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Ener­gie­kosten sparen: Heizöl so günstig wie vor 10 Jahren

von | 16. Dezember 2015

Die Agora Ener­gie­wende rechnet nach Schät­zungen der European Climate Foun­dation, dass 2015 die deutschen Verbraucher rund 9 Milli­arden Euro an Ener­gie­kosten sparen. „Rechnet man die ersten elf Monate auf das Jahr hoch, lagen die Kosten, die Verbraucher für Energie tragen, bereits 6,6 % unter dem Niveau von 2014“, so der ener­gie­po­li­tische ThinkTank. Da die Ener­gie­preise seit Anfang Dezember weiter sanken, dürfte das Minus tatsächlich sogar noch etwas größer ausfallen.

Doch an dem Preis­verfall ist nur ein Ener­gie­träger schuld – Rohöl. Dessen langsam histo­risch zu nennender Preis­verfall hält seit Mitte 2014 konti­nu­ierlich an. Zum Vergleich: Im Juni 2014 kostete ein Fass Rohöl (WTI) rund 109 US-​Dollar, aktuell sind es 38 US-​Dollar – ein Preis­verfall von 75 %. Heizöl gab im gleichen Zeitraum von 83 Eurocent je Liter (3000 Liter Liefer­menge) auf 46 Eurcent nach, das sind 45 % weniger und in etwas so viel wie im Jahr 2005. Dies ist auch eine schlechte Nachricht für die Erneu­er­baren Energien im Wärme­sektor. Derzeit ist Heizöl (4,34 Eurocent je kWh) sogar billiger als Pellets (4,80 Eurocent je kWh).

Von dieser Entwicklung profi­tierten auch die Flüs­sig­gas­heizer. Denn ihr Brenn­stoff ist letztlich ein Abfall­produkt des Raffi­ne­rie­pro­zesses. Kostete die kWh im Juni 2014 noch rund 8,5 Eurocent, müssen aktuell dafür nur noch 5,15 Eurocent bezahlt werden – immerhin rund 30 % weniger. 2016 wird die Entwicklung aller Voraus­sicht nach anhalten und zumindest für dauerhaft niedrige Mine­ral­öl­preise sorgen.

Für Zentral­heizung und Fernwärme mussten die Verbraucher mit 5 % ebenfalls deutlich weniger zahlen.

Die Strom­preise blieben hingegen stabil.

Erdgas gab nur gering­fügig nach. Im Juni 2014 lag der Groß­han­dels­preis bei 2,60 Eurocent je kWh, fiel zwar kurz­zeitig auf 2,20 Eurocent im Januar 2015, liegt derzeit bei 1,65 Eurocent. Auf die Verbrau­cher­preise und damit auf die o.g. Schätzung hatte dies jedoch kaum Einfluss,da die Endver­brau­cher­preis eim gleichen Zeitraum gerade mal um 2 % zurück­gingen. In Zukunft ist hier jedoch mit weiteren – verbrau­cher­freund­lichen – Anpas­sungen zu rechnen. Somit wird die Verbrau­cher­er­sparnis so gut wie allein von dem Rückgang bei den Mine­ral­öl­pro­dukten getragen.

Am stärksten machte sich die Entlastung in Deutschland 2015 beim Verbrauch von Kraft­stoffen (minus gut 9 % gegenüber 2014) und Heizöl (minus 22 %) bemerkbar, deren Preise in der Tendenz stark von der Entwicklung der Ölmärkte abhängen“, schätzt die Agora und sieht gut 7 Milli­arden Euro der genannten Entlastung genau hier.

Vorschaubild: Urbansky

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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