

Kein Wunder auch, dass die Branche nach weiteren Hilfe­stel­lungen seitens der Politik ruft. Dabei hat sie sogar recht, denn der Treib­haus­gas­ausstoß im Verkehrs­sektor ist in den vergan­genen Jahren, anders als im Strom- und Wärme­be­reich, gewachsen. Und dieser sollte ja mal mittels Bio-​Kraftstoffen eigentlich reduziert werden.

Doch Hilfe wird es nicht geben. Denn, wie der Verband schon richtig bemerkte, kommen Biokraft­stoffe in dem ebenfalls in der vergan­genen Woche veröf­fent­lichten „Klima­schutz­be­richt 2015“ des Bundes­um­welt­mi­nis­te­riums praktisch nicht mehr vor.

Vorschaubild: Mejidori /​Wikimedia

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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