Beratung soll mehr Energieeffizienz ins Heim bringen. Foto: Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks

Regierung zur Wärme­wende: Wir schaffen mehr als das

von | 4. Dezember 2015

Die Bundes­re­gierung ist äußerst opti­mis­tisch, was die Wärme­wende anbe­trifft. Der „Zweite Erfah­rungs­be­richt zum Erneuerbare-​Energien-​Wärmegesetz“ lässt sich nicht anders deuten: Mit anderen Worten: „Wir schaffen das“ gilt auch für diesen Bereich des Poli­ti­schen. Demnach könnte das – wenn auch wenig ambi­tio­nierte – Ziel, bis 2020 14 % Erneu­erbare Energien im Wärme- und Kälte­be­reich zu haben sogar um 2,3 % über­troffen werden.

Immerhin räumt die Regierung ein, dass es im Wärme- und Kälte­markt noch Poten­ziale und auch Bedarf zum verstärkten Einsatz erneu­er­barer Energien gebe. Kein Wunder, immerhin gehen 58 % der hier­zu­lande verbrauchten Energie genau in diesem Bereich drauf. Lob gibt’s in diesem Zusam­menhang für das Erneuerbare-​Energien-​Wärmegesetz (EEWärmeG).

Doch hält diese Euphorie auch der Wirk­lichkeit stand? Der Bericht gibt einige Antworten:

  • 90 % der Wärme­er­zeuger nutzen fossile Technologien
  • 2014 wurden mehr­heitlich Gashei­zungen verkauft
  • Erneu­erbare Wärme­er­zeuger hätten seit einigen Jahren einen relativ konstanten Anteil von rund 12,2 % am Gesamt­absatz der Heizungsanlagen
  • Mit großem Abstand am meisten genutzt würden dabei Brenn­stoffe aus Biomasse, sprich Holz, das jedoch wegen der dabei erzeugten Fein­staub­bildung auch umstritten ist
  • In 81 Prozent der neu geneh­migten Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häuser wurden erneu­erbare Energien als alleinige Erfül­lungs­option oder in Kombi­na­ti­ons­lö­sungen eingeplant
  • Bei neu geneh­migten Nicht­wohn­ge­bäuden (Büro‑, Verwaltungs- und Betriebs­ge­bäude) wurden dagegen rund 61 % aus der Nutzungs­pflicht erneu­er­barer Energien ausgenommen
  • Bei den übrigen Gebäuden sei in der Hälfte der Fälle auch der Einsatz erneu­er­barer Energien einge­plant worden, was nach Ansicht der Bundes­re­gierung auf weitere, noch unge­nutzte Poten­ziale schließen lässt

Zur Wirt­schaft­lichkeit der mit erneu­er­baren Energien betrie­benen Wärme­an­lagen heißt es, diese könnten Wärme bereits vielfach zu vergleich­baren Kosten bereit­stellen wie Anlagen, die fossile Ener­gie­träger wie Öl oder Gas verwenden würden. Den typi­scher­weise höheren Inves­ti­ti­ons­kosten würden deutlich nied­rigere Betriebs­kosten gegen­über­stehen. Bei den aktuell niedrigen Ölpreisen und den in Folge wohl sinkenden Gaspreisen und derzeit stei­genden Kosten für Pellets ist dies jedoch eine Milchmädchenrechnung.

Kleines Fazit: Die wohl erreich­baren 16,3 % Erneu­erbare im Wärme­markt in 5 Jahren fußen vorrangig auf Holz. Die Bilanz der Bundes­re­gierung ist zudem durch die aktuellen Verwer­fungen auf den Öl- und Gasmärkten zumindest verzerrt und bietet kein realis­ti­sches Bild. So ist 2015 der Wärme­er­zeuger, der die höchsten Stei­ge­rungs­raten aufzu­weisen hat, die Ölheizung mit 30 % , während Solar­thermie (-13 %) und Pellet­hei­zungen (-19 %) Einbrüche erleben.

Nach Angaben des BDH sah die Bilanz zum August 2015 bei den verkauften Wärme­er­zeugern wie folgt aus:

Ener­gie­träger Anzahl 2015
(bis August)
Verän­derung
gegenüber 2014
Gas/​Öl 380.000 Stck + 8 %
Biomasse 18.500 Stck - 18 %
Wärme­pumpen 35.500 Stck - 5 %
Solar­thermie 539.500 m² -13 %

Sollte diese Entwicklung anhalten, wird das die Wärme­wende unwei­gerlich ausbremsen.

Vorschaubild: Bundes­verband des Schornsteinfegerhandwerks

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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