Sektorkopplung mit Offshore-Wind: Auswechseln einer energieerzeugenden Großtechnologie durch die nächste? Foto: Urbansky

Sektor­kopplung: Retter der Ener­gie­wende oder inef­fi­zi­enter Holzweg

von | 4. Januar 2017

Die Sektor­kopplung, also die Kompa­ti­bi­lität aller drei großen Ener­gie­be­reiche Mobilität, Wärme und Strom­erzeugung auf Grundlage Erneu­er­baren Stroms, geht nicht nur im volks­wirt­schaft­lichen Maßstab, sondern auch im kleinen. 

Fossile Wärme­träger wie Heizöl, aber auch die Ölheizung und der klas­sische Verbren­nungs­motor können dabei eine Rolle spielen. Dennoch wird sie gerade von Vertretern dezen­traler Ener­gie­lö­sungen als schädlich für die Ener­gie­wende betrachtet.

Karl Gerhold ist die Sektor­kopplung nicht geheuer. Bei den Offshore-​Windparks in der Nordsee sieht der Gründer und Chef des Energiedienstleistungs-​Konzerns Getec nur das Auswechseln einer Groß­tech­no­logie durch die andere. Für dezen­trale Lösungen, mit denen sein Unter­nehmen von Magdeburg aus gutes Geld verdient, sei dann noch weniger Platz, weil der im hohen Norden über­schüssige Strom auch zur Wärme­er­zeugung verwendet werden wird. …

Denn mit Sektor­kopplung meint die Politik vor allem die Verknüpfung des Strom­netzes mit dem Gasnetz. Die entspre­chende Tech­no­logie heißt Power-​to-​Gas (P2G) und verwandelt Wasser mittels über­flüs­sigem Öko-​Strom in Wasser­stoff, der zu Methan aufad­diert und ins Erdgasnetz einge­speist werden kann. Das hört sich nicht nur aufwändig und inef­fi­zient an, es ist es auch …

Spei­cher­problem ungelöst

Zwar steht mit dem deutschen Gasnetz ein riesiger Speicher von rund 200 GWh zur Verfügung. Dennoch ist nicht vorstellbar, dass dieser ausschließlich mit Gas aus Windstrom zu befüllen ist, da dieser ja auch für andere Bereiche wie Mobilität und Industrie gebraucht wird. …

Doch die neue Markt­an­reiz­ver­ordnung der Bundes­re­gierung macht genau das Gegenteil und setzt nur bei einer Förderung von Netz­in­ves­ti­tionen an. Elek­trische Speicher bleiben wieder einmal außen vor. …

Wärme­markt soll einge­koppelt werden

Der Wärme­markt bleibt auch im Focus der erneu­er­baren Sektor­koppler. In Deutschland werden derzeit 75 Prozent des Endener­gie­ver­brauchs bei Raumwärme und 66 Prozent des Warm­wassers durch fossile Ener­gie­träger gedeckt. Der Anteil Erneu­er­barer Energien fällt mit 14 Prozent bezie­hungs­weise 9 Prozent hingegen bescheiden aus.

Die gängigste Kopplung zwischen Wärme- und Strom­markt ist die Wärme­pumpe. Im Neubau ist sie nach dem Gaskessel die zweit­be­lieb­teste Heiz­tech­no­logie. Power-​to-​Heat (P2H) ist ein weiterer Ansatz. Der Überschuss-​Strom wird direkt via Tauch­sie­der­prinzip in Wärme gewandelt. Sehr effizient ist das Verfahren zwar ebenfalls nicht, technisch aber auch nicht aufwändig. …

Sektor­kopplung im Verkehr

Das größte Sorgenkind jedoch ist der Verkehr. Bislang werden nur 4,4 Prozent des Endener­gie­be­darfs im Verkehrs­sektor durch erneu­erbare Energien gedeckt. Kein Wunder – die Ener­gie­dichte von Diesel und Co. ist nahezu unschlagbar – ein in der Mobilität nicht wegzu­leug­nender Fakt. …


Gekürzt. Geschrieben für Brenn­stoff­spiegel. Der voll­stän­dige Beitrag ist nur in der Ausgabe 01/​2017 zu lesen. Zum kos­ten­freien Probeabo geht es hier. 

Aus Gas, auch aus Biogas, Strom zu machen, ist wie­der en vogue. Das beschreibt Energieblogger-​Kollege Björn Katz hier auf sei­nem Blog strom­aus­kunft.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

4 Kommentare

  1. Lothar Sowa

    Hallo Herr Urbansky,
    genauso wie man im Text die Recht­schreibung und die Grammatik richtig anzu­wenden hat, so sollten auch die Ausdrücke in der Ener­gie­technik korrekt verwendet werden:
    1. „ener­gie­er­zeu­genden Groß­tech­no­logie”. Energie kann gem. dem 1. Hauptsatz (HS) der Ther­mo­dy­namik nicht erzeugt werden. Nur Gott kann das. Wenn man die Strom­pro­duktion mittels Wind­ener­gie­an­lagen (WEA) meint, so ist das so zu formulieren.
    2. Strom­erzeugung! Besser Strom­pro­duktion. Kinder werden gezeugt! Man spricht ja auch nicht von Autoerzeugung!
    3. Erneu­er­barer Strom! Was ist das bitte? Wenn sie mir das erklären schlage ich Sie für den Nobel­preis vor.
    4. Fossile Wärme­träger! Wärme ist der Ener­gie­strom von einem Medium auf ein anderes. Besser: Fossile Energieträger.
    5. Wärme­er­zeugung!!! Sie meinen sicher die Spei­cherung von ther­mi­scher Energie!
    6. Wärme­markt!? Besser Energiemarkt!
    7. Endener­gie­ver­brauch! Siehe 1. HS. der TDyn.. Besser Energiebedarf.
    8. Raumwärme, na ja, gemeint ist doch die Raumheizung.
    9. Erneu­erbare Energien! 1. HS.!!! Besser Quelle ist doch die Sonne, mit ihre Energie in Form von elek­tro­ma­gne­ti­scher Strahlung zur Erde.
    Energie kann nicht erneuert werden.
    Denke, wenn die Fach­aus­drücke (Sprach­prä­zision) korrekt ange­wendet werden, wird das etwas mit der „Ener­gie­wende”.

    • Frank Urbansky

      Hallo Herr Sowa, Sie haben natürlich aus phyika­li­scher Sicht recht. Der Beitrag richtet sich jedoch an jede Menge Nicht-​Wissenschaftler, denen ich die Proble­matik mit den im Alltag geläu­figen Begrffen näher­bringen wollte, auch wenn diese nicht immer einer strengen Defi­nition stand­halten. Eine Ausnahme gibt es jedoch: Der Wärme­markt ist ein in der Branche sowie bei Politik und Wissen­schaft gängiger Begriff, der nur ein Teil des Ener­gie­marktes ist, eben jener, der sich mit Umwandlung, Transport und Verbrauch von Wärme­en­ergie befasst.

  2. Nitschke-Kowsky

    Nicht Luft (21%O2, 79% N2) wird in Wasser­stoff verwandelt, sondern Wasser (H2O)!
    Solche einfachen Fehler haben die Neigung den ganzen Artikel zu disqualifizieren.

    • Frank Urbansky

      Da haben Sie natürlich recht, danke für den Hinweis. Ist schon korrigiert.

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