Bio­gas­pro­duk­tion aus Abfäl­len auch in Zukunft not­wen­dig

Sieht ab 2023 unsicheren Zeiten entgegen: Biogasanlage des Kompostierwerks in Weißenfels. Fotos: Urbansky
Sieht ab 2023 unsicheren Zeiten entgegen: Biogasanlage des Kompostierwerks in Weißenfels. Fotos: Urbansky

Biogas hat ja gerade keinen ein­fa­chen Stand. Poli­tisch umstrit­ten, die För­de­rung mehr gedul­det als gewollt, sehen sich viele Bio­gas­an­la­gen in den nächs­ten Jahren vor einer wirt­schaft­li­chen Neu­ori­en­tie­rung.

Dabei gibt es zu ihnen mit­un­ter keine Alter­na­tive – etwa, wenn sie an ein Kom­pos­tier­werk zur Bio­müll­ver­ar­bei­tung ange­schlos­sen sind.

24.000 Tonnen Ver­gä­rungs­durch­satz

So in Wei­ßen­fels. Dort gehört das Kom­post­werk Wei­ßen­fels zum Land­kreis. Seit 1999 arbei­tet es kon­ti­nu­ier­lich. Bis 2004 wurde es durch eine erste Ver­gä­rungs­stufe mit 12.000 Tonnen je Jahr ergänzt. 2007 kam eine zweite Ver­gä­rungs­stufe hinzu. Der Jah­res­durch­satz liegt nun bei 24.000 Tonnen. Damit werden alle ein­ge­sam­mel­ten Bio­abälle des Bur­gen­land­krei­ses kom­pos­tiert und – soweit tech­nisch möglich – ver­go­ren und in Biogas umge­wan­del.

Pro Jahr werden hier ver­ar­bei­tet und pro­du­ziert:

  • 25.000 Tonnen Bio­ab­fall
  • 3 Mio. Kubik­me­ter Biogas
  • 6 Mio. Kilo­watt­stun­den Elek­tro­en­er­gie
  • 8.000 Tonnen Kom­post­erde
  • 11.000 Kubik­me­ter Gär­pro­dukt flüssig

Fast 1 Mio. Erlöse aus EEG

Das Biogas wird rein bio­lo­gisch ent­schwe­felt und in zwei Block­heiz­kaft­wer­ken (jeweils Jen­ba­cher mit 333 kW und 526 kW) ver­stromt. 2016 wurden so aus 3,9 Mil­lio­nen Kubik­me­ter 5,9 Mil­lio­nen kWh Strom pro­du­ziert und Fer­men­ter, Wär­me­tau­scher und Bio­gas­an­lage sowie Sozi­al­trakt und Büros des Kom­pos­tier­werks mit Wärme ver­sorgt. Die Net­to­ver­gü­tung betrug 911.000 Euro.

Abfall muss entsorgt werden. Ein ölffentlicher Auftrag, der bei Biomüll mittels Biogasproduktion hervorragend erfüllt werden kann.
Abfall muss ent­sorgt werden. Ein ölf­fent­li­cher Auftrag, der bei Biomüll mittels Bio­gas­pro­duk­tion her­vor­ra­gend erfüllt werden kann.

Die könnte, so die Beden­ken von Holger Kahnt vom Kom­pos­tier­werk­be­trei­ber Bio Komp‐SAS, ab 2023 weg­fal­len, wenn die 20 Jahre für die EEG‐Erlöse ablau­fen. Für die Ver­mark­tung des Bio­ga­ses danach gibt es noch keine Pläne. Anfal­len wird es trotz­dem, denn die Bio­ab­fälle müssen ja auch wei­ter­hin ent­sorgt werden.

Es gibt nur zwei Alter­na­ti­ven: Ent­we­der fallen die Strom­erlöse inner­halb der Umsatz­struk­tur des Kom­pos­tier­werks ganz oder teil­weise weg, denn eine Ver­mark­tung zu Bör­sen­strom­prei­sen wäre unwirt­schaft­lich. Oder die För­de­rung für Anlagen dieser Art, die ja einem öffent­li­chen Auftrag nach­kom­men, laufen in anderer Form weiter.


Mit den Zielen der Ener­gie­wende, zu der auch der Ausbau der Strom­netze gehört, beschäf­tigt sich Energieblogger‐Kollege Björn Katz hier auf seinem Blog Strom­aus­kunft.