Große Solarkollektorfelder wie hier in Dänemark sind das Vorbild für Preetz. Foto: Dronninglund Fjernwarme

Preetz: Klein­stadt will 70 % Öko-Nahwärme

von | 16. Februar 2017

Erneu­erbare Wärme soll 3.100 Einwohner in der südöstlich von Kiel gelegenen Klein­stadt Preetz in Zukunft versorgen. 

Das berichtet Ralf Radloff, inzwi­schen pensio­nierter Wärmemarkt-​Experte des Minis­terium für Ener­gie­wende, Land­wirt­schaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-​Holstein und Heraus­geber des News­letters Wärmewende-​Info Nr 25. Der News­letter ist hier komplett herunterzuladen.

Genos­sen­schaft soll Träger sein

Träger wird eine Genos­sen­schaft sein, die demnächst gegründet werden soll. Das Inves­ti­ti­ons­vo­lumen liegt bei rund 10 Millionen Euro. Instal­liert werden dazu 6.300 m² Solar­thermie. Die tatsäch­liche Umsetzung des Projektes hängt aber auch davon ab, ob die für die Solar­thermie vorge­sehene Fläche aus dem Land­schafts­schutz entlassen wird.

Genutzt wird zudem eine bestehende Biogas­anlage, die bisher ohne Wärme­nutzung arbeitete und die in der Nach­bar­ge­meinde Pohnsdorf steht.

Hack­schnitzel dominieren

Nach den Ergeb­nissen der Mach­bar­keits­studie wäre eine genos­sen­schaft­liche Lösung optimal, so Radloff. Ange­sichts der niedrigen fossilen Ener­gie­preise wäre Hack­schnitzel der domi­nie­rende Ener­gie­träger, ein Solar­anteil von knapp unter 20 % sei wirt­schaftlich möglich. Der Wärme­preis sei dann aber immer noch etwas zu hoch und würde bei etwa 8 Eurocent je kWh liegen. Das ist zwar vergleichbar mit durch­schnitt­lichen Fernrwär­me­preisen in Deutschland, nicht jedoch mit den derzei­tigen Preisen für Öl oder Gas, die bei etwa 5 bis 6 Eurocent je kWh liegen. Ein höherer Solar­anteil mit Lang­zeit­wär­me­speicher würde dagegen die Finan­zie­rungs­kosten und damit den Wärme­preis drastisch in die Höhe treiben.

Die im Vorfeld erstellte Mach­bar­keits­studie geht von folgenden Prämissen aus:

  • Bis 2035 lässt sich bei einer Anschluss­quote von 70% etwa 67% des Wärme­be­darfs der privaten Haushalte in Preetz mit Nahwärme decken.
  • Dabei wurden 7 Wärme­quar­tiere mit beson­derer Eignung iden­ti­fi­ziert – über­wiegend im Preetzer Stadt­gebiet Nahwärme .
  • Die Versorgung ist entweder über Areal-​BHKWs und viele kleinere Nahwär­me­netze oder über ein mehrere Quartiere versor­gendes Wärmenetz möglich.
  • Im Nord­westen eines Quartiers befindet sich zudem eine Biogas­anlage mit BHKW. Ein nicht unbe­trächt­licher Teil der BHKW-​Wärme steht noch für eine ther­mische Nutzung zur Verfügung.

Über ein kaltes Wärmenetz berichten die Energieblogger-​Kollegen von Ener­gie­zu­kunft hier.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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