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Energie-​Genossen brauchen neue Geschäftsfelder

von | 7. April 2016

Die Ener­gie­ge­nos­sen­schaften, eigentlich das Sinnbild einer dezen­tralen Ener­gie­wende in Bürgerhand schlechthin, brauchen neue Geschäfts­felder. Das ist das Ergebnis der Studie „Geschäfts­mo­delle für Bürger­en­er­gie­ge­nos­sen­schaften“ von Ener­gie­agentur Rheinland-​Pfalz und dem Landes­netzwerk Bürger­en­er­gie­ge­nos­sen­schaften Rheinland-Pfalz. 

Zwar ist das in Zeiten von Ausschrei­bungen für neue EE-​Projekte nichts neues, kommen doch die Genossen hier aufgrund des kompli­zierten Verfah­rens­weise und der hohen Vorlauf­kosten kaum zum Zuge.

Lokal ist Trumpf

Doch die Studie sieht auch Hoffnung. Denn für neue lokal und regional geprägte Geschäfts­felder seien die Genossen bestens aufge­stellt. Denn:

Ener­gie­ge­nos­sen­schaften weisen drei Stärken auf: Regio­na­lität, Trans­parenz und Gemein­schaft­lichkeit. Besonders die regionale Veran­kerung, die direkte Beziehung zu den Menschen in der Region und das aktive Mitge­stalten der Mitglieder können zum wichtigen Vorteil im Wett­bewerb werden.

Als mögliche neue Geschäfts­felder werden Ener­gie­ef­fi­zienz, Nahwärme Plus und E‑Mobilität identifiziert:

  • Ener­gie­ge­nos­sen­schaften als Strom­ver­sorger: Die Lieferung von Strom rundet das Angebot von Ener­gie­ge­nos­sen­schaften für ihre Mitglieder ab.
  • Nahwärme plus: Die Versorgung mit Nahwärme ist ein zukunfts­fä­higes, erwei­ter­bares Geschäfts­modell. Beispiele sind die Nutzung indus­tri­eller Abwärme, biosolare Nahwärme bis hin zu Quartierslösungen.
  • Ener­gie­ef­fi­zienz und Contrac­ting­mo­delle: Das Einspar­po­tential an Energie in Deutschland ist riesig. Genos­sen­schaften haben die Chance, mit kleinen Unter­nehmen, Vereinen und Kommunen diesen Markt zu erschließen
  • Elek­tro­mo­bi­lität: Die Batterien von Elektro-​Autos können über­schüs­sigen, dezentral erzeugten Erneu­er­baren Strom speichern. Gerade in länd­lichen und touris­ti­schen Regionen haben Ener­gie­ge­nos­sen­schaften gute Chancen für E‑Mobilitätsprojekte.

Diver­si­fi­zierung lebensnotwendig

Die Diver­si­fi­zierung der Geschäfts­felder, Koope­ra­tionen und weitere Profes­sio­na­li­sierung seien wichtige Entwick­lungs­trends. Der Erfolg von Ener­gie­ge­nos­sen­schaften hänge auch davon ab, inwiefern sie die system­ei­genen Eigen­schaften von Genos­sen­schaften als Erzeuger-​Verbraucher-​Gemeinschaft nutzen könnten. Die Dezen­tra­li­sierung der Ener­gie­wende werde dazu führen, dass jene Gesell­schaften die größten Gewinner sein werden, die den Austausch zwischen Erzeugern und Verbrau­chern am effi­zi­en­testen orga­ni­sieren könnten.

Keine schlechten Zeiten für Ener­gie­ge­nossen. Sie müssen nur ihren Blick nach vorn wenden und nicht über das eindeutig zu ihren Ungunsten geänderte EEG jammern. Denn diese Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen.


Mehrere Inter­veies, die mein Energieblogger-​Kollege Andreas Kühl mit Genos­sen­schaftern über neue Geschäfts­mo­delle führte, finden sich hier als Podcast.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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