Unser Gesprächspartner Wolfram Walter von ASD Sonnenspeicher beim Betanken seines E-Mobils. Foto: ASD Solar

PV-​Speicher: Egal ob Blei oder Lithium – alle Batterien sind gut

von | 3. Februar 2016

In unserer Serie zu Prot­ago­nisten des PV-​Speichermarktes folgt heute ein Interview mit Wolfram Walter, Geschäfts­führer von ASD Sonnen­speicher. Seine Prognose: Ab 2016 werden die Preise für Batterien zwar fallen. Dem stehen jedoch aktuell steigende Rohstoff­preise gegenüber. Diese werden insbe­sondere zur China getrieben, wo stark in die E‑Mobilität inves­tiert wird.


Ab wann erwarten Sie den breiten wirt­schaft­lichen Durch­bruch für Stromspeichersysteme?

Die Preise für Batterien gehen überhaupt nicht zurück. Das liegt auch daran, dass in China gerade massiv die E‑Mobilität gefördert wird. Die Auto­her­steller von dort kaufen sich bei Batte­rie­her­stellern ein, die Rohstoff­preise ziehen an. Deswegen werden wir Schwie­rig­keiten bei deren Beschaffung haben.

Wir haben ein System entwi­ckelt, wo die Batterien parallel und nicht in Reihen geschaltet werden (mehr dazu hier). Deswegen kann man ganz andere Batte­rie­typen einsetzen, die billiger sind. Ich sehe für unser System im nächsten Jahr schon einen deut­lichen Marktdurchbruch.

Welche Vorteile haben aus Ihrer Sicht Strom­speicher gegenüber Wärme­spei­chern, etwa der Power-​to-​Heat-​Technologie, die ja auch über­schüs­sigen PV-​Strom in Form von Warm­wasser speichern könnte?

Aus Strom kann man auch Wärme machen, aus Wärme keine Strom. Man ist also deutlich flexibler. Ein PV-​Modul hat einen deutlich höheren Wirkungsgrad als ein Solar­ther­mie­modul. PV funk­tio­niert im Sommer wie im Winter. Bei Solar­thermie muss man im Sommer Wärme wegbe­kommen. Schade um die Fläche auf dem Dach.

Welche grund­le­genden Unter­schiede sehen Sie zwischen der blei­ba­sierten und der Lithium-​basierten Speichertechnologie?

Es ist egal, alle Typen von Batterien die wir haben sind gut, denn alle speichern Strom. Blei hat einen schlech­teren Wirkungsgrad als Lithium, ich verschwende also Energie. Blei muss man zudem drei bis vier mal in 20 Jahren tauschen, Lithium einmal bis keinmal. Zudem sind die Bleiakkus viermal so groß und viermal so schwer. Dafür sind sie aber günstiger.

Welche Systeme haben Sie für die verschie­denen Wohnungs­größen im Angebot?

Unsere parallel geschal­teten Module, bestehen aus 1,2 kWh Spei­cher­ka­pa­zität und 1 kW Speicher. Wen ich drei Module zusam­men­schalte, sind das schon 9 kWh. Da wir mit unserem System parallel schalten, ist das unendlich skalierbar. Auf diese Basis disku­tieren wir gerade einen 30-​MW-​Speicher für England, der dort im Regel­leis­tungs­markt Anwendung finden soll.

Welche der Spei­cher­op­tionen – Haus­speicher oder Orts­netz­speicher – halten Sie grund­sätzlich für effektiver?

Beides funk­tio­niert gleich gut, beides hat iden­tische Wirkungs­grade. Aller­dings – wenn man viele Häuschen mit 5kW Peak auf dem Dach hat, dann gehört der Speicher in Keller und nicht in einen Orts­netz­speicher. Generell gilt aus meiner Sicht: Wenn großes Dach, dann großer Speicher

In welchem Fall halten Sie die Nach­rüstung von PV-​Anlagen mit Speichern zur Eigen­ver­wendung für sinnvoll, die bisher nur für die Einspeisung ausgelegt waren?

Ein Speicher ist immer eine Inves­tition in Alters­vor­sorge. Lang laufende PV-​Anlagen zahlen den Speicher ab. In 5 Jahren kommt eh niemand mehr dran vorbei, weil es dann keine Vergütung mehr gibt. Wenn ich aber nur 1 kW Peak auf dem Dach habe und im Jahr 6000 kWh verbrauche, lohnt sich dass nicht.

Welche Lösungen bieten Sie dafür an?

Unsere Module sind dafür auf jeden Fall geeignet, weil sie an jede Anla­gen­größe angepasst werden können

Gibt es dafür bereits Refinanzierungs-Rechnungen?

Momentan ist es so, dass die Kilo­watt­stunde Speicher-​Strom derzeit noch jenseits der 60 Cent kostet, das kann man es drehen und wenden wie man will. Das ist einfach zu teuer.
Wir werden aber jetzt deutlich mit den Preisen runter­kommen, wo sich die Speicher lohnen, dann können wir das auch berechnen.


Ein Beitrag zum Einsatz von Hoch­volt­bat­terien außerhalb der Mobilität findet sich bei meinen Energieblogger-​Kollegen von energie​-experten​.org.

Der erste Teil dieser Serie, „PV-​Speicher: Durch­bruch hat bereits statt­ge­funden”, findet sich hier.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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