Finanz-Bilanz von Power-to-Gas kata­stro­phal

PtG-Anlage des Stadtwerkeverbundes Thüga. Foto: Mainova / Joachim Storch Power to Gas, PtG, P2G, Shell, Wasserstoff
PtG-Anlage des Stadtwerkeverbundes Thüga. Foto: Mainova / Joachim Storch

Über Power-to Gas (PtG oder P2G) wurde an dieser Stelle schon öfter geschrie­ben, nie befür­wor­tend, immer ableh­nend auf­grund des hohen tech­no­lo­gi­schen Auf­wan­des, der eine miese Ener­gie­bi­lanz bedingt.

Diese Haltung bekommt aktuell Futter. Bisher waren dem Betrei­ber dieses Blogs nur interne Zahlen eines großen deut­schen Ener­gie­kon­zerns bekannt, der für die interne PtG-Kalkulation, also der Erzeu­gung von Was­ser­stoff aus Wind­strom, dessen Auf­ad­die­rung zu Methan, dessen Ein­spei­sung ins Erd­gas­netz und seine Rück­ver­stro­mung, 2 Euro je kWh zugrunde legte. Zum Ver­gleich: Am Strom­markt kostet im Groß­han­del Strom etwa 2 Euro­cent je kWh, also etwa ein Hun­derts­tel.

Was­ser­stoff auch nicht lohnend

Oliver Lüdtke sieht mittelfristig keine industriellen PtG-Anlagen. Foto: Verbio P2G, Power-to-Gas
Oliver Lüdtke sieht mit­tel­fris­tig keine indus­tri­el­len PtG-Anlagen. Foto: Verbio

Diese mehr als ernüch­ternde Bilanz bekommt nun neues Futter. War bisher viel­leicht noch der Weg, nur den Was­ser­stoff lokal zu nutzen, als gang­bare Kom­po­nente genannt worden, fällt das nach den Berech­nun­gen von Oliver Lüdtke Vor­stand Bioethanol/Biogas und stell­ver­tre­ten­der Vor­stands­vor­sit­zen­der des Bio­kraft­stoff­her­stel­lers Verbio, aus wirt­schaft­li­chen Gründen nun auch weg. Auf dem Kon­gress Kraft­stoffe der Zukunft letzte Woche in Berlin machte Lüdtke fol­gende Rech­nung auf:

Nach dem Poten­ti­al­at­las der Ener­gie­agen­tur Dena liegt die Kos­ten­struk­tur bei 7,7 bis 11,7 Euro je kg Was­ser­stoff. Die Band­breite ergibt sich aus den unter­schied­li­chen zugrunde geleg­ten Strom­prei­sen. 50 % muss man für die Her­stel­lung von Methan auf­ad­die­ren. So kommt man auf 11,5 – 17,5 Euro je kg Methan oder 11.500 bis 17.500 Euro je Tonne. Der Markt­preis jedoch liegt in den USA etwa bei 150 Euro je Tonne, je nach Band­breite beträgt er also nur etwa ein Vier­zigs­tel oder ein Sieb­zigs­tel dessen – unver­käuf­lich.

Doch auch die Bilanz für Was­ser­stoff sieht nicht besser aus. Lüdtke rechnet mit Her­stel­lungs­kos­ten von 7.700 bis  11.700 Euro je Tonne. In der EU liege de aktu­elle Markt­preis bei etwa 10 % bis 25 % davon.

Ohne För­de­rung wird nix

Die Gründe liegen auch auf der Hand. Der Verbio-Vorständler sieht diese in der teuren Elek­tro­lyse und in dem schlech­ten Wir­kungs­grad begrün­det. Zudem lasse sich Über­schuss­strom kaum nutzen. Lüdtke sieht noch mas­si­ven Bedarf in der Grund­la­gen­for­schung und hofft, dass sich die Elek­tro­ly­se­kos­ten um 80 % redu­zie­ren lassen. Für die nächs­ten 10 Jahre sieht er aller­dings keine Anlage auf indus­tri­el­lem Niveau in Deutsch­land, es sei denn, es würde  geför­dert. Seitens der Bun­des­re­gie­rung wurde dies jedoch schon mehr fach abge­lehnt.


Dass der umge­kehrte Weg, nämlich aus Gas Strom zu machen, wieder en vogue ist, beschreibt Energieblogger-Kollege Björn Katz hier auf seinem Blog strom­aus­kunft.

5 Kommentare

  1. Der letzte Absatz fasst es ganz gut zusam­men.

    Man kann natür­lich den Kopf in den Sand stecken und vor Inno­va­tio­nen zurück­scchre­cken. Oder eben nicht und damit den Weg für eine künf­tige Vorreiter-Rolle ebenen.

  2. An den Ver­fah­ren wird fleißig geforscht. Wie kommt Herr Lüdtke darauf, dass man »50 % muss man für die Her­stel­lung von Methan auf­ad­die­ren« müsse? Der Ver­gleich zum Strom­preis im Groß­han­del hinkt. Es geht um Strom der bislang unge­nutzt bleibt. Wir haben ent­we­der Ent­schä­di­gungs­kos­ten, Netz­kos­ten oder Kosten für Strom im Lang­zeit­spei­cher. Welchen Lang­zeit­spei­cher schlägst Du in einem 100%-erneuerbare-Energien-Szenario vor?

    • Hi Kilian, die Metha­ni­sie­rung ist auf­wän­dig, aus den Pro­jek­ten, die ich kenne, sind die 50 % Mehr­kos­ten kei­nes­wegs über­trie­ben. Als Lang­zeit­spei­cher sehe ich das Gasnetz nicht, auch wenn der Gedanke char­mant ist. Ich denke, dezen­trale Lösun­gen inkl. Nah­wär­me­netze sind effi­zi­en­ter. Den Über­schuss­strom könnte man in PtH nutzen. Ist zwar auch nicht effi­zi­ent, kann sich aber rechnen. Und in Däne­mark sind mir auch keine PtG-Projekte bekannt, die als Lang­frist­spei­cher dienen, dort sind es immer große Was­ser­spei­cher oder PtH-Verfahren. Und die Dänen sind bei der prak­ti­schen Erpro­bung schon sehr weit.

      • Wundere mich immer mehr über viele selbst­er­nannte Exper­ten. Obwohl ich mich nun seit 2008 mit Metha­ni­sie­run­gen beschäf­tige und außer uns nur zwei weitere Unter­neh­men kenne die fun­tio­nie­rende Reak­to­ren bauen können — folgern Sie auf ‑welcher Basis auch immer- dass die Metha­ni­sie­rung 50 % Mehr­kos­ten ver­ur­sacht. Völlig falsch diese ist sogar erheb­lich güns­ti­ger als die allei­nige Was­ser­stoff­her­stel­lung und ‑spei­che­rung. Bei uns stehen hierzu down­loads zur Ver­fü­gung.

        • Herr Lüdtke ist mit Sicher­heit kein selbst­er­nann­ter Experte, sondern ein rich­ti­ger.

          Wenn es bei Ihrem Bei­spiel um Exytron geht, ist das eher eine sehr klein­tei­lige Metha­ni­sie­rung. Ist das mit PtG im großen Maßstab vegleich­bar?

          Und selbst wenn am die Metha­ni­sie­rungs­kos­ten ver­nach­läs­sigte: Die H2-Produktion bliebe bei einem Faktor von 40 trotz­dem nicht markt­fä­hig.

          Über die Down­load­quelle würde ich mich freuen.

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