E-Transporter der Bäckerei Schüren. Foto: Bäckerei Schüren

Bäcker „backen“ in Selbst­hil­fe­gruppe einen E‑Transporter

von | 30. Januar 2017

Die Post macht es, und nun auch die Bäcker: ihr eigenes E‑Auto bauen. „Wir Bäcker brauchen Elek­tro­autos als Trans­porter in der Sprin­ter­klasse. Und kein Auto­mo­bil­her­steller baut sie uns“, bringt es Bäcker­meister Roland Schüren auf den Punkt. 

Selbst ist der Mann, also der Bäcker, dachte sich Schüren, rief einige Kollegen zusammen und schon war die Selbst­hil­fe­gruppe E‑Mobil gegründet. Dabei schielt man auch auf große Vorbilder. So das Bestell­system für den Tesla Modell 3. Der wird ja auch quasi von Vorin­ter­es­senten vorfinanziert.

Schon 121 Interessenten

Für den E‑Bäcker-​Bus gibt es aktuell 121 und nicht alle sind Bäcker, aber alle zusam­men­ge­fasst in einer Face­book­gruppe, über die auch die Kommu­ni­kation läuft.

Wir und viele weitere Hand­werks­bäcker möchten unsere frischen Backwaren klima­freundlich und emis­si­onsfrei in unsere Filialen und zu unseren Firmen­kunden liefern. Von allen bekannten Auto­mo­bil­her­stellern gibt es kein Angebot oder nur ein einziges sehr teures Produkt in der Fahr­zeug­größe, die wir benötigen“, so Schüren. Die sehr tapferen Umrüs­tungs­be­triebe steckten viel Herzblut in ihre Einzel­um­bauten, könnten aber natur­gemäß meist nur zu dreifach höheren Preisen von vergleich­baren Verbren­nungs­mo­tor­mo­dellen anbieten.

Im ersten Schritt wurden 100 Inter­es­sens­be­kun­dungen gesammelt. Das ist schon mehr als erreicht. Aller­dings können sich weiterhin Inter­es­senten melden, am besten unter info@​ihr-​baecker-​schueren.​de mit dem Stichwort E‑Transporter Selbst­hil­fe­gruppe /​Inter­es­sen­be­kundung. Auch weitere Nicht-​Bäcker und Teil­nehmer aus der Schweiz, Öster­reich und den Benelux-​Staaten können mitmachen. Alle werden am 3. Februar 2017 zu einem Konfigurierungs-​Workshop nach Hilden einge­laden, wo die wesent­lichen Paramter für den E‑Lieferwagen, der vorerst BV1 für „Bakery Vehicle 1“ heißt, fest­ge­zurrt werden sollen.

Parameter selbst festlegen

Basis ist die Größen­klasse der Sprinter & Co, also Crafter, Ducato, Master, Transit, Tesla oder eben ein Sprinter. Auch andere Fabrikate oder Eigen- bzw. Neuent­wick­lungen sind möglich.

Folgende Parameter müssen fest­gelegt werden:

1. Kasten­wagen, mittlerer Radstand
1.a) mit 100 km sicherer Winterreichweite
1.b) mit 150 km sicherer Winterreichweite

2. Fahrerhaus mit Fahr­ge­stell zum weiteren eigenen Aufbau
2. a) mit 100 km sicherer Winterreichweite
2. b) mit 150 km sicherer Winterreichweite

Im Workshop geht es um optimale Lade­ge­schwin­digkeit und die nötige Zuladung. Alle Abhän­gig­keiten dazu werden behandelt und disku­tiert, z.B. ab wann eine Zulassung als LKW nötig werden wird und welche Ausnah­me­regeln es für Elektro 3,5‑Tonner gibt. Die Themen Dachhöhe und Anzahl und Ausführung der Türen kann man voraus­sichtlich indi­vi­duell bestellen. Auch die Größe eines 7,5 Tonnen soll behandelt werden.

Im zweiten Schritt, wenn die Konfi­gu­ration und die detail­lierte Vorge­hens­weise steht, wird versucht, diese Bekun­dungen in verbind­liche Zusagen umzu­wandeln. Dann werden Angebote bei allen Umbauern und bei etablierten Herstellern abgefragt.


Über die Poten­ziale der E‑Mobilität in Deutschland berichtet Energieblogger-​Kollege Björn Katz hier auf seinem Blog strom­aus­kunft.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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