Wird mit eigenerzeugten Strom betrieben: der Citroen C-Zero von Gerd Henne. Foto: Cleantech Media

Energie-​Autarkie mit Mix aus PV, Speicher, BHKW und Wärmepumpe

von | 8. April 2016

Gerold Henne bewohnt ein typisches nord­deut­sches Eigenheim aus den 50er Jahren, das von Beginn an in Fami­li­en­besitz war. Es hat 250 Quadrat­meter Wohn­fläche. 2012 ließ Henne auf dem Dach seines Anwesens eine 5,6 kWp Photo­vol­ta­ik­anlage installieren. 

Drei Jahre später erwei­terte der Haus­be­sitzer seine Ener­gie­ver­sorgung um einen Strom­speicher und ein Mikro-​BHKW. Um den Eigen­ver­brauch des selbst produ­zierten Stroms zu opti­mieren und die Netz­ein­speisung möglichst klein zu halten, riet sein Instal­lateur zum Kauf eines einpha­sigen Hybrid­strom­spei­chers. Das kleine Haus­kraftwerk speichert sowohl den PV-​Strom vom Dach, als auch den KWK-​Strom aus dem Keller. Der Wech­sel­richter zur Umwandlung von Gleich-​in Wech­sel­strom war durch die Photovoltaik-​Anlage bereits vorhanden. Das erleich­terte das weitere Vorgehen erheblich.

Die Mikro-​KWK-​Anlage ist der ener­gie­spa­rende Ersatz für die alte Ölheizung, die pro Jahr etwa 4500 Liter schluckte. Das neue Heizgerät in Hennes Haus basiert auf dem Prinzip der Kraft-​Wärme-​Kopplung. Dabei treibt ein Stir­ling­motor einen Generator an, der Strom erzeugt. Gleich­zeitig entsteht Abwärme, die zum Heizen und zur Warm­was­ser­be­reitung genutzt wird. Das Strom-​Wärme-​Verhältnis liegt in diesem Fall etwa bei 1:5.

Im Sommer, wenn übli­cher­weise nicht geheizt werden muss, genügt eine Brauch­was­ser­wär­me­pumpe zur Bereitung von Warm­wasser. Für lange, kalte Winter steht zusätzlich zur KWK-​Anlage noch ein Spit­zen­last­kessel bereit. So ist Hennes Wärme­ver­sorgung in jeder Jahreszeit abgesichert.

Während der Haus­be­sitzer die Wärme direkt verbrauchen kann, wird der Strom aus PV- und KWK-​Anlage zunächst im Strom­speicher zwischen­ge­spei­chert. Am Abend oder an bewölkten Tagen können die Lithium-​Ionen-​Akkus des Haus­kraft­werks dann entladen werden.

Entste­hende Strom­über­schüsse an sonnen­reichen Tagen speist das Gerät auto­ma­tisch ins Netz ein. Dafür erhält Henne eine Einspei­se­ver­gütung von 12,7 Cent pro Kilo­watt­stunde für den PV-​Strom. Für den KWK-​Strom würde er lediglich 5,7 Cent als KWK-​Bonus bekommen. Daher macht es Sinn, diesen Strom entweder direkt zu verbrauchen oder im Haus­kraftwerk zu puffern und dadurch zu „veredeln“. Strom aus dem öffent­lichen Netz muss der Haus­ei­gen­tümer nur selten in kleinen Mengen beziehen – erst dann, wenn alle Akku-​Reserven des Speichers aufge­braucht sind.

Und noch ein weiteres Puzzleteil in Hennes neuer Ener­gie­ver­sorgung trägt jetzt zum maximalen Eigen­ver­brauch bei: ein Citroen C‑Zero. Das kleine Elek­troauto wird über eine Wallbox durch den Strom­speicher aufge­laden. Diese ist ebenfalls mit dem Haus­kraftwerk verbunden. So muss Gerold Henne noch weniger Strom mit Verlust ins öffent­liche Netz einspeisen, sondern nutzt ihn statt­dessen für umwelt­freund­liche Mobilität.


Eine Übesicht über die aktuellen Förder­mög­lich­keiten im Wärme­markt findet sich hier bei meinen Energieblogger-​Kollegen von energie​-effizient​-sparen​.de.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

1 Kommentar

  1. jogi54

    Sollte man ein Haus, das 180kWh/​m²a verbraucht, nicht erstmal ener­ge­tisch sanieren?? (bei solchen Beispielen kommen mir immer die Tränen 😉 )

    Bei 180kWh/​m²a (auch wenn das Brennwert KWK etwas effek­tiver ist) kann das nur mit relativ hoher VL/​RL Tempe­ratur erfolgen, und wird damit den Brenn­wert­effekt wenig nutzen können.

    Man kann bei dem Wärme­bedarf davon ausgehen, dass der Stirling im Winter durch­läuft und mehr Strom erzeugt, als norma­ler­weise in einem solchen Haus verbraucht wird – da muss schon einiges in das e‑car gehen, oder es bedarf auch einer Sanierung im Strombereich.

    Ein eini­ger­maßen ener­gie­be­wustes Haus dürfte bei 10kWh/​Tag Strom liegen – dann bleiben 12kWh/​Tag für das e‑car, genug für 80km/​Tag, was einer Jahres­leistung von knapp 30tkm/​a entspricht – die muss man erstmal fahren.

    OT
    in Köln war der 2.Mai für mich ein guter Tag bezüglich EEN: 34kWh PV und 21kWh ST
    /​OT

    LG jogi

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